Black Metal und Death Metal Magazin

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Bergthron - Expeditionen, Emanzipation und Entwicklung (Interview, 2011)

Bergthron zählt wohl zu den bekanntesten und für mich auch den innovativsten Bands im deutschen Black- und Pagan Metal-Umfeld. Den meisten werden die Herren bekannt sein und müssen wohl nicht mehr vorgestellt werden. Ich hab mich mit ihnen über die Einschätzung von "Expedition Autarktis", welches ja nun auch schon eine Weile draussen ist, unterhalten - wir thematisierten aber auch frühere Alben, Heidentum, überbewertete Bands: es ist also einiges zu lesen. Viel Spass dabei und vielen Dank an BERGTHRON für das Interview!

Moin Moin! Alles klar bei euch? Wie seid ihr bis jetzt mit der "Autarktis" zufrieden?


Ein hallendes SALI nach Helvetia! Alles klar Schiff soweit, danke der Nachfrage. "Zufrieden?" - klingt doch etwas zu halbherzig. EXP. AUTARKTIS ist definitiv ein starkes Album und wir sind mächtig stolz darauf! Denn neben der Leidenschaft für extreme Musik sind wir sehr unterschiedliche Charaktere und bis wir uns bisher, bei so einer Konstellation, letztlich auf ein Resultat einigen konnten, liefen die Diskussionen oftmals alles andere als einvernehmlich ab. Kurz gesagt: "Folge ein paar wild gewordenen Kerlen mit jeder Menge Testosteron und literweise Bier im Blut in ihr "Jagdheim" und du wirst dich in einem Pfuhl aus Eitelkeit, handfesten Auseinandersetzungen und Dicke – Eier - Spielchen wieder finden...quasi ein unerschöpflicher Quell’ der Inspiration...haha!!!"


Mit der neuen Scheibe habt ihr den Klang von Bergthron (sofern man überhaupt von DEM typischen Sound sprechen kann) wieder geändert. Ich finde es auf eine gewisse Art moderner, vielleicht auch etwas experimentierfreudiger. Ist das ein Ziel, das für jedes Album gesetzt wird oder ist ein ganz natürlicher Veränderungsprozess?

Sowohl als auch! Seit jeher war es uns wichtig, den Sound als Medium für eine entsprechende Atmosphäre zu nutzen. Somit ist es nur logisch, dass sich der Sound stets verändern musste. Aber wir haben immer darauf geachtet, dass die Seele - BERGTHRON - als Fundament bestehen bleibt. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es bequem ist, sich ein Album anzuhören, bei welchem man im Voraus schon weiss, wie es ungefähr klingen wird. Doch unser Wunsch ist es, dass sich der geneigte Hörer mit unseren Alben auseinandersetzt, die Ideen hinter den Konzepten erkunden und verstehen will. Wandel ist für uns essentiell, das ist es was uns ausmacht! Mit Eintönigkeit fänden wir wahrscheinlich relativ schnell immer weniger Freude an dem, was wir tun. Für alle die, die's nicht nachvollziehen können, lasst Euch sagen: "Asymmetrie bedeutet Leben!!!"

Neben dem Klang hat sich auch das Äussere geändert, ebenfalls in eine modernere Richtung. Schutzbrillen wie auf dem Cover wären wohl auf "Leben und Lebenswille", geschweige denn auf "Faust für Faust", undenkbar gewesen. Wird es so weitergehen oder ist das (möglicherweise) eine Ausnahme?

Das stimmt, auf der "FAUST FÜR FAUST" wäre das nicht möglich gewesen! Nennt uns Pedanten, aber auch die CD-Verkleidung war dem Konzept geschuldet. Wir hatten uns für eine Metallbox entschieden, weil diese einem bereits bei Berührung die kalte und unbarmherzige Stimmung einer Arktisexpedition vermitteln kann. Ob das in Zukunft bei der derzeitigen Entwicklung (MP3 - Downloads) noch möglich sein wird, bleibt abzuwarten. Denn ohne Label noch einmal so eine Investition zu stemmen, wird bei allem Tatendrang kaum machbar sein. Und doch wollen wir uns nicht mit einem billigen CD-Heft begnügen. Wenn man so will, ist EXP. AUTARKTIS der Schlüssel, die Verbindung zwischen Tradition und Moderne! Für uns lassen sich von der nordischen Mythologie immer deutlicher Bezüge zu aktuellen weltlichen Geschehnissen herstellen, was folglich alles plötzlich greifbarer, lebendiger erscheinen lässt. Ob dies ein einmaliges Experiment bleiben wird, kann ich nicht sagen! Wir gehen unseren Weg, wie dieser aussehen wird, wird sich zeigen! Doch an dieser Stelle noch ein Gruss an die treuen "Expeditionsteilnehmer"... wir sind noch lange nicht am Ziel... versprochen!!!



Also ist es sozusagen möglich, dass diese Entwicklung weitergeht oder würdet ihr auch noch mal Schritte zurück machen – sprich: Wäre ein "Uralte Gedanken", "Verborgen..." oder "Jagdheim" noch mal möglich? Deine Antwort könnte man, wenn man will, auch so verstehen. Es wäre sicher mal interessant zu hören, wenn ihr mit dem derzeitigen Klang einen 30-Minuten-Titel aufnehmt. Andererseits wäre das auch mit rohem Frühsound sicher nicht ohne Reiz, hehe.

Entwicklung kann man nicht stoppen! Es ist aber durchaus denkbar, dass wir alte Elemente wieder verwenden werden. Und dennoch wird es letztlich stets ein eigenständiges Album werden und nie den Vorherigen gleichen. Das erklärt sich allein daraus, dass kein Mensch dieser Welt in einer Zeitschleife festsitzt. Die Idee an sich, "ein altes Album mit neuem Sound aufnehmen" ist immer interessant, doch die Gefahr dass man sich in eben diesem Album verstrickt und es nie schafft sich endlich zu lösen ist definitiv riesengross. Denn nach Abschluss eines jeden Albums hadert man grundsätzlich immer mit sich selbst. Ist man den eigenen Ansprüchen gerecht geworden? Hätte man hier und dort doch lieber nochmal dies oder jenes ändern können. Jeder der Musik macht, kennt den Punkt an dem man sich zurücklehnt und nach all der Zeit und literweise Herzblut weiss, das ist es. So bleibt es, genau das spricht aus mir/uns. Bei all dem Schaden den wir bisher genommen haben, würde uns das in jeder Hinsicht den Rest geben, haha.

Ich glaube, an dieser Stelle haben wir ein Stück aneinander vorbeigeredet. Eine 1:1-Neuaufnahme eines alten Albums sehe ich generell kritisch, bildet es doch letztlich auch immer eine Aufnahme der jeweiligen Umstände, die eine Platte stark beeinflussen. Dies lässt sich schlecht wiederholen, es geht immer etwas dabei verloren. Ich meinte nur die Machart überhaupt, ob man von euch mal wieder so einen 30-Minuten Brocken vorgesetzt bekommt.

Das hängt immer von unserer jeweiligen Stimmung ab und ob es zum Konzept passt. Es kann also durchaus sein, das wir mal wieder ein überlanges Lied aufnehmen. Ich möchte da jetzt keine Zugeständnisse machen, aber auch keine Absage erteilen.



Wir dürfen also gespannt sein! Kommen wir wieder zur aktuellen Scheibe: Die Liedtitel wirken auf mich etwas kryptisch, aber dennoch interessant. Kannst bzw. willst du etwas zu deren näherer Bedeutung sagen?

Nein, das werde ich nicht tun! Das Hauptanliegen, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden sollte klar erkennbar sein. Deshalb auch die zweifachen Liedtitel mit "moderner" Wortwahl, sowie das Einbringen der (für uns) neuen Stilelemente in die Musik. Wie oben bereits erwähnt - wenn sich der Hörer dazu Gedanken macht, haben wir unser Ziel erreicht. Doch würde ich auf deine Frage eingehen und alles detailliert erläutern, würde ich damit vorgreifen und nehme den Hörern die Chance das Werk selbst zu interpretieren und eine eigene Perspektive zu entwickeln. Unter anderem wurden auch deshalb die Texte nicht vollständig abgedruckt. Wer uns kennt, wird wissen, dass wir das nicht auf die "tausendmal schon da gewesen"-Schiene machen.

Das ist wohl wahr, ja! Angesichts des klaffenden musikalischen Unterschieds zur frühen Phase von Bergthron würde mich interessieren, wie du insbesondere die sehr eigenen ersten drei Veröffentlichungen aus heutiger Sicht beurteilst. Würdest du daran etwas ändern? Hörst du sie privat noch?

Ich glaube jeder Mensch, der Kreatives schafft, muss sich in gewissen Abständen mit seinen Wurzeln befassen, warum sollte es also in unserem Falle anders sein? Ob wir daran etwas ändern würden? Nein, definitiv nicht! Wir alle hören gern mal in die alten Scheiben rein, es ist wie ein kurzer Trip zurück und weckt viele wichtige Erinnerungen und Gefühle. Deshalb würde eine Beurteilung kaum objektiv ausfallen.

Ein zentraler Punkt für Bergthron ist die nordische Mythologie und Heidentum. Was bedeutet "Heidentum" für dich persönlich? Ich denke, davon hat eigentlich jeder eine andere Vorstellung.

Dem kann ich nur beipflichten. Ich behalte gern die Kontrolle bei allem was ich tue. Somit ziehe ich es vor, mein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Für mich persönlich steht der Begriff "Heidentum" eher als Bezeichnung für Abgrenzung oder auch als eine Art religiöser Emanzipation. Bildlich gesprochen: "Wie definiert man Gott, wenn man den Himmel mit einer Hand berührt?". Einen Nutzen durch die nordische Mythologie habe ich vielmehr in Form eines Impulsgebers bzw. einer Inspirationsquelle. Irgendwann habe ich vor, einmal Island zu erkunden, falls mir dann Thor leibhaftig begegnen sollte, überdenke ich vielleicht meine Einstellung. Doch hierbei spreche ich jedoch nur für mich selbst und nicht den Rest der Band!



Das wüsste ich dann doch gerne nochmal etwas genauer. Meinst du mit religiöser Emanzipation das Loslösen von monotheistischen Religionen oder überhaupt von dogmatisiertem Glauben? Und wie genau verstehst du den bildlichen Vergleich?

Loslösung trifft es ganz gut. Die Idee des einen Gottes widerstrebt mir grundsätzlich und strahlt für mich eine Arroganz aus, die seinesgleichen sucht. Ich bin davon überzeugt, dass Religion an sich seit jeher als Mittel zum Zweck diente. Ja, ich bin ein Ungläubiger und wenn ich die Zeit hätte, würde ich damit hausieren gehen! Denn in einer Zeit, in der es mehr und mehr zu einer Art Mode geworden zu sein scheint, "alles" mal durchzuprobieren, kann man nur zu einem Schluss kommen. Die Welt der Wissenschaft mag noch nicht auf alles eine Antwort haben, doch die sie mir bisher geben konnte, haben mich bis heute stets gut durchs Leben gebracht.

Würdest du dich denn selbst als "Heiden" bezeichnen? Wenn ja, wie drückt sich das aus beziehungsweise wenn nicht, was trennt dich davon?

Wie oben erwähnt. Ansonsten lasse ich mich gern faszinieren, doch ziehe ich, bei aller Romantik, Rationalität im Alltag vor.

Kommen wir zum Thema Personenkult: Informationen über die Persönlichkeiten hinter Bergthron waren schon immer sehr rar gesät. Mal ein paar Fotos im Inlay des Demotapes, die eigentlich mehr Rätsel aufgeben als Klarheiten schaffen, ein offensichtlich sehr altes Foto bei Metal Archives (bei dem Nebenprojekt Sturmesbrūt), nicht allzu viele Interviews – warum haltet ihr euch so stark im Hintergrund? Im Prinzip schafft man dadurch ja bei einigen Hörern erst recht einen Kult um die Personen.



Es ehrt uns zwar das Interesse, jedoch verstehen wir bis heute nicht, warum es so wichtig sein sollte, Identitäten preiszugeben bzw. wer oder wie viele Personen hinter BERGTHRON stehen. Das mag zwar für den Einen oder Anderen enttäuschend sein, doch wenn man beachtet, dass wir nicht live spielen, macht es einfach keinen Sinn. Unserer Auffassung nach ist nur eines wichtig, die Illusion der Musik! Sicher ist es heutzutage ein Leichtes, mittels Internet, usw. gewisse Dinge über uns herauszufinden, dennoch Rampenlicht ist einfach nicht unser Ding. Zudem gibt es mehr als genug Egozentriker in der "sogenannten" Szene, die ganz heiss darauf wären, noch ein Bildchen mehr von sich auch im letzten Magazin zu finden.

Wie wichtig ist dir die Person hinter der Musik im Hinblick auf andere Bands?

Kaum, aber sicher gibt es Personen vor denen ich aufgrund ihrer Werke grosse Achtung habe.

Das klingt jetzt zu interessant, um unbeantwortet zu bleiben, hehe.

Nein wirklich, es interessiert mich nicht. Wenn ich mich doch einmal damit beschäftigt habe, hat mir das meist übel aufgestossen. Wenn ich daran denke, wie ich von "Koksnase" Satyr las und er in seinem schicken Audi zum Interview vorfuhr, brach eine Welt zusammen. Oder letztlich das Outing von Gaahl, tut mir leid, da wird mir schlecht. Da wende ich meinen Blick lieber ab und gebe mich als Analphabet, haha. Um beim Thema zu bleiben, es ist das Lebenswerk was Anerkennung verdient. Ganz spontan, wenn wir bei handgemachter Musik bleiben wollen, fällt mir nur einer ein. Keiner hat meinen Respekt mehr verdient als Ian "Lemmy" Kilmister. Auch wenn es rein körperlich gesehen eher umgekehrt wäre, zu diesem Mann kann man nur aufsehen! Er ist definitiv einer der letzten seiner Art. Und ich pilgere jedes Jahr treu zu jedem Kaffeekränzchen in unseren Breitengraden.

Trennst du zwischen dem Künstler und der Band beziehungsweise der Musik? Wenn ja, wo läge für dich die "Grenze"?

Die Personen machen die Musik, letztlich zählt nur das. Allerdings machen Auftreten und Statements einiger vieles kaputt oder rufen einen faden Beigeschmack hervor. Wenn ich dem schon Aufmerksamkeit schenke, dann nur wenn ich davon überzeugt bin, dass es sich hierbei um authentische Charaktere handelt, wie eben Lemmy.

Wir nähern uns dem Schluss und ich drehe meine typische Schlussfrage mal um: Von welchen Alben warst du in letzter Zeit besonders enttäuscht?

Von Enttäuschung kann keine Rede sein, weil gerade aus der heutigen Pagan Metal- Szene von Bands wie EQUILIBRIUM, ENSIFERUM, KORPIKLAANI, BLACK MESSIAH und dieser Piraten-Szene wie SWASHBUCKLE und Konsorten nur gequirlte Kacke kommt, so wie zu erwarten war. Die letzte BORKNAGAR ("Universal") war recht mager. So auch noch AMON AMARTH, die sich von Album zu Album nur wiederholen (gähn, wie langweilig). Auch von der letzten GUANO APES habe ich mir mehr versprochen.

Guano Apes? Du bist also auch für Alternative zu haben?

Du willst mir doch jetzt nicht den Spass nehmen, für Gesprächsstoff zu sorgen oder?

Zeit, sich unbeliebt zu machen, hehe: Welche Klassikerscheibe findest du (total) überbewertet?

Wenn ich mir jetzt den Bereich des Black/ Pagan Metal betrachte, fallen mir sofort die ganzen FALKENBACH Alben ein, denn Abwechslung wird hier wirklich wenig geboten. Kennst du eins, kennst du alle!!! Auch VENOM gehören nicht wirklich zu meinen Favoriten. Betrachte ich mir so den gesamten Metalbereich, fällt mir dann das schwarze Album von METALLICA oder auch DESTRUCTION ein, welche meiner Meinung nach nicht wirklich Klassikerstatus besitzen. Mir würden sicher noch mehr einfallen, aber das würde wahrscheinlich den Rahmen sprengen.



Vielen Dank dafür, dass du dir für die Beantwortung Zeit genommen hast! Die letzten Worte gebühren traditionell dir!

Erstmal möchte ich dir für das Interview und deine Unterstützung danken. Auch möchten wir uns an dieser Stelle bei unseren Fans bedanken, die uns über die Jahre die Treue gehalten haben. Da wir ja momentan ohne Label sind, freuen wir uns natürlich auch diesbezüglich über jede Anfrage, da wir durch unsere Selbstständigkeit doch gemerkt haben, welche Arbeit diese zu leisten haben. In diesem Sinne: Support BERGTHRON!!! www.bergthron.de

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