30.12.11

Jahresrückblick 2011 - Erster Teil

Die meisten medialen Jahresrückblicke sind durch und ich dachte mir, dass es an der Zeit wäre, selbst mal auf das musikalische 2011 zurückzublicken. Welche Alben haben sich gelohnt, was für Konzerte habe ich am nördlichsten Außenposten von Schwermetall mitbekommen? Wollen wir doch mal sehen! Der erste Teil konzentriert sich auf die aus meiner Sicht wichtigsten Veröffentlichungen des auslaufenden Jahres.

Das wohl für die meisten interessanteste Album kam bereits im ersten Quartal: „Fallen“, Burzums nunmehr achte Langrille. Aus meiner Sicht ist es noch besser als der Vorgänger, dem ein richtig markanter Titel fehlt – „Jeg Faller“ jedenfalls ging mir nach den ersten Durchläufen kaum mehr aus dem Kopf. Ein geniales und durch den häufigen Klargesang mutiges Album! Zusammen mit „Hvis Lyset Tar Oss“ mittlerweile mein Favorit von Burzum.

Anfang Juni trudelte nach einigen Wochen Verzögerung wiederum ein Album ein, bei dem ich auf einen zukünftigen Klassikerstatus wetten würde: „Essence of Nine“ der amerikanischen The Flight of Sleipnir. Die lassen sich mittlerweile irgendwo zwischen mehrheitlich Doom, Stoner und etwas Pagan einordnen. „As Ashes Rise“, „The Serpent Ring“, „Nine Worlds“ – meine Herren, das müssen Klassiker werden. Parallel erschien noch eine Split mit Rituals of the Oak und Apostle of Solitude. Die reicht aber nicht an das Album heran, was aber hauptsächlich am eher schwachen Part von Rituals of the Oak liegt. Ohne den wäre die Split aber auch uneingeschränkt zu empfehlen. Beide Scheiben erschienen auch auf farbigem Vinyl, jedoch in sehr limitierter Stückzahl.

Die nächsten Veröffentlichungen, die ihren Weg in mein Schränkchen fanden, läuteten einen musikalisch spannenden Herbst ein. Dazu zählt erst mal „The Thousandfold Epicentre“ von The Devil’s Blood. Das erste Hören hat mich ehrlich gesagt nicht so umgehauen wie beim Erstling, aber das lag wohl auch an meinen Erwartungen. Nach dutzenden Durchgängen hab ich das Album noch immer nicht ganz erfasst, was für Tiefgründigkeit spricht. Irgendwas sprach mich aber an, auch wenn ich das nicht genau hätte formulieren können. Man will es immer wieder hören, um genau das rauszufinden, was es genau ist. Auf eine gewisse Art macht das Album süchtig. Im Gegensatz zu „The Time Of No Time Evermore“ ist die aktuelle Scheibe komplexer und verschachtelter. Ein Titel wie „Feverdance“ ist da wohl als Höhepunkt zu sehen, kommt es doch über eine gute Viertelstunde fast ohne Gesang oder echte Melodien aus. Ein äußerst empfehlenswertes und wichtiges Album – sollte nicht verpasst werden! Die investierte Zeit lohnt sich.

Ähnlich sehnsüchtig erwartet wurde Nocte Obductas „Verderbnis (Der Schnitter kratzt an jeder Tür)“. Nach dem Text auf der Webseite der Band war klar, dass es sich um ganz andere Musik als bei „Sequenzen einer Wanderung“ oder des Nachfolge- und dann wohl doch parallel laufenden Projekts Dinner auf Uranos handeln wird. Letztendlich kam eine Mischung aus „Schwarzmetall“ und den „Nektar“-Sachen heraus. Der Sound ist wesentlich rauer als bei den letzten Sachen, ohne deren Komplexität zu erreichen, sodass es weiter in die Bandhistorie zurückreicht. Ausnahmsweise trifft also die abgedroschene Phrase zu, dass vieles bisher Dagewesene zu einem neuen Gesamtbild kombiniert wird. Mit dem musste ich mich auch erst mal anfreunden, aber mittlerweile hör ich’s immer öfter. Die Platte bietet Momente, die einen immer wieder in den Kopf kommen und dann kaum noch loslassen. Wem spätere Alben der Herren zu komplex waren, der darf mal wieder zugreifen! Meiner Meinung nach nicht so stark wie „Nektar I & II“, aber immer noch um Welten besser als 90% dessen, was die deutsche Black-Metal-„Szene“ ansonsten so auswirft.

Nicht mal ganz ein Jahr nach „Sviga Lae“ veröffentlicht Shamaatae mit „Helvitismyrkr“ schon das nächste Album. Den Vorgänger habe ich bis heute noch nicht, weiß also nur, dass die Reaktionen darauf sehr zwiespältig waren. Beim aktuellen Werk waren sie aber derartig vielversprechend, dass ich nicht umhin konnte, es mir zuzulegen. Wenn ich es mal mit „ÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞ“ und „Antikosmos“ vergleiche, fallen einige Unterschiede auf. Während bei den beiden der Stil weitgehend gleichblieb und nur weiter ausgebaut (und verbessert) wurde, ist „Helvitismrkr“ ein positiver Schritt zurück. Einige Riffs beziehungsweise Teile davon könnten in veränderter Aufnahmequalität fast auf „Kampen“ stehen (oberdeutlich: „Nifldreki“), nicht zuletzt, da wieder Geige und weiblicher Gesang eingesetzt werden. Sehr knackige Scheibe, wird jedem Freund der Band gefallen. „ÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞ“ sagt mir trotzdem mehr zu, wobei ich bezweifle, dass das Album in der Reihe der modernen Arckanum getoppt werden kann.

Zu guter Letzt kommen wir zu einer Scheibe, die überraschend geräuschlos erschien: „Tales Of Wanderings“ von Old Silver Key. Hierbei handelt es sich nicht um irgendein Kellerprojekt, sind doch eigentlich die gesamte Drudkh-Mannschaft mit Neige (Lantlos, Alcest) an Bord. Gut, ich gebe zu, nichts von Neiges Bands zu besitzen. Ich kann die „Tales…“ also nicht dort einordnen. Dies gelingt mir bei Drudkh umso besser, da die Ukrainer zu meinen favorisierten Bands zählen. Wie klingt nun also das Ergebnis der zugegebenermaßen kuriosen Kollaboration? In einem Wort: schön. Über die gesamte Spieldauer wird ausschließlich klar gesungen, was mitunter schon einige abschrecken mag. Die Klampfen sind zusätzlich nicht so stark verzerrt – wer Drudkhs „Handful of Stars“ kennt, wird wissen, was ich meine. Wenn wir schon dabei sind: Das Album ist auch der beste Vergleich für „Tales…“. Die Lieder sind zwar kompakter (das längste dauert gute acht Minuten), aber vom Klang her sehr ähnlich. Old Silver Key sind nur noch etwas ruhiger, haben dementsprechend kaum Blastbeats, wodurch es letztlich eben „schön“ klingt. Nur – Black Metal ist das nicht. Das sollte also niemand erwarten. Wer also mal etwas ausprobieren will, kann gerne zugreifen, es lohnt sich! Die LP erschien übrigens auch nur in einer normalen 500-Stück-Auflage und ist mittlerweile, soweit ich weiß, vergriffen.

Abschließend stelle ich fest, dass 2011 ein musikalisch äußerst befriedigendes Jahr war. Sicherlich konnten (noch) nicht alle Sachen gekauft werden, zu nennen seien hier die neuen Alben von Primordial und Wolves in the Throne Room oder das Debüt von Devil beziehungsweise Electric Wizard’s „Black Masses“. Letzte werden aber in Kürze nachgeholt! Mal sehen, ob 2012 dann gleichziehen (oder übertreffen?) kann – ich lass mich mal überraschen! Eines der vielversprechendsten Black Metal-Alben wird sicherlich die neue Lunar Aurora. Vielleicht hat beiden vorgestellten Scheiben ja noch jemand etwas gefunden – wenn ja, viel Spaß damit und ansonsten: Prost und guten Rutsch!


Gespeichert unter: Meinung — bombenhagel, 19:39:50 Kommentar schreiben


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