29.03.09

Tomahawk Festival - Cradle Of Filth verschwinden mit Vorgage

Einen Tag vor dem Tomahawk Festival in Hamm entschlossen sich die berüchtigten Engländer von Cradle Of Filth, ihren Auftritt abzusagen. Die Band sollte als Headliner fungieren und diente vielen Ticketkäufern als wesentliches Argument, das kleine und verhältnismäßig sehr günstige Festival zu besuchen.
Dani Filth und Konsorten kassierten bereits einen Vorschuss ihrer Gage und nahmen, so der Veranstalter Burningstage, bereits aktiv an den technischen Planungen ihres Auftritts teil. Die plötzliche Absage kam für alle Beteiligten absolut überraschend und unter zwielichtigen Gründen, welche auf der Homepage der Engländer mit lächerlich knappen Worten zusammengefasst werden:

“Due to circumstances beyond our control we have been prevented from performing at the Tomahawk Festival this weekend.” Cradle Homepage

Ob sich in den nächsten Tagen noch etwas ergeben wird, ist ungewiss. Die Veranstalter des Tomahawk Festivals gehen davon aus, ihr Geld verschenkt zu haben und es nicht wiederzusehen. Dass selbst die Metal-Szene vor solchen Dreistigkeiten nicht sicher ist, scheint nun bewiesen.
Viele Besucher erfuhren erst nach der Anreise von der Absage und zeigten sich enttäuscht, der Headliner Cradle Of Filth war immerhin wesentlicher Publikumsmagnet und die im Umfeld der Alfred-Fischer-Halle parkenden Autos waren mit außergeöhnlich vielen COF-Aufklebern und Folien verziert. Die Konzertstimmung war durch diesen Zwischenfall wesentlich geprägt und gedämpft.

“Habt ihr keinen Bock oder was?” O-Ton Iblis, Endstille

Als Ersatz wurden, in löblicher Kurzfristigkeit, die Kultmusiker Eisregen herangekarrt, die in der üblichen, zynisch perversen Ausdrucksweise den Abend retteten und der Menge mit “Eisregen-Covers von Eisregen gespielt” altes Liedgut, geschickt am Index vorbei, präsentierten.
Zu weiteren Akteuren der Veranstaltung gehörten u.a. Endstille, Agalloch und Dornenreich, die allesamt mit der schwerfälligen Anlage zu kämpfen hatten und aus dem teilweise wirklich miserablen Sound das beste rauszuholen wussten. Während der Soundbrei bei Endstille noch wenig störte, litten vor allem bei den Amerikanern Agalloch die wichtigen, melodischen Gitarrenparts. Nichtsdestotrotz schlug die typische, mantrisch anmutende Dauerbeschallung mit eindrucksvollen Gitarrenspielereien aus allen bisherigen Alben bombastisch ein und versetzte das Publikum in einen Rauschzustand.
Das lang erwartete Metal-Line-Up von Dornenreich entpuppte sich als absoluter Erfolg. Eviga, Inve und Gilvan verwandelten Stücke aus “Durch den Traum” und “Hexenwind” in brutale Emotionsfeuerwerke, die durch Evigas (Jochen Stock) eingeübtes Spiel aus Mimik und Gestik beispiellos unterstrichen wurden. Auch Stücke von “Her von welken Nächten” kamen nicht zu kurz und erlebten auf der Bühne eine neue Renaissance. Ein unvergessliches Konzert.

“Wir sind Cradle Of Filth aus Thüringen!” Michael „Blutkehle“ Roth, Eisregen

Die Alfred-Fischer-Halle in Hamm ist nach diesen Abend um eine Veranstaltung in der Historie reicher. Ob sie für Festivals dieser, recht geringen, Größenordnung geeignet ist, bleibt fraglich. Die lange Halle war überraschend leer, der Schall der Boxen verlor sich in der Höhe der Halle und dem überwiegend leeren Fußboden. Platz zum Austoben hatte definitiv jeder, unabhängig von Größe und Statur.
Die Stände und Shops gingen in den Winkeln der Halle etwas unter und waren meist wenig besucht. Die Security hatte wenig zu tun; es schien keine Probleme im Ablauf oder Auseinandersetzungen zwischen Besuchern gegeben zu haben.
Auf das Tomahawk 2010 sollte man zweifellos warten dürfen und darf davon ausgehen, dass die Veranstalter um eine Erfahrung reicher sind und diverse Unstimmigkeiten ausbessern werden. Nahegelegt sei ihnen dabei vor allem die Soundqualität (im N8 in Osnabrück war sie jedenfalls besser). Andere Agenturen und Organisatoren sollten sich, was Cradle Of Filth betrifft, in Zukunft besser doppelt überlegen, das Geld auszugeben. Den Engländern liegt traurigerweise wohl mehr daran, sich auf großen Fernsehfestivals wie Rock am Ring zu profilieren, anstatt einer eingeschworenen Fangemeinschaft Respekt zu erweisen - einer Szene, aus der sie ursprünglich selber stammen. Eine erschütternde Entwicklung.

Quelle: Erste Hand und Burningstage


Gespeichert unter: Zeugs — Schlaf, 00:41:27 Kommentar schreiben


Pingbacks

Bisher keine Pingbacks für diesen Eintrag...