Mit hymnischen Liedern, die von Helden, Kampf und Met-Gelagen erzählen, schaffen es Wolfchant, wohl einige Anhänger des Pagan-Metal mitzureissen...

Mit hymnischen Liedern, die von Helden, Kampf und Met-Gelagen erzählen, schaffen es Wolfchant, wohl einige Anhänger des Pagan-Metal mitzureissen. Ihre Lieder, die stark von Melodie geprägt sind, besitzen Ohrwurm-Charakter und verleiten einem, ein paar zusätzliche Schlücke aus dem Trinkhorn zu nehmen. Ende 2005 ist das Debütalbum der fünf Bayern erschienen. Dass sie sich aber keineswegs nur auf ihr musikalisches Schaffen konzentrieren, sondern sich auch sonst in der Szene engagieren wollen, beweisen sie nun, indem sie in ihrer Heimat ein reines Pagan Metal-Festival auf die Beine stellen. Ein Grund mehr also, mit den naturbezogenen Jungs ein Gespräch zu führen.

Respekt! Nur zwei Jahre nach eurer Band-Gründung hattet ihr bereits einen Vertrag mit CCP-Records über drei Alben in der Tasche. Wie erklärt ihr es euch, dass ihr so schnell vorwärts gekommen seid?

Wolfchant: Danke! Woran es letztendlich gelegen hat steht wohl in den Sternen. Wichtige Faktoren dabei waren sicherlich die Entschlossenheit mit der wir von Anfang an die Sache heran gegangen sind. Wir haben die Band zu keiner Zeit nur als Spassprojekt angesehen. Was nicht heisst, dass wir die letzten zwei Jahre keinen Spass daran gehabt hätten. Zudem kam, dass wir mit “Bloody Tales Of Disgraced Lands“ gute Songs geschrieben haben. Ausserdem haben wir sehr viele Leute kennen gelernt, die uns auf unserem Weg geholfen haben. Das alles und die Tatsache, dass sich immer mehr für diese Musikrichtung interessieren und wir zudem eine Riesenportion Glück haben, haben dann dazu geführt.

Ihr betont immer wieder, wie sehr euch die Natur in eurer Heimat Bayern gefällt. Was steckt dahinter, seid ihr so patriotisch oder wollt ihr einfach darauf aufmerksam machen, dass es nicht nur in Skandinavien schöne Wälder gibt?

Wolfchant: Ein bisschen was von beidem. Wir stammen nun mal aus einer Gegend, wo es ausser Wald und Wiesen nicht viel gibt und uns gefällt es hier. Bei Bands aus eben den skandinavischen Ländern wird es nicht hinterfragt, wenn sie sich in der Natur ablichten lassen. Wenn das eine Band aus Deutschland oder angrenzenden Ländern macht, dann wird immer gleich von irgendwelchen Klischees gemunkelt. Da wollen wir etwas dagegen machen. Was ja wiederum nicht heisst, dass wir den ganzen Tag nichts anderes tun würden als im Wald rumlaufen. Wir sind einfach eine Metal Band, die in ihren Texten die Natur und mythologische Thematiken verarbeitet.

Nach den Aufnahmen für “Bloody Tales Of Disgraced Lands“ habt ihr ja gemeint, dass ihr bei eurem nächsten Album gerne mehr Zeit hättet und die Klänge gewisser akustischer Instrumente mit richtigen Instrumenten einspielen wollt. Nun, wie sieht es denn jetzt aus, seid ihr bereits fleissig am üben?

Wolfchant: Ja, sind wir. Bisher haben wir mit Maultrommel, Tamburin und Sopranflöte aufgerüstet. Was die meisten auch nicht wissen - lag wohl daran, dass wir es nicht im Booklet erwähnt haben - ist, dass Norgahd bereits auf “Bloody Tales Of Disgraced Lands“ bei “Of Honour And Pride“ und “Praise To All“ ein richtiges Akkordeon verwendet hat. An weiteren Instrumenten sind wir momentan fleissig am üben. Da wir aber nach wie vor zu fünft sind, werden unsere Songs wie üblich von Gitarren dominiert sein. Was auch ganz gut so ist.

