09.10.06

Eine Szene - Eine Meinung?

Was ist der Sinn der Metal-Szene? Was ist die Motivation ihrer Anhänger, was sind die Inhalte? Eine Szene kann man wohl getrost als eine Verbindung von Interessensgenossen bezeichnen, die Zusammenhalt gibt. Sie vereint alle Gleichgesinnten. Bei diesem Beispiel ist das nicht anders. Es scheint so, als wollten die Anhänger dieser Szene im Speziellen, vordergründig ihrer Abneigung gegen Trends und Gesellschaft Ausdruck verleihen. Sie wird oft auch als ein Lebensgefühl interpretiert. Als stärkstes Beispiel ziehe ich den Black Metal heran. Hier tritt der Aspekt der dadurch beeinflussten Lebensführung am deutlichsten hervor.

"No Mosh, No Trends, No Core, No Fun" – Diese, (soweit ich zu meinen glaube) von Burzum einst statuierte Verhaltensregel, oder wie auch immer man das nennen mag, scheint in manchen Dingen zwar überholt, aber dass diese Prinzipien verkörpert wurden und teilweise auch noch werden, steht ausser Frage. Es zeigt den verneinenden Charakter dieser Musikrichtung. Wobei es allerdings auch noch um einiges extremer geht. So verfluchen beispielsweise die Selbstmord-Propagandisten von Forgotten Tomb das Leben an sich, jeden Tag und jede Tätigkeit in der heutigen Welt, der heutigen Gesellschaft. Dieses Beispiel soll stellvertretend für die vielen anderen Vertreter dieser Meinung stehen. Alle reden sich darüber den Mund wund und geben dabei auch öfter einige kontroverse Stellungnahmen ab. Hierbei handelt es sich eigentlich immer um rebellische Äusserungen, die gezielt in die entgegengesetzte Richtung der normalerweise zu erwartenden Aussage geht. Rebellion ist ein Bestandteil im Denken der Szene, der allerdings meiner Meinung nach von vielen Menschen falsch, im Sinne von zu extrem, interpretiert wird.

Man will sich gegen Grundsätze der Gesellschaft stellen? Es gibt einfach Dinge, an die man sich halten muss und genau das ist auch der Punkt. Rebellion hin und Aussenseiterrolle her. Man ist ein Teil der Gesellschaft, bleibt auch durch Distanzierung von einigen seiner Inhalte ein Teil dessen. Genau das verstehen viele Menschen nicht. Warum also üben sich diese ganzen Querdenker in zumindest geistiger Divergenz zum Gesellschafts-System? Ich finde es ziemlich peinlich, solche Menschen so reden zu hören und genau zu wissen, dass es nur leere Worte sind.

Was auch von einigen findigen Denkern als Motivation ihrer Meinung herangezogen wird, ist das mittlerweile schon mehr als banale Thema der Kommerzialisierung. Jeder weiss wovon ich spreche, deshalb werde ich nicht viel weiter darauf eingehen. Denkt man jedenfalls so, dann dürfte niemand dieser Personen mehr ein Handy besitzen, einen Computer, so etwas Simples wie einen Kugelschreiber. Mag überspitzt klingen, zeigt aber wie lächerlich solche Vorwürfe sind. Da mag so manch einer zwar behaupten, dass man so bestimmte Dinge der grossen Masse entgegenbringt, die eigentlich das "Anders-Denken" zu dieser ausdrücken sollte und deshalb nichts mit den genannten Beispielen gemein hat. Aber Kommerzgesellschaft hin oder her, eigentlich ist jeder, der nicht die Flucht in eine selbstgebaute Hütte im tiefsten aller Wälder ergreift und dort ohne Strom, Fernsehen, ohne Fortschritt auskommt und nicht seine puristische, beziehungsweise asketische Ader auslebt, ein Teil dessen. Da sich jedenfalls niemand von ihnen daran hält, untergraben ziemlich viele Menschen ihre eigenen "Grundsätze".

Ich sehe solche Personen und kann mich über ihre geistige Überzeugung und die Interpretation ihrer Grundsätze nur wundern. Ich stelle fest, dass die Meinigen komplett andere sind. Ich sitze nun also da, scheinbar ein Mitglied der Szene, aber dennoch fühle ich mich komplett fremd und kann eigentlich nur eine grosse geistige Trennlinie zwischen ihnen und mir ziehen. Es ist irgendwie grotesk, aber das Bild, das sie verkörpern dürfte ein Typisches sein. In einer Szene geht es um Zusammenhalt und Identifikation. Doch wirklich identifizieren kann ich mich mit diesen Menschen nicht. Nur scheinbar gibt es Gemeinsamkeiten, nämlich die Musik. Doch der Rest ist komplett verschieden. Vielleicht habe ich einfach nur solche Menschen bisher getroffen, die ziemlich naiv und nicht gerade die schlausten waren, oder einfach Idioten - davon allerdings ziemlich viele. Vielleicht erklärt das auch meine manische Phobie vor der Bezeichnung "Metaller", die mich einfach nur anwidert. Wenn man das nun allerdings als Sinnbild für die Szene sieht, dann kann ich für meinen Teil nur sagen, dass ich mich dort verdammt unwohl fühle.

Diskussionen (oder sonstiger Meinungsaustausch) sind erwünscht.


Gespeichert unter: Meinung — Nekrop, 16:43:20 Kommentar schreiben


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