18.01.17

Och nö - Ein Metal-Malbuch

Wo ist eigentlich Schluss? Auch wenn der Einwand stets berechtigt ist - aber wie subjektiv darf die Metalkultur eigentlich individuell wahrgenommen werden? Hey - wer es nicht mag, muss es ja nicht kaufen. Ein großartiges Argument, wenn man neoliberale Positionen vertreten mag.

Achso, worum geht es eigentlich? Ich möchte dies mit folgendem Häppchen einleitend erläutern:

Ein Malbuch mit einigen der schönsten und originellsten Plattencovern aus Rock und Metal – wer kommt auf so was? Gibt es nicht schon genug Malbücher? Auch für Erwachsene? Und sollten Kinder nicht lieber nur Blumen, Feuerwehrautos und Bauernhöfe ausmalen? Und Erwachsene beruhigende Mandalas? Nein, nein und nochmal nein!

(Quelle)

Hier handelt es sich um den Verkaufstext zu einem Malbuch. Einem Metal-Malbuch. Richtig. Auf 40 Seiten offenbaren sich dem geneigten Buntstift-Nager die Cover von recht populären Veröffentlichungen aus dem Bereich Schwermetall; einer ganz subjektiven Auswahl der beiden Köpfe hinter dem Büchlein, namentlich Renatus Töpke und Martin Hoffmann.

Naja, wenigstens sind es Plattencover. Beim Entdecken des Buchtitels wähnte ich mich schon in maximaler Fremdscham angesichts einer Vermutung, es handele sich um eine Art “bemale diese coole Kutte” (mit einer Sonderseite für Schwarzmetall-Aufnäher, für deren Ausmalen man nur einen schwarzen Stift benötigt und eine entsprechend frostige Grimmigkeit, mit der das Malwerkzeug alsdann über die rechteckigen Konturen Kapellenlogo-gezierter Flächen gezogen wird). Ein Glück, dass der kreative Imperativ des Ausmalens sich hier nur auf die Nachgestaltungen realer Artworks beschränkt.

“Wer malen will, muss Metal sein!” heißt das Endergebnis und erschien im Oktober 2016 beim Reiffer Verlag. Und ja - es mag richtig sein - wer es mag, soll es sich gönnen. Für mich persönlich spiegeln die schiere Existenz dieser diabolischen Kritzelvorlage und gleichsam paradoxerweise auch dieser Blogbeitrag einen Gesichtspunkt der Metalszene wi(e)der, der zugegebenermaßen zugleich Potenzial als auch Niedergangssymptom zu sein scheint.

Explizit meine ich die Tendenz zur Selbstironie. Und die fängt dann an zu nerven, wenn sie szeneintern von der Verhaltensdisposition zur Pflicht wird. Elementen der sogenannten Szene nicht unvoreingenommen wohlgesonnen entgegen zu blicken, gilt gern mal als krampfhafter Versuch, sich “trve” zu geben (mal ernsthaft, ist das überhaupt noch ein Diskussionspunkt bei selbsternannten MetallschädelInnen, die älter als 18 sind?). Ein Metal-Cover-Malbuch erscheint dabei andererseits vielleicht auch als krampfhafter Versuch, sich selbst und dem Bekanntenkreis die eigene Fähigkeit zur Selbstironie zu beweisen.

“Das hier ist meine lässige Kutte, das hier ist mein Metal-Malbuch - und achja! Ich will unbedingt mal an der Full Metal Cruise teilnehmen!”

Ich wünsche viel Spaß beim Malen.


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17.10.12

Amon Amarth in Weinform

Seit Anfang Oktober vertreibt das deutsche Merchandising-Unternehmen EMP nun einen Syrah (Shiraz), der ein Amon Amarth-Etikett trägt. Amon Amarth sind nicht die Ersten, die ihren Namen für australischen Rotwein hergeben; vorgemacht haben es bereits AC/DC und Motörhead. Auf ihrer Homepage kommentiert die schwedische Wikingertruppe ihren Einstieg in das Wein’geschäft’ folgendermaßen:

You can now get your own Amon Amarth Shiraz red wine! A must at any classy dinner party or as a gift to the wino friend! Drink irresponsibly!