Ihr werdet oft mit Finntroll oder Ensiferum verglichen. Die Ähnlichkeiten sind wirklich nicht überhörbar. Ist das Ganze nun eher Zufall oder Absicht?

Wolfchant: Es ist einfach die gleiche oder wenn man es genau nimmt verwandte Musik. Klar gibt es da irgendwie immer Ähnlichkeiten. Da diese beiden Bands die bekanntesten Vertreter dieser Musikrichtung sind, wurden sie eben oft genannt, um den Hörern, welche uns bis dato nicht kannten, ein Bild von unserer Musik zu machen. Die Tatsache, dass wir mit Einherjer, Mithotyn, Finntroll, Ensiferum, Equilibrium, Running Wild, Moonsorrow, Stormlord usw. verglichen wurden spricht dafür. Es ist einfach eine weitere Form des Pagan Metal, welche sich an bestehende anlehnt. Neu erfunden haben wir Pagan Metal nicht, das ist uns schon klar. Als Abklatsch kann man uns aber sinnvoll argumentiert auch nicht hinstellen.

Ihr stimmt mir bestimmt zu, dass die Pagan Metal-Szene recht speziell ist. Wie seid ihr eigentlich da dazu gekommen und was fasziniert euch persönlich an dieser Szene?

Wolfchant: Jeder von uns denkt hierzu etwas anders, darum ist es schwer, die Frage zu beantworten. Zum einen glauben wir weder an Jesus noch den Teufel oder einen Gott wie ihn uns das Christentum, der Islam oder sonst wer vorgaukelt. Vielmehr ist es tatsächlich die Natur, die uns unsere Antriebskraft gibt und die uns so sehr begeistert weil wir ja ein Teil von ihr sind und sie nicht zu bändigen ist und Kräfte besitzt wie wir sie die letzten Tage bei uns hier erleben durften. Für andere mag das lächerlich sein. Das ist uns aber scheissegal! Zum anderen sind wir alle seit zig Jahren schon Metaler mit Leib und Seele. In diesem Genre vereinen sich für uns also mehrere wichtige Faktoren und das macht die Szene für uns reizvoll.

In einem Interview mit euch war zu lesen, dass ihr gegen Ende 2005 eine kleine Tournee geplant habt. Warum hat es nicht geklappt und wie geht es mit diesen Plänen weiter?

Wolfchant: Ja, die hätten wir zusammen mit einer anderen Band gemacht, welche die ganzen Kontakte hatte. Diese Band ist uns dann allerdings abgesprungen und somit war es für uns unmöglich, das Ganze durch zu ziehen. Im April/Mai, genauer gesagt vom 28.04. - 01.05. holen wir das dann allerdings - falls nicht wieder noch irgendwas dazwischen kommen sollte - mit Aisling nach.

Man kann weder auf eurer Homepage noch sonst wo Live-Daten von euch finden. Wie sieht denn eure Bühnen-Erfahrung aus?

Wolfchant: In der Tat haben wir in der letzten Zeit wenig live gespielt. Das lag daran, dass wir uns aufmachten, eine geeignete Plattenfirma zu finden und danach unsere CD aufzunehmen. Dadurch haben wir auch die Live-Sektion auf unsere Internetseite vernachlässigt. Mittlerweile ist die Seite aber wieder up-to-date und der Live-Button mitsamt Fotos ist nun wieder online.

Da ihr ein Konzept-Album gemacht habt, habe ich angenommen, eure Lyrics seien euch viel wert. Doch leider sind diese nicht im CD-Booklet abgedruckt. Wieso nicht? Am Platzmangel kann es ja nicht liegen, da von jedem von euch Einzel-Bilder auf jeweils einer Seite abgedruckt wurden.

Wolfchant: Das mit dem Booklet war so eine Sache. Wir hatten unheimlichen Zeitdruck, da wir die CD noch 2005 herausbringen wollten und den Vertrag dafür eigentlich zu spät unterschrieben haben. Am Schluss wurde es sogar so knapp, dass der Postweg für das Mastering und das Booklet zu lang war und wir deshalb des Öfteren durch Bayern bzw. Österreich hin und her gegondelt sind. Da kurz vorher das Bookletkonzept umgeworfen wurde, hatten wir schlicht und einfach keine Zeit mehr, die Seiten designen zu lassen. Aus diesem Grund haben wir die Texte nun auf unserer Internetseite www.wolfchant-metal.com zum Download eingestellt.

Für den Sommer habt ihr ja ein grosses, spannend klingendes Projekt in Angriff genommen: Ihr organisiert in eurer Heimat ein Pagan-Festival mit etwa sieben Bands und vielen Specials. Das ganze klingt nach viel Arbeit. Woher nehmt ihr den Mut, gleich solch ein grosses Open Air auf die Beine zu stellen?

Wolfchant: Ganz in unserer Nähe gibt es ein wiederaufgebautes Keltendorf auf historischem Boden. Wir haben seit längerer Zeit mit dem Gedanken gespielt, dort etwas zu veranstalten und sind auch mit dem Betreiber der dort ansässigen Keltenstube befreundet. Anfangs war allerdings nur ein Konzert geplant. Der Ort ist jedoch wie gemacht für diese Art Veranstaltung. Hier ist die Bühne unter freiem Himmel gleich neben alten Keltenhäusern und ringsherum gibt es nichts als grosse Waldflächen und zwischendrin immer wieder mal kleine Dörfer. Die Kontakte zu den Bands bekamen wir von Markus Eck vom Metalmessage Internetmagazin. Haudegen Events erklärte sich bereit, uns bei der Organisation tatkräftig zu unterstützen und somit hatten wir einige Leute ins Boot geholt, mit denen wir uns letztendlich an die Sache herangetraut haben. Wir hoffen natürlich, dass sich die Leute dafür begeistern können und das Festival ein Erfolg wird. Nicht damit wir uns daran bereichern, sondern um dort vielleicht ein kleines Festival zu etablieren, welches sich vom Standard-Festival abhebt, da neben der Musik auch der Ort für sich schon eine Reise wert ist.

Es ist ja auch bereits der grösste Teil der Bands (Vreid, Kromlek, Lost Legacy, Thrudvangar, Waylandar, Sear Bliss) für diese “Pagan Nights“ bestätigt. Über welche Bands, besonders aus dem deutschsprachigen Raum, würdet ihr euch jetzt noch speziell freuen?

Wolfchant: Mehr Bands werden es dieses Jahr wohl nicht werden, da dieses Jahr nur am 10.06. Live-Bands spielen werden. Jeder kann aber bereits am Freitag, den 09.06. anreisen und auf dem Festivalgelände das ein oder andere Glas Met oder Cervesia leeren. Musik wird auch gespielt, allerdings nicht live. Am Samstag, den 10.06. geht es dann ab ca. 15.00 Uhr ununterbrochen bis spät in die Nacht. Ansonsten ist es schwer zu sagen, da es mittlerweile wirklich viele gute Bands gibt, welchen wir zum Teil auch leider absagen mussten. Mit Sicherheit hätte Wieland mit Nebelhorn noch gut dazu gepasst. Leider ist es bei ihm letztendlich anhand der fehlenden Live-Musiker an seiner Seite gescheitert.

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen! Wenn ihr noch etwas loswerden wollt, könnt ihr das jetzt gerne tun.

Wolfchant: Vielen Dank für das Interview. Hoffentlich sieht man sich mal live, um zusammen ein paar Gläser zu leeren! Keep the pagan flame burning.