07.07.10

Summerbreeze 2010 Vorbericht Teil 1

Die Festivalsaison 2010 steht vor der Tür. Die ewige Frage nach dem Wetter reiht sich unter die anderen Entscheidungsdimensionen, mit welchen der konzertbegeisterte Freunde der schwarzen Klangkunst Jahr für Jahr konfrontiert wird. Finanzen, Entfernung, Line-Up. Alles in allem handelt es sich dabei praktisch um den Traum des Ökonomen; eine relativ rationale Entscheidung, eine Kosten-Nutzung Abwägung. Die modernen Metalheads unterscheiden sich voneinander doch vor allem noch durch die Auswahl an Festivalbändchen, die sie stolz am Handgelenk tragen.

Wie dem auch sei. Eines der Festivals dieser Saison geht im Jahr 2010 in die 13. Runde. Das Summerbreeze Open Air in Dinkelsbühl. Seit 2006 gastiert das Festival in dem beschaulichen Ort in Bayern, unweit entfernt von der Grenze zu Baden-Württemberg. Der ursprüngliche Veranstaltungsort, Abtsgmünd, hatte letztlich aufgrund der steigenden Besucherzahlen ausgedient. Das spricht für sich. Man spricht beispielsweise von über 30.000 Besuchern im Jahr 2009.

Ich persönlich besuchte das Summerbreeze in eben diesem letzten Jahr zum ersten Mal. Und ich meine mich mit der Behauptung, einer unter vielen zu sein, die eine Alternative zum kommerzialisierten, überlaufenen Wacken Open Air suchten, nicht allzu weit aus dem Fenster zu lehnen. Letztlich ergab es sich tatsächlich als eben solche.
Unter der Saison hortet der Aeroclub Dinkelsbühl e.V. das Gelände, auf dem das Beobachterauge Mitte August statt landenden Segelflugzeugen und Propellermaschinen mehrere tausend Zelte und umherwuselnde Gestalten betrachten darf. 95 Bands, zwei Hauptbühnen, ein Zelt, eine sogenannte „Camelstage“ – das ist der Umfang der besagten 13. Runde. Schwermetall möchte allen Interessierten einen kleinen Überblick geben, was sie insbesondere bandtechnisch erwarten dürfen. Da mittlerweile die Running Order steht, hangeln wir uns am besten an dieser entlang. Aus Gründen des Umfangs bitte ich zu entschuldigen, dass nicht auf jede Kapelle intensiv eingegangen werden kann und die Auswahl mehr oder weniger willkürlich getroffen wird.

Mittwoch

Um 15.30 fällt praktisch der offizielle Startschuss. Torturized machen als Teilnehmer am Contest „New Blood Award“ den Aufmacher unter sechs Bands und gleichzeitig zum Summerbreeze 2010 (SM berichtete). Um 20 Uhr beginnt dann die Nuclear Blast Label Night. Mit dieser feinen Idee bescheren die Veranstalter dem unermüdsamen Fan ganze 4 (vier!) Abende Musik. Erwartungsgemäß darf man die ersten Nackenschmerz-, Schnaps- und Blaue-Flecken-Leichen also schon am Donnerstagmorgen bewundern. Wer Equilibrium seit dem Besetzungswechsel noch nicht live gesehen hat, darf noch gespannt sein auf den neuen Sänger Robse und die generell neumotivierte Truppe aus Bayern.

Donnerstag

Am 19.08.10 öffnen dann die Pforten zu den Hauptbühnen. Und mit der Running Order wird auch die diesjährig noch stärkere Durchmischung der verschiedenen Genres deutlich. In dem Sinne sind Größen wie Ill Nino, Parkway Drive, Agnostic Front und Behemoth durcheinander gewürfelt anzutreffen. Dementsprechend unterschiedliches Publikum darf man erwarten. Vor- und Nachteile dieser letzteren Tatsache darf jeder selbst für sich abwägen.

Dew-Scented

„Dew-Scented liefern wie gewohnt ein gutes Stück Schwermetall ab, doch können anscheinend selbst mit neuem Line-Up nicht die Ketten sprengen, die sie daran hindern über sich selbst hinaus zu wachsen.“ (Dew-Scented auf Schwermetall)
Besetzungswechsel und neues Album bei den Deutschen lassen also die Erwartungen hochschnellen. Fans werde wohl mit kritischen Augen und Ohren zusehen und –hören.

Insomium

Finnischer Melodeath der klassischen Sorte. Ihr 2009 veröffentlichtes Album „Across The Dark“ wurde von der Presse weitgehend positiv aufgenommen, nachdem die Herren mit dieser Scheibe 3 Jahre auf sich warten ließen. Wer auf progressive Einflüsse in bereits melodischem Death Metal steht, sollte sich hier ruhig vor der Abendsonne ins Partyzelt verkriechen und den Skandinaviern kopfnickend lauschen (Insomnium auf Schwermetall).

Die Apokalyptischen Reiter

Ganz ehrlich – muss man dazu noch irgendwas sagen? Die Herren aus Thüringen scheuen, das beweist die große Spanne an Konzerten in jüngster und älterer Zeit, bekanntlich keine Konzerte und genießen ihre Live-Auftritte selbst ebenso wie sie beinharte Freude für die Besucher sind. Holt das Schlauchboot raus, die Reiter kommen (Die Reiter auf Schwermetall).

Agnostic Front

Kein Metal. Kein Problem. Denn erwähnenswert ist diese Kapelle aus den vereinigten Staaten insofern, dass sie in Sachen Hardcore Punk eine Legende sind. 1982 gegründet, 1993 aufgelöst, 1998 wiedervereinigt, 2010 Summerbreeze Open Air (was zugleich der einzige Auftritt in Deutschland für dieses Jahr bleibt). Die Karriere nimmt also kein Ende. Kenner wissen Bescheid, Nicht-Kenner werden Bescheid wissen.

The Devil’s Blood

Die Niederlande steigen nicht nur bei der aktuellen Fußball-WM weit auf und greifen damit nahezu uralte Erfolge wieder auf. The Devil’s Blood aus Holland stehen für eine Art Wiederauferstehung des Psychedelic Rock. Neben den Schweineblut-Einlagen charakterisiert diese Truppe die unverkennbare Stimme von Frontfrau Farinda Lemouchi. Dazu unter anderem stolze drei Gitarren und reichlich Stereo-Effekte – ein auraler Orgasmus und gleichzeitiger Trip im Partyzelt sind vorherbestimmt. Und das in der tiefsten Nacht.

Ahab

Funeral Doom um 3 Uhr morgens. Optimal. Unbekannt sind diese Herren, im Vergleich zu zahlreichen in den Weiten der Szene schlummernden Genre-Kollegen, ja nicht gerade. Man darf gespannt sein, ob die Herren aus München es schaffen, Moby Dick auf der Bühne ebenso zu erlegen, wie sie es auf ihren Studioalben fertig zu bringen wissen. Für mich ein Spannungshighlight auf dem Summerbreeze 2010, für jeden Sympathisanten des Funeral Doom, diese Arroganz nehme ich mir mal raus, eine Pflichtveranstaltung.

Teil 2 des Schwermetall.ch Vorberichts zum Summerbreeze 2010 in Dinkelsbühl folgt in Kürze.


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