Der Schraubverschluss-Wein kommt auf klassischen kultivierten Dinner Parties sicherlich sehr gut an. Und wenn man sich unbedingt mit Wein zulaufen lassen möchte, wie die Partywikinger empfehlen, braucht man dafür - mit Verlaub - kein überteuertes, die kulturindustriellen Tendenzen im Metal krönendes Rotwasser. Die Tetrapack-Varianten aus dem nächsten Supermarkt werden den selben Effekt erzielen, mit dem Unterschied, dass man sich beim Kauf nicht ganz so deppert fühlen dürfte.

Update: Danke an Sigrid für den Hinweis per Mail, dass Amon Amarth Schweden sind und nicht etwa Norweger. Peinlicher Fehler meinerseits! XX(


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30.12.11

Jahresrückblick 2011 - Erster Teil

Die meisten medialen Jahresrückblicke sind durch und ich dachte mir, dass es an der Zeit wäre, selbst mal auf das musikalische 2011 zurückzublicken. Welche Alben haben sich gelohnt, was für Konzerte habe ich am nördlichsten Außenposten von Schwermetall mitbekommen? Wollen wir doch mal sehen! Der erste Teil konzentriert sich auf die aus meiner Sicht wichtigsten Veröffentlichungen des auslaufenden Jahres.

Das wohl für die meisten interessanteste Album kam bereits im ersten Quartal: „Fallen“, Burzums nunmehr achte Langrille. Aus meiner Sicht ist es noch besser als der Vorgänger, dem ein richtig markanter Titel fehlt – „Jeg Faller“ jedenfalls ging mir nach den ersten Durchläufen kaum mehr aus dem Kopf. Ein geniales und durch den häufigen Klargesang mutiges Album! Zusammen mit „Hvis Lyset Tar Oss“ mittlerweile mein Favorit von Burzum.

Anfang Juni trudelte nach einigen Wochen Verzögerung wiederum ein Album ein, bei dem ich auf einen zukünftigen Klassikerstatus wetten würde: „Essence of Nine“ der amerikanischen The Flight of Sleipnir. Die lassen sich mittlerweile irgendwo zwischen mehrheitlich Doom, Stoner und etwas Pagan einordnen. „As Ashes Rise“, „The Serpent Ring“, „Nine Worlds“ – meine Herren, das müssen Klassiker werden. Parallel erschien noch eine Split mit Rituals of the Oak und Apostle of Solitude. Die reicht aber nicht an das Album heran, was aber hauptsächlich am eher schwachen Part von Rituals of the Oak liegt. Ohne den wäre die Split aber auch uneingeschränkt zu empfehlen. Beide Scheiben erschienen auch auf farbigem Vinyl, jedoch in sehr limitierter Stückzahl.

Die nächsten Veröffentlichungen, die ihren Weg in mein Schränkchen fanden, läuteten einen musikalisch spannenden Herbst ein. Dazu zählt erst mal „The Thousandfold Epicentre“ von The Devil’s Blood. Das erste Hören hat mich ehrlich gesagt nicht so umgehauen wie beim Erstling, aber das lag wohl auch an meinen Erwartungen. Nach dutzenden Durchgängen hab ich das Album noch immer nicht ganz erfasst, was für Tiefgründigkeit spricht. Irgendwas sprach mich aber an, auch wenn ich das nicht genau hätte formulieren können. Man will es immer wieder hören, um genau das rauszufinden, was es genau ist. Auf eine gewisse Art macht das Album süchtig. Im Gegensatz zu „The Time Of No Time Evermore“ ist die aktuelle Scheibe komplexer und verschachtelter. Ein Titel wie „Feverdance“ ist da wohl als Höhepunkt zu sehen, kommt es doch über eine gute Viertelstunde fast ohne Gesang oder echte Melodien aus. Ein äußerst empfehlenswertes und wichtiges Album – sollte nicht verpasst werden! Die investierte Zeit lohnt sich.

Ähnlich sehnsüchtig erwartet wurde Nocte Obductas „Verderbnis (Der Schnitter kratzt an jeder Tür)“. Nach dem Text auf der Webseite der Band war klar, dass es sich um ganz andere Musik als bei „Sequenzen einer Wanderung“ oder des Nachfolge- und dann wohl doch parallel laufenden Projekts Dinner auf Uranos handeln wird. Letztendlich kam eine Mischung aus „Schwarzmetall“ und den „Nektar“-Sachen heraus. Der Sound ist wesentlich rauer als bei den letzten Sachen, ohne deren Komplexität zu erreichen, sodass es weiter in die Bandhistorie zurückreicht. Ausnahmsweise trifft also die abgedroschene Phrase zu, dass vieles bisher Dagewesene zu einem neuen Gesamtbild kombiniert wird. Mit dem musste ich mich auch erst mal anfreunden, aber mittlerweile hör ich’s immer öfter. Die Platte bietet Momente, die einen immer wieder in den Kopf kommen und dann kaum noch loslassen. Wem spätere Alben der Herren zu komplex waren, der darf mal wieder zugreifen! Meiner Meinung nach nicht so stark wie „Nektar I & II“, aber immer noch um Welten besser als 90% dessen, was die deutsche Black-Metal-„Szene“ ansonsten so auswirft.

Nicht mal ganz ein Jahr nach „Sviga Lae“ veröffentlicht Shamaatae mit „Helvitismyrkr“ schon das nächste Album. Den Vorgänger habe ich bis heute noch nicht, weiß also nur, dass die Reaktionen darauf sehr zwiespältig waren. Beim aktuellen Werk waren sie aber derartig vielversprechend, dass ich nicht umhin konnte, es mir zuzulegen. Wenn ich es mal mit „ÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞ“ und „Antikosmos“ vergleiche, fallen einige Unterschiede auf. Während bei den beiden der Stil weitgehend gleichblieb und nur weiter ausgebaut (und verbessert) wurde, ist „Helvitismrkr“ ein positiver Schritt zurück. Einige Riffs beziehungsweise Teile davon könnten in veränderter Aufnahmequalität fast auf „Kampen“ stehen (oberdeutlich: „Nifldreki“), nicht zuletzt, da wieder Geige und weiblicher Gesang eingesetzt werden. Sehr knackige Scheibe, wird jedem Freund der Band gefallen. „ÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞ“ sagt mir trotzdem mehr zu, wobei ich bezweifle, dass das Album in der Reihe der modernen Arckanum getoppt werden kann.

Zu guter Letzt kommen wir zu einer Scheibe, die überraschend geräuschlos erschien: „Tales Of Wanderings“ von Old Silver Key. Hierbei handelt es sich nicht um irgendein Kellerprojekt, sind doch eigentlich die gesamte Drudkh-Mannschaft mit Neige (Lantlos, Alcest) an Bord. Gut, ich gebe zu, nichts von Neiges Bands zu besitzen. Ich kann die „Tales…“ also nicht dort einordnen. Dies gelingt mir bei Drudkh umso besser, da die Ukrainer zu meinen favorisierten Bands zählen. Wie klingt nun also das Ergebnis der zugegebenermaßen kuriosen Kollaboration? In einem Wort: schön. Über die gesamte Spieldauer wird ausschließlich klar gesungen, was mitunter schon einige abschrecken mag. Die Klampfen sind zusätzlich nicht so stark verzerrt – wer Drudkhs „Handful of Stars“ kennt, wird wissen, was ich meine. Wenn wir schon dabei sind: Das Album ist auch der beste Vergleich für „Tales…“. Die Lieder sind zwar kompakter (das längste dauert gute acht Minuten), aber vom Klang her sehr ähnlich. Old Silver Key sind nur noch etwas ruhiger, haben dementsprechend kaum Blastbeats, wodurch es letztlich eben „schön“ klingt. Nur – Black Metal ist das nicht. Das sollte also niemand erwarten. Wer also mal etwas ausprobieren will, kann gerne zugreifen, es lohnt sich! Die LP erschien übrigens auch nur in einer normalen 500-Stück-Auflage und ist mittlerweile, soweit ich weiß, vergriffen.

Abschließend stelle ich fest, dass 2011 ein musikalisch äußerst befriedigendes Jahr war. Sicherlich konnten (noch) nicht alle Sachen gekauft werden, zu nennen seien hier die neuen Alben von Primordial und Wolves in the Throne Room oder das Debüt von Devil beziehungsweise Electric Wizard’s „Black Masses“. Letzte werden aber in Kürze nachgeholt! Mal sehen, ob 2012 dann gleichziehen (oder übertreffen?) kann – ich lass mich mal überraschen! Eines der vielversprechendsten Black Metal-Alben wird sicherlich die neue Lunar Aurora. Vielleicht hat beiden vorgestellten Scheiben ja noch jemand etwas gefunden – wenn ja, viel Spaß damit und ansonsten: Prost und guten Rutsch!


Gespeichert unter: Meinung — bombenhagel, 19:39:50 Kommentar schreiben


22.11.11

Offener Brief an Nuclear Blast

Sehr geehrtes Marketing Team von Nuclear Blast,

es ist leider eine unumstössliche Tatsache, dass wieder einmal das Geburtstagsfest des Christlichen Heilands bevorsteht. Und da man diesem aus verständlichen Gründen nichts schenken kann, beschenken wir stattdessen Menschen, die uns nahe stehen. Da diese Prozedur jedes Jahr stattfindet und sich der Schenkende oft fragt, was er denn am besten verschenkt, helft ihr uns mit guten Ideen und Produkten.

Was bei Major Labeln schon immer Unsitte war und worüber sich zu Recht jeder echte Künstler aufgeregt hat, sind lieblose Best-Of Alben gewesen, die pünktlich zu Weihnachten in den Regalen standen, um dem Nicht-Fan einen Überblick über das grandiose Schaffen von XYZ zu geben. Diese zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie dem Fan, der ja bereits alle Alben besitzt, ebenfalls das Geld aus der Tasche zieht, da dieser ja alle Veröffentlichungen seines Idols besitzen möchte.

Mag sein, dass Best Ofs genau dann gerechtfertigt sind, wenn eine Band bereits mehr als 10 Alben veröffentlicht und auch wirklich eine Handvoll Hits gemacht hat. Aber um diese geht es hier nicht.

Es geht um Die Apokalyptischen Reiter und die Deathstars. Beide Bands verfolge ich, seit diese Alben machen, im Falle der Die Apokalyptischen Reiter also schon eine ganze Weile. Von beiden Bands besitze ich als bekennender Fan alle Alben. Und als ich heute nichtsahnend durch den Mediamarkt schlenderte und mir die neue Machine Head CD genemigte, fiel mein Blick auf CDs von den beiden oben genannten Bands, die ich noch nicht kannte. Schnell war klar, warum nicht:

Das sind ja wohl die beschissensten Best Ofs, die ich jemals gesehen habe. Was soll die Schweinerei, von den Die Apokalyptischen Reitern eine CD ohne ein einzigen Bonustrack, ohne einen einzigen Remix, eine Neueinspielung, eine Liveversion oder sonstiges heraus zu bringen? Dazu noch im Digibook Format, schön edel aufgemacht. Und nebendran die Deathstars. Eine Band mit 3 (in Worten: DREI) Alben in gefühlten 15 Jahren. Wer braucht ein Best Of, wenn daneben drei Alben zum Midprice der gleichen Band stehen. Ach ja, ich vergass: Hier sollen immerhin zwei “Previously Unreleased” Stücke für den Kaufanreiz sorgen.

Ich bin kein Marketing-Mensch, aber hat euch schonmal jemand gesteckt, dass es inzwischen MP3s und einen grossen Online Store sowie Streaming Dienste gibt? Die Kundschaft für eure Geldmacherei ist dort zu finden. Man kann wirklich zu Amazon oder iTunes gehen und sich einzelne Lieder zu einer Best Of zusammenkaufen. Noch nicht gewusst?

Ach ja, ich erinnere mich, man muss ja auch Anwälte bezahlen, weil die Kunden die CDs, die ihr da teuer in die Läden stellt, gar nicht kaufen. Bei so einem Schrott kann ich es auch niemandem verdenken, der sich die beiden Extrasongs aus dem Internet lädt.

Es ist doch ganz einfach: Lasst den Scheiss und konzentriert euch darauf, mit euren Bands vernünftige Alben zu machen. Und denkt daran: Metalfans sind die letzten, die sich noch Tonträger kaufen werden. Verarscht sie also nicht.


Gespeichert unter: Meinung — shadowthrone, 20:36:04 Kommentar schreiben


17.11.11

Die Hard? Die Fast!

Ich kann es nicht mehr lesen.
Ob im Mailorder des Vertrauens, in Infomails oder wo auch immer, “Die Hard” entwickelt sich zu einer subkulturellen Seuche, die mit all dem offerierten Scheiss aus Togo( … to-go!) verwandt zu sein scheint oder zumindest einem ähnlichen geistigen Schluckauf entspringt!

Aber immer langsam mit den jungen Pferden und noch mal einen Schritt zurück.
Das man den Kontakt zu den Fans halten möchte, OK.
Das man für die Sammler unter ihnen eine Auflage in niedriger Stückzahl produziert, sollte objektiv auch OK sein!
Mich persönlich freut es sogar sehr, da ich mich zu den Sammlern zähle.
Da ich dem Genuss von Musik und dem damit einhergehenden Konsum von Tonträgern bereits über zwei Dekaden fröne, sind mir Bezeichnungen wie limitiert, stark limitiert, streng limitiert oder ultra limitiert, oft noch in Verbindung mit Begriffen wie Sammleredition, gut bekannt.
Schon in meinem gerade auspubertierendem Hirn kamen mir diese Ausdifferenzierungen unsinnig bis kitschig vor. Natürlich immer mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit auf den jeweiligen Artikel und folgerichtig die Verkaufszahlen zu erhöhen.
Seit diesem Zeitpunkt begleitet mich die Frage:"Warum schreibt man nicht schlicht limitiert auf “so-und-so-viel"?”
Auf diese Weise könnte sich doch jede/r selbst ein Bild machen und je nach Bekanntheitsgrad der Band (in den meisten Fällen wissen die Hörer ja, ob die Band nun Stadien füllt und Alben in die Charts befördert oder froh ist, wenn sich 50 zahlende Gäste in einem AZ/JUZ einfinden, wovon drei später noch zum Merchandise-Stand wandern) entscheiden, wie dringlich ein rascher Erwerb angeraten ist.
Als ich das erste Mal auf eine “Die Hard"-Edition stiess, hatte ich ein seicht vom Wahn berührtes Grinsen im Gesicht, da mein Gehirn mir einen satirischen Comicstrip unter schob, der von einem gut gelaunten Bruce Willis, welcher mir mit zwei nach oben gereckten Daumen den Segen zum Kauf dieser Platte erteilte, dominiert wurde.
Parallel zur Filmreihe franchiste sich die “Die Hard"- Titulierung epidemisch fort und wird es wohl leider auch weiterhin tun.
Ich biss mir so lang auf die Zunge wie ich konnte. Bis zu jenem Moment vor einigen Tagen, als das Grinsen aus meinem Gesicht wich und der Wahn der überschäumenden Wut des Unverständnisses mich übermannte.
Der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte war die Formulierung:"Für die Die-Hard Fans von…!”
Was um alles in der Welt soll das sein?
Entweder war hier die Rede von Fans einer Band, die sich dadurch auszeichnen, dass sie neben dem Hören von Musik nichts anderes tun als sich die “Stirb Langsam"-Quadrologie anzuschauen oder gar einem solch gearteten Club/Verein angehören oder es war nichts anderes als(WARNING EXPLICIT LYRICS!) geistiger Dünnschiss!
Denn das Wort Fan leitet sich, in unserer so Anglizismen verseuchten Sprache, von fanatisch (engl. fanatic) ab und bezeichnet somit die höchstmögliche positiv behaftete Ausrichtung eines Menschen auf einen “Star", “Film” oder “von-was-man-auch-immer-Fan-sein-kann".
Die Bezeichnung Fan kommt somit einem Superlativ gleich und diese sind verdammt noch mal nicht steigerbar und vor allem nicht durch so einen Scheiss wie ein “Die Hard"-Präfix!
Also schreibt was zu den Bands und deren Platten inklusive Stückzahl, aber hört auf irgendeinen Schmarn zu veranstalten, sinnfreie Worthülsen zu generieren, die nicht mehr auszudrücken als eine genaue Zahl es kann. Denn im allerschlimmsten aller kritisch beäugten Fälle, nennen