19.06.09

"Under The Skin of Rock 'n' Roll" von Nando Rohner und Alessandro Bertolotti

Tattoos üben schon seit Anbeginn eine Faszination auf die metallischen Subkulturen aus. Dies ist nicht verwunderlich, werden doch sowohl Metal als auch Tattoos mit einer Rebellion gegen die Gesellschaft in Verbindung gebracht. Die beiden Basler Buchautoren Nando Rohner und Alessandro Bertolotti haben sich in den letzten Jahren eingehend mit der Verbindung von Metal und Tattoos befasst. Das Resultat ist das umfassende Interviewwerk „Under the Skin of Rock `n` Roll“ mit über 350 Seiten Bild und Schrift.

In einem ersten Teil nähern sich die Autoren mit einer Schwerpunktreportage dem Thema. In einfacher Lesekost sind die Hintergründe aufbereitet: Warum lassen sich Menschen tätowieren? Was sind die Risiken und weshalb sind Tattoos negativ konnotiert? Eine mehr oder weniger ausführliche Geschichte der Tattoos führt den Leser an deren Verbindung mit dem Rock `n` Roll und schliesslich mit dem Metal heran. Inhaltlich kratzt der Text lediglich an der Oberfläche und statt wissenschaftlich wirkt diese erste Session eher zusammengewürfelt aber dennoch unterhaltend. Wer sich also eingehend mit der Geschichte von Metal und Tattoos beschäftigen will, kriegt hier erste Anhaltspunkte zum Weiterforschen.

Der erste Interviewteil folgt gleich im Anschluss. Verschiedenste mehr und weniger bekannte Truppen aus mannigfaltigsten Metal und Rockgenres werden zum Kernthema befragt. Viele Kernfragen werden allen Bands gestellt. Dies bringt einerseits eine gute Vergleichbarkeit mit. Andererseits hat man nach fünf Interviews mit praktisch den gleichen Antworten reichlich genug gehört zu Fragen wie „welches Tattoo hast du dir als erstes machen lassen?“, „was sind deine Pläne für künftige Tattoos?“. Interessanter sind allerdings Fragen zu der Verbindung zwischen Metal und Tattoo und was die einzelnen Musiker darüber denken. Denn genau in diesen Antworten sehe ich den Neuigkeitsgehalt des Buches. Genau diese Antworten hätte man fokussieren und eingehender aufbereiten sollen. Denn ein Leser erwartet auf Grund des Titels und des Rückentextes eine aufbereitete Antwort auf diese Fragen, welche Schlussendlich fehlt. Darüber hinaus wird dieser rote Faden durch zahlreiche Nebenfragen zu gut kaschiert.

Die Bandwahl ist dabei ausgesprochen vielseitig und lässt zu, die einen oder anderen unbekannten Truppen zu überspringen. Mit Bands wie Requiem, Rotting Christ, Exodus, Dark Funeral, Trollfest, Dismember, Hypocrisy, Excruciation, Cradle of Filth, Punish, Illdisposed, Kreator, Destruction und Primordial und so weiter ist allerdings genug Lesestoff für die Zielgruppen von Schwermetall vorhanden. Wie jedoch die Auswahl zu Stande gekommen ist, wirkt genau so wie deren Anordnung willkürlich.

In den letzten beiden Kapitel kommen einerseits die internationalen Tattoo-Künstler zu Wort und andererseits weitere, die in einer Art und Weise zum Thema beitragen können. So wird unter anderem der christliche Pastor Bob, ein Buchautor und Missy Suicide von Suicide Girls befragt.

Danach fehlt leider eine abschliessende Zusammenfassung oder eine Aufbereitung des Gesagten.

Insgesamt ist „Under the Skin of Rock `n` Roll“ bestimmt das umfassendste Werk zum Thema und hat deshalb eine Daseinsberechtigung. Allerdings sind die Interviewmitschriften eher als Grundlage für eine eingehendere Analyse und Aufbereitung zu betrachten. Denn eigene Gedanken der Autoren fehlen weitgehend. Hintergründe zur Bandwahl bleiben aus. So wirkt das Buch zwar wie eine sehr umfassende, aber leider auch willkürlich zusammengewürfelte Sammlung von Interviews. Das Buch krankt deshalb etwas an innerem Zusammenhalt und einem roten Faden. Manchmal wünscht man sich eher Klasse statt Masse. Wer jedoch eine unterhaltende Interviewsammlung zum Thema Tattoo und Metal sucht, ist mit „Under the Skin of Rock `n` Roll“ goldrichtig.

Zu bestellen gibt es das Buch im Fachhandel (ISBN 9783837092851). Zusätzliche Informationen sind unter www.myspace.com/rockandtattoo erhältlich.


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