22.12.05

Metal und Innovation

Es hängt einem fast zum Halse heraus: überall wird rumgemotzt und rumgenörgelt, dass der gute alte Metal in die Stagnation tritt. Jeder schreit nach Innovation und jeder will Veränderung.
Die meisten Kritiken prangern an, dass die erhoffte Eigenständigkeit fehlt oder dass die Lieder keinen Ohrwurmcharakter haben. Auch sollten die Monotonie verringert werden und mindestens weitere zwei Riffs zu hören sein.
Aber ich will keine vielen Worte verlieren, die Situation ist jedem aufmerksamen Metaller seit langen bekannt.

Jedoch, so einfach der Schrei nach neuen Ideen ist, es gibt zwei Schwierigkeiten, die sich in den Weg stellen. Erstere ist die des Einfallsreichtums der Band. Diese soll hier nicht näher diskutiert werden, da man als Hörer daran sowieso nichts ändern kann.
Weit kontroverser verhält es sich dann doch mit den werten Kollegen Metallern selbst. Denn wem der Konservatismus bezüglich des „Old School“-Metals noch im Blut steckt, der sollte lieber nicht so laut schreien, dass es keine neuen Ideen mehr gäbe.

Denn wie ist es denn? Nimmt eine Band viele Riffs und Breaks in ihre Lieder, dann spielt sie zu „kopflastige“ Musik, ja, die Musik wird sogar oft als „Frickel“-Metal verrufen.
Anderes Beispiel: Man benutzt das Keyboard (und sei es auch noch so harmlos und dezent) – schon wird, wie der Konservative meint, die „Kommerz-Schiene“ gefahren und die Bands werden wohlmöglich auch noch als „Schwuchtel-Truppen“ abgetan.

Soweit, so gut. Vielleicht findet sich der Ausweg auch darin, dass man moderne Elemente einfliessen lässt, z.B. cleanen Gesang. Jedoch bereitet auch das wieder grosse Probleme, da auf diese Weise schnell der Ruf laut wird, dass der Nu Metal Einzug gehalten hätte und man sich einmal auf die alten Ideale besinnen sollte (was eigentlich ja etwas widersinnig ist, wenn man nach Abwechslung schreit).

Aber ich will noch nicht aufgeben. Schliesslich bleibt ja dann noch die Möglichkeit, dass man verschiedene Stilelemente zusammenfliessen lässt. Am Beispiel des Death/Black Metals wird deutlich, dass dies auch recht oft gut gehen kann.
Aber dennoch, der sich windende Kritiker hat auch hier noch eins auf Lager. Er behauptet nämlich, dass z.B. bei der Mischung Death/Thrash die Vermischung an sich eigentlich nur bewirkt, dass man sich immer mehr vom guten alten Metal selbst entfernt und einfach zu modern klingt, um das eigene Metal-Ideal zu erfüllen.

Was also tun, wenn jeglicher Versuch, der Aufforderung nachzukommen, endlich wieder etwas Neues zu machen, von den Auffordernden selbst erstickt wird?
Ich weiss die Antwort nicht, aber eines rate ich jedem: einfach einmal laut zu lachen (und zwar am besten über sich selbst).


Gespeichert unter: Meinung — Kannibale, 11:14:43 Kommentar schreiben


Pingbacks

Bisher keine Pingbacks für diesen Eintrag...