Black Metal und Death Metal Magazin

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Black Metal und Death Metal

Rückblick 2011 - Bericht vom Aussenposten Nord (Livebericht, 2012)

Nachdem das Kapitel der Musik aus der Konserve abgeschlossen ist, soll es jetzt um das Konzertjahr 2011 gehen. Höchstwahrscheinlich werden die Wenigsten mit mir vor Ort gewesen sein, war doch die südlichste Veranstaltung in Hamburg. Sei’s drum, auf geht’s!

Die ersten Monate des Jahres waren aus konzerttechnischer Sicht erst mal weniger spektakulär. Plötzlich füllte sich in den letzten Monaten der Terminkalender, zunächst startete die Saison aber planmässig mit dem Barther Metal Open Air. Unsere Ankunft verzögerte sich im Laufe des Freitags immer wieder, sodass die Zelte letztlich irgendwann gegen 16.30 Uhr standen. Damit waren die ersten Bands verpasst, was aber bei Festivals in der Regel verschmerzbar ist. Traditionsgemäss folgte ein Gang zu den Ständen und im Endeffekt sahen wir gegen 20.00 Uhr mit Finsterforst die erste Band. Nun ja, viele mochten sie, aber ich kann mit Akkordeon-Pagan-Metal irgendwie nichts anfangen. Ein Freund meinte sogar, dass das mit das beste war, was er je auf dem BMOA gesehen hat – da ich aber nicht weiss, inwieweit das ein oder andere Bier da eine Rolle spielte, will ich daraus maximal schliessen, dass man den Auftritt so und so sehen kann.


Kurze Zeit später spielten die polnischen Besatt, wovon ich mir aber auch ein bisschen mehr erwartet hab. Aber dann: Horna! Meine Güte, was ein umwerfender Auftritt! Wenn auch wahrscheinlich kein Mensch die Ansagen des Sängers verstand, da sie konsequent auf Finnisch waren, werd ich das Konzert wohl nicht vergessen. Etwas derartig abgrundtief Finsteres und Böses sieht man wohl wirklich nur selten. Ich muss dazu sagen, dass ich eigentlich nie so recht einen Titel von Horna gehört habe, da ich sie unter Knüppel-BM einordnete, aber ich sollte eines besseren belehrt werden. So viele fast groovige Stellen überraschten mich dann doch. Der Höhepunkt war "Kuoleva Lupaus" – in der Studioversion schon grandios, wurde der Titel durch zweistimmigen Gesang (zusammen mit den beiden Gitarristen) nochmal extrem aufgewertet. Einfach nur grossartig! Als ich am Sonntagnachmittag wieder zuhause war, habe ich stundenlang bei Youtube alle möglichen Hornatitel durchgehört und habe ihn am Ende auch gefunden. Aber ich war auch Tage danach noch immer so gefesselt, dass ich nicht müde wurde zu suchen – das muss eine Band erst mal schaffen! Allein für "Kuoleva Lupaus" würd ich mir Horna jederzeit wieder angucken. Hätte man es vorher gewusst, das Video wäre einen Titel später aufgenommen worden – aber es wird auch so ein guter Eindruck von der Stimmung gegeben.



Der nächste Tag begann mittags mit Black Shore aus Lübeck – ist das mehr Thrash als Black oder andersrum? Egal, die gehören einfach immer wieder angeguckt! Die Herren sind meinem Wissen nach überregional auch schon bekannter, nicht zuletzt durch Konzerte mit Angantyr und Horna. Die dementsprechende Bühnenerfahrung merkt man, allerdings ist die undankbare Openerposition irgendwie unpassend. Scheissegal, "Are You Ready For Some Real German Ärger", funktioniert auch in der Mittagssonne!


Weiter ging es mit den regional recht bekannten Skady aus Greifswald und Wolgast. Ja gut, bahnbrechend sind sie nicht, aber live kann man sie sich immer mal wieder angucken, wenn sie gerad sowieso einen Auftritt haben. Das einzige was mich stört, ist das immer sehr aufgesetzt wirkende Agieren des Sängers. Das gefühlte 287. Augenverdrehen innerhalb von 30 Minuten wirkt dann nicht mehr total krank und megaabgefahren, sondern albern. Aber die Musik zählt ja hauptsächlich und die passt schon. Über den Nachmittag spielten unter anderem noch Valkyria, die mir überraschend gut gefielen. Die Schweden überzeugten mit ziemlich brachialen Riffs und einer ansteckenden Spielfreude – da der Platz vor der Bühne gut gefüllt war, schien es nicht nur mir so zu gehen. Bei Youtube sind übrigens grosse Teile des Konzerts hochgeladen, falls jemand noch einen genaueren Einblick haben möchte. Ausserdem habe ich mir noch Der Weg einer Freiheit angesehen, aber das Konzert konnte mich eigentlich nur in meinem Eindruck bestätigen, dass es sich hierbei um eine überbewertete Band handelt. Sicher alles andere als schlecht, aber diese Begeisterungsstürme und Jubelarien kann ich nicht nachvollziehen.
Der beste Auftritt des zweiten Tages war aber eigentlich schon im Vorfeld klar: Skyforger. Zwar habe ich nur die "Latvian Riflemen" im heimischen Schrank, sodass ich maximal zwei Titel kannte. Ob man nun aber alle oder keinen kennt, ist bei Skyforger total nebensächlich. Wieder ist es die Spielfreude, die einen sofort mitnimmt! Dazu kommt das unglaublich sympathische Auftreten der Mitglieder – ich gehe soweit zu sagen, dass die Letten zu den sympathischsten Bands überhaupt zählen! Nein, meine Lieblingsband sind sie nicht, aber da wird sicher nie ein Konzertbesuch bereut werden. Mit Horna zusammen der beste Auftritt des BMOA 2011! Deshalb hier noch ein kleiner Videomitschnitt:



Im Oktober folgte dann ein quasi-Konzertstakkato in der Alten Zuckerfabrik in Rostock mit den Headlinern Angantyr, Negura Bunget, Vader und Gorgoroth. Fangen wir mal chronologisch mit dem 8. Oktober 2011 an:

Die erste Band, die wir sahen, waren die Rostocker Silent Leges Inter Arma. Die Truppe spielt sehr geradlinigen, knüppeligen Black Metal und das ist fast schon wieder alles, was man zu ihnen sagen kann. Handwerklich gut gemacht und fit an den Instrumenten, aber auf längere Dauer etwas zu eintönig für meinen Geschmack. Als Vorband aber auf jeden Fall gut! Dann gaben sich abermals Black Shore die Ehre – im Wesentlichen kann man zu dem Auftritt das gleiche schreiben wie zu dem ein paar Wochen zuvor auf dem BMOA. Dreckig, räudig, roh – jawoll!



Der Abend endete dann mit Angantyr. Die Spielzeit war erstaunlich lang, was aber aufgrund der späten Stunde nicht durchgehend von Vorteil war. Von der Liedauswahl her gab’s aber nicht viel zu meckern – "Sølverpilens Kald" (wenn ich mich nicht irre), "Danermordet" und "Stormen fra Nord" waren dabei und dann bin ich auch glücklich. Auch eine Band, bei der ein Konzert immer mal wieder lohnt, für mich persönlich war es jetzt das dritte. Und noch ein Satz zur Organisation: Wenn mehrere Bands spielen, ist es Unsinn, den Einlass (!) um 21.00 Uhr zu beginnen. Wir waren gegen 02.45 Uhr aus der Zuckerfabrik raus – das ist einfach zu spät. Somit war es dann bei Angantyr schon merklich leerer. Dazu wieder ein kurzer Mitschnitt von "Stormen fra Nord":



Weiter ging es mit Negura Bunget. Im Gegensatz zu Angantyr war das eigentlich fast getreu des Mottos "kurz und schmerzlos": Die Vorband wurde von uns verpasst, aber pünktlich zum Aufbau von Negura Bunget kamen wir in die Halle. Kurz danach ging es dann auch schon los mit dem Flötenintro von "Pamint", gefolgt von "Dacia Hyperboreana" (beide vom aktuellen Album "Virstele Pamintului") – wenn ich mich recht entsinne, der gleiche Anfang wie beim Konzert vom Mai 2010 am gleichen Ort. Weiterer Höhepunkt war "Norilor" von der 2006er Scheibe "Om" – alles auf grossartige Weise auf die Bühne gebracht. Die Rumänen fahren zudem ein Instrumentensammelsurium auf die Bühne, das sich echt sehen lassen kann. Blasinstrumente, die einem Alphorn verdächtig ähnlich sehen, eine Art Xylophon (oder ist es eins?) und Dinge, die sich schlecht beschreiben lassen, die man einfach sehen muss. Wieder haben es Negura Bunget geschafft, eine unglaublich dichte Atmosphäre aufzubauen – leider nur für etwas mehr als eine Stunde. Schade, dass das Konzert so schnell vorbei war. Vielleicht lag es aber auch daran, dass nicht allzu viele Leute da waren. Keine Ahnung, wo die alle hingehen, wenn nicht zu Negura Bunget, zumal auch die Eintrittspreise mehr als fair sind, die bis jetzt immer deutlich unter 15 Euro lagen. Hier noch ein Link zu einem Mitschnitt des Konzertbeginns:



Am 2. November beehrten Gorgoroth dann die Hansestadt, ebenfalls in der Zuckerfabrik. Als Vorband spielten Valkyria, die wir aber nicht gesehen haben, da wir uns mal wieder verspäteten. Vader fand ich dann überraschend gut – obwohl ich sonst eher weniger ein Freund von brachialem Death Metal bin, haben sie mich überzeugt. Saubrutal – saugeil! Mal sehen, ob mir da ein Album günstig in die Hände fällt.
Nun aber zum eigentlichen Highlight Gorgoroth. 2007 habe ich sie in Bischofswerda gesehen, damals noch in der Gaahl/King-Version. Da ich jetzt den Vergleich habe, kann man eigentlich sagen, dass die Besetzungen wie zwei verschiedene Bands wirken, schon von der Songauswahl her. Ich kann auch nicht direkt sagen, welche mir besser gefallen hat, da beide ihre Vorzüge haben. Davon ganz ab wurde beide Male nicht "Possessed by Satan" gespielt. Ich werde wohl so lange Konzerte mitnehmen müssen, bis ich das endlich mal höre. Wie auch immer, der Auftritt war genial! Viele alte Schinken ("Rite of Infernal Invocation", "Bergtrollets Hevn"), aber auch neuere Sachen ("Rebirth", "Forces of Satan Storms") gab es zu hören, aber leider mit breiigem Sound. Einige Lieder waren nur zu erkennen, wenn man zufällig die Ansage verstand, was immer wieder ärgerlich ist. Leider gab es auch keine Zugabe, dafür wurde über den Rest der Dauer keine Zeit verschenkt – von der ersten bis zur letzten Minute gab’s Knüppel auf’n Sack. Fazit: ein lohnenswerter Abend!

Den Jahresabschluss bildete dann der 3. Dezember 2011 mit einem Opethkonzert in der Grossen Freiheit 36 auf der Reeperbahn. Die grösste Überraschung dabei bot wohl die Songauswahl, die konsequent auf jede Death-Metal-Anflüge verzichtete. Die Hälfte der neuen Scheibe "Heritage" spielte die Truppe um Herrn Akerfeldt. Seine fast schon legendären Ansagen zu den Liedern waren übrigens mit die witzigsten, die ich bis jetzt von Bands erleben konnte! Unter dem Humor hatte aber der zu leiden, der die Plektren in den Mikroständer steckte – das durfte er manchmal mehrmals hintereinander, sehr zur Belustigung des Publikums. Der Sound in der Grossen Freiheit war sehr gut, man konnte jedes Instrument hören und nach dem Konzert blieb kein kurzzeitiger Tinnitus zurück – herrlich! Auf jeden Fall war es ein sehr schönes Konzert, bei dem ich nur leider meine Kamera vergessen habe. Zum Abschluss aber nochmal zur Meckerbox: ich glaube, man muss lange suchen, um eine vergleichsweise schäbige Organisation zu finden. Dass das Verlassen des Clubs zum Verfallen der Eintrittskarte führt – meinetwegen, das wäre verschmerzbar. Aber ohne ein Wort zu sagen, den Beginn vorzuziehen, Pain of Salvation quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen zu lassen, ist schon ein starkes Stück. Opeth begannen dann um 19.30 Uhr! 19.30 Uhr! Unfassbar! Sind wir bei Bullet for my Valentine? Das Konzert war um Punkt 21.30 durch, danach erfolgte sofort der Rausschmiss. Und warum? Weil um 23.00 eine Studentenparty war ("das Beste der 90er und von heute..."), zu der wir theoretisch nochmal 5 Euro Eintritt hätten zahlen müssen. Allein das Konzert schlug mit über 30 Euro zu Buche. Mein Kumpel durfte nicht mal mehr zum Merchstand, weil er vorher noch hätte Geld holen müssen – "Eintritt verboten". Das Konzert war wohlgemerkt ausverkauft! Sich gegenüber nicht zu knapp zahlenden Gästen derart schäbig zu verhalten, kann man wohl bestens Gewissens als Frechheit bezeichnen, böse Zungen nutzen wohl eher "Sauerei". Da bestehen also noch grosse Baustellen! Aber damit kennen sich Hamburger ja aus...

Fazit: Nach einem etwas lahmen Start kamen wir (im wahrsten Sinne des Wortes) doch noch auf unsere Kosten. Zu den grössten Freuden zählte definitiv Gorgoroth, aber auch Horna konnten mich so überzeugen, dass kurz darauf ein Tape seinen Weg in mein Schränkchen fand. Mit dem Opethkonzert konnte ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllen, sodass ich letztendlich auf ein sehr gutes Konzertjahr 2011 zurückblicken kann. Und was wartet 2012? Im Januar werde ich mir wohl die Tour von Evile, Portrait und Dr. Living Dead in der Zuckerfabrik geben. Ausserdem werde ich am 27. April bei der "Epitaph"-Abschiedstour von Judas Priest dabei sein! Das BMOA wird natürlich auch besucht – allem voran wegen Agrypnie, aber auch wegen Forgotten Tomb, Imperium Dekadenz (wegen des formidablen Debüts!) und Bethlehem (auch wenn ich mit Suicide Black Metal nicht viel anfangen kann) bin ich mal gespannt. Mal sehen, was dann nächstes Jahr an dieser Stelle steht!

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