Black Metal und Death Metal Magazin

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The Flight Of Sleipnir - Alte Schriften auf neuen Wegen! (Interview, 2011)

Seit Monaten in der Mache, ist es nun endlich fertig: das Interview mit Clayton von THE FLIGHT OF SLEIPNIR. Die Band trifft keine Schuld, eher mein etwas voller privater Zeitplan, der mich des Öfteren von der Fertigstellung abhielt. Zum Zeitpunkt der ersten Fragen war die Vinylversion von "Lore" noch nicht draussen, mittlerweile ist es aber erhältlich. Trotz dieser kleinen Schnitzer wünsche ich viel Spass beim Lesen dieses informativen Gesprächs!



Hallo, Clayton! Wie geht’s dir?

Mir geht es dieser Tage ziemlich gut.

Ich habe bei euch wegen eines Interviews mit Schwermetall in den letzten Tagen von 2010 angefragt. Nun gibt es mittlerweile ein Interview im Netz, zu dieser Zeit war dies aber nicht der Fall. Gab es keine derartigen Anfragen oder mögt ihr allgemein keine Interviews?

Wir bekommen ein paar Anfragen, David hat vor nicht allzu langer Zeit eines gemacht. Ich denke, wir sind da ziemlich neutral, was diese Dinge angeht...

Lass uns zuerst ein bisschen "Band Smalltalk" halten. Ich kann mir vorstellen, dass nicht jeder Leser eure Band kennt. Erzähl doch bitte mal ein bisschen was zur Geschichte, den Einflüssen und so weiter.

David und ich haben die Band Ende 2007 gegründet. Wir haben vorher in verschiedenen Black/Death Metalprojekten zusammen gespielt. Wir gründeten sie, damit wir einfach Musik machen können anstatt immer die eine oder andere "Szene" dabei zu bevorzugen. Wir geniessen viele verschiedene Musikstile – hauptsächlich Metal, aber auch Folk, Ambient, Progressive Rock und so weiter. Unsere ersten beiden Alben erschienen bei No Colours Records und haben jetzt einen Vertrag mit Eyes Like Snow, einem Sublabel von Northern Silence.

Was sind eure Pläne für die Zukunft? Wann wird es ein neues Album geben?

Die neue Scheibe ist fertig und wird im Mai erscheinen. Ebenfalls wird dann eine Split-LP mit uns, Rituals of the Oak und Aposte of Solitude erscheinen.

Ging das Projekt von eurem Label aus oder hattet ihr schon vorher Kontakt mit den anderen Bands?

Ursprünglich wurde David vom Label gebeten, die Gestaltung für die LP zu übernehmen, dann aber schliesslich durften wir uns auch am musikalischen Teil beteiligen. Wir hatten vorher aber keinen Kontakt mit den anderen Bands, fühlen uns aber geehrt, mitmachen zu dürfen und sind schon sehr gespannt auf das letztendliche Ergebnis.

Wenn ich richtig liege, veröffentlicht ihr demnächst "Lore" auf Vinyl. Warum nicht "Algiz + Berkanan"?

Ja, "Lore" kommt demnächst auf Vinyl. Wir würden auch gerne "Algiz + Berkanan" auf LP veröffentlichen – eigentlich hatten wir sogar eine solche Veröffentlichung im Kopf, als wir das Album geschrieben haben. Bis jetzt hat es aber leider noch nicht geklappt. Hoffentlich klappt es nochmal in der Zukunft, falls die Nachfrage besteht.

Das klingt so, als ob ihr Vinyl CDs vorzieht?

So ist es. Es bietet einfach ein viel geniessbareres Hörerlebnis – natürlich nicht für Jedermann. Ich persönlich liebe das Artwork in seiner vollen Grösse, den eigenen Sound und die Tatsache, dass eine LP viel mehr Aufmerksamkeit fordert als ein MP3-Player auf "Shuffle".



Kommen wir nun zum ideologischen Hintergrund von THE FLIGHT OF SLEIPNIR. Ich muss gestehen, dass ich bis jetzt nur "Algiz + Berkanan" gehört habe. Aber auf jeden Fall klingt es sehr spirituell, auf seine eigene Art manchmal gar meditativ. Ist das beabsichtigt oder nur meine persönliche Interpretation?

Das Album ist unsere persönliche Interpretation dieser beiden Runen. Ich denke, dass würde vielen Leuten als spirituelles Konzept reichen. Ich persönlich sehe das Album mehr in symbolischer Hinsicht bezüglich der Texte. Musikalisch lassen wir es einfach fliessen – es gab keine bewusste Entscheidung, es so oder so klingen zu lassen. Wie auch immer, ich finde, was die Leute selbst aus der Musik rausziehen, ist genauso wichtig wie das, was ich beabsichtige oder selbst rausziehe.

Ich verstehe deine Antwort im positiven Sinne als "wir haben keine bestimmte Absicht". Es gibt keine allgemeine Botschaft, die ihr den Hörern vermitteln wollt, ihr liefert nur "Werkzeuge", um sich eine eigene zu bauen?

Ganz genau so ist es. Wir sind nur die Tourleiter, wenn du so willst. Was du dort siehst, hängt ganz allein von dir ab.

Man könnte auch ganz generell fragen, ob Musik wirklich eine Botschaft haben MUSS?

Das kommt darauf an, was du unter Botschaft verstehst. Hat ein Künstler wie Merzbow eine Botschaft? Was ist mit rein instrumentalen Bands wie den japanischen Mono? Diese Musik bewegt die Leute trotzdem – sie erzeugt bei jemandem eine Reaktion. Ich denke, das ist wichtiger als irgendeine lyrische Agenda.

Wieso konzentrieren sich die Texte hauptsächlich auf nordische Mythologie? Was ist eure Verbindung dazu?

Wir beide respektieren und ehren die skandinavische Kultur. Die Mythologie enthält eine Menge Dinge, von denen wir meinen, dass sie noch immer wichtig sind. Wir interessierten uns schon dafür, bevor es die Band gab, also war es nur logisch, es als springenden Punkt zu nehmen.

Was genau meinst du mit "Dingen, die noch immer wichtig sind"? Ich bin der gleichen Meinung, aber vielleicht denken wir ja im Detail doch was anderes.

Ich habe das Gefühl, die moderne Welt ist zu apologetisch, zu politisch korrekt, zu sehr auf materielle Ziele und die Angelegenheiten "berühmter" Leute fokussiert. Die Mythologie lässt einen kurzen Blick in eine Welt werfen, wo Ehre und Würde sich gegen die meisten Sachen durchsetzten und die Natur noch respektiert und gefürchtet wurde. Es ist offensichtlich unrealistisch, heute wie ein "Wikinger" leben zu können. Was ich den Angaben entnehme, ist durch das moderne Aufwachsen verzerrt, aber man kann aus den alten Schriften immer noch sehr viel Weisheit ziehen.

Also betrachtest du beispielsweise die Edda eher in einem philosophischen als in einem religiösen Sinne?

Ich denke, das kann man so sagen. Das Wort "Religion" enthält den Glauben an etwas, das nicht greifbar ist. Die Edda als philosophisches Werkzeug zu nutzen, ist in meinen Augen angemessener.



Welche Rolle spielen Runen in eurem Leben? "Algiz + Berkanan" verschafft mir den Eindruck, dass sie recht wichtig sein müssen. Andererseits würde der Albumtitel keinen Sinn ergeben, hehe.

Diese Frage ist recht schwierig zu beantworten. Meiner Meinung nach sind sie kraftvolle Symbole – und Symbole können für verschiedene Leute etwas anderes bedeuten. Sie sind wichtig, weil sie als Symbole verschiedene Dinge verbinden, sehr viel mehr als andere Ikonographie, religiös oder nicht. Ich betrachte sie aber nicht als irgendwie absolut, nur als Mittel um über bestimmte Dinge nachzudenken und auf meine eigene Weise zu interpretieren.

Würdet ihr euch selbst als "spirituelle Personen" beschreiben und wenn ja, warum?

Das Wort "spirituell" ist sehr subjektiv. Ich persönlich bin sehr objektiv, wenn es um alltägliche Angelegenheiten geht, aber es hat etwas zu sagen, wenn Kunst oder Musik eine Reaktion in einem hervorruft. Ich nehme an, das könnten einige Leute als "spirituell" betrachten, aber eigentlich mag ich das Wort nicht.

Ich finde es oft ziemlich interessant, warum eine Band gegen das Christentum ist. Ich unterstelle eurer Band jetzt einfach mal eine solche Einstellung, hehe. Nehmen wir einen Hardcore-Bible-Belt-Christen: Was wäre der grosse Unterschied zwischen ihm und der Musik und den Texten von THE FLIGHT OF SLEIPNIR? Oder, falls ich falsch liege, könntest du dir vielleicht sogar Parallelen zwischen dem Christentum und eurer Band sehen?

Ich war noch nie im Süden, aber dein Klischee-Bible-Belt-Christ wäre ignorant, uninformiert, hätte einen aufgeblasenen Sinn moralischer Überlegenheit und wäre möglicherweise auch ziemlich ungebildet. Ich denke, das genaue Gegenteil zu sein. Während ich die christliche Kirche nicht mag, beschäftigt sich die Band allerdings nicht mit ihrer Politik – oder überhaupt Politik.



Bist du privat an Politik interessiert oder vertrittst du dieselbe Haltung wie mit TFOS?

Ich finde Politik in den USA extrem frustrierend. Die Antwort lautet also ja und nein, in der Regel halte ich mich aber davon fern. Die meisten Leute in diesem Land verstehen nichts von dem Thema und die Politiker wissen, wie sie daraus Vorteile für sich und ihre selbstsüchtigen Ziele schlagen. Ich bin es leid, Menschen über Dinge diskutieren zu hören, von denen sie keine Ahnung haben, was es letztlich in den letzten Dekaden geworden ist.

Das Interview nähert sich seinem Ende: Empfiehl den Lesern doch mal bitte ein paar Undergroundbands beziehungsweise –alben!

In letzter Zeit geniesse ich Paysage d’Hiver, Astra, Sadness Saturn, Wolf People, Electric Wizard und Roger Waters.

Danke für deine Geduld und dass du dir Zeit genommen hast, die Fragen zu beantworten! Ich möchte die alte Interviewtradition aufrecht erhalten: Die letzten Worte sind deine! Danke dir für dein Interview, Cheers and Hails!

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