Es ist doch ganz einfach: Lasst den Scheiss und konzentriert euch darauf, mit euren Bands vernünftige Alben zu machen. Und denkt daran: Metalfans sind die letzten, die sich noch Tonträger kaufen werden. Verarscht sie also nicht.

Obige Worte stammen von meinem Kollegen Shadowthrone, der sich in seinem offenen Brief an Nuclear Blast (NB) über die vermeintlich sinnfreien Weihnachtsveröffentlichungen betagter Bands, die beim Liebhaber metallener Ohrpenetrationen Freude unterm Weihnachtsbaum und bei NB talerförmige Freude auf dem Firmenkonto verursachen, erbost.

Ich möchte im Folgenden etwas näher auf die obigen Worte eingehen, beziehungsweise vielmehr auf die Annahme, die dahinter steckt und der ich in der sogenannten Metalszene immer wieder begegne. Ich mag mich mit der Fortführung dieser Annahme; der Herleitung und Vertiefung dieses Gedankens möglicherweise etwas aus dem Fenster lehnen, aber es sei angemerkt dass ich hier durchaus Meinung kundgebe und mich auf subjektive Empfundungen stütze, die ich Tag ein Tag aus in jener Subkultur mache, die hier nun in einem sehr kurzen Abriss auf ihr Verhältnis zur Kulturindustrie abgeklopft werden soll.

Also. Was für ein Selbstverständnis der Metalszene liegt hier vor? Der durchschnittliche Metalfan reflektiert seine Konsumtätigkeiten. Er kauft solche Waren nicht, die er als offensichtliche pure Geldmache entlarvt. Was ist denn Geldmache? Jeder kennt die üblichen Diskussionen, ob eine Band nun "Kommerz" sei, wenn ihre Alben bei Media Markt oder Saturn erhältlich sind. Möglicherweise geht es dabei dann gar nicht nur um die schiere Erhältlichkeit der Medien, sondern darum, dass sie zwischen anderen Bands stehen, die wirklich Kommerz sind! Namentlich alles, was nicht komplett in den schwermetallenen Geschmacksrahmen fällt oder noch etwas weiter über den Tellerrand hinausgeht, als es genehm ist. Stehen beinharte Metallscheiben nicht häufig dort, wo ein Schild den Konsumenten darauf aufmerksam macht, dass er grad die Angebote der Kategorie "Alternative/Indie" Musik betrachtet? Oder gar "Hard and Heavy"?

Wichtig ist, trotz aller folgender Kritik, jedoch eines - genauso wie (ein wichtiges Wortduo!) andere Szenen ist die Fangemeinde des Metal keinesfalls als heterogen zu verstehen. Es gibt die Einen, aber es gibt auch die Anderen. Genauso wie (da ist es wieder!) im Pop, im Hip Hop, im Jazz, unterscheiden sich die Konsumenten in ihren Einstellungen zur jeweiligen Musik, damit verbunden dem Maß, in dem sie ihr Konsumverhalten und die Szene reflektieren, ihr Verhältnis zur Fanszene usw.

 


Vorl. Anmrk.:
- Konsument: Das ist ALLEN Szenen gemeinsam, trotz der Heterogenität. Es bleibt aber übergreifend nur wenigen vorenthalten, sich ihrer Situation als solcher bewusst sind.
- Die Verteidigungshaltung des Konsumenten; des Szenenangehörigen in Momenten des kritischen Angriffs auf Metal ist in vielen Fällen ähnlich: Alles andere ist Mainstream, Metaltexte sind nicht langweilig (1-2 Beispiele), Metal ist nicht nur Geknüppel, Metal hat nichts mit Bildung zu tun (beim Unterschichtenvorwurf -> meist Gegenbeispiele á la "ich kenne genug Leute, die..."). Die meisten Argumente sind absolut invalid. Sie lassen sich auf JEDE andere Musikrichtung und Szene exakt genauso anwenden. Allein die Entstehungsgeschichte des Metal mag ihn hervorheben.

 

Nun stellt sich die Frage, wie Geschmack konstituiert ist und was die Kulturindustrie damit zu tun hat. Dafür möchte ich ein paar tote Herren zu Wort kommen lassen.

Please login to view comments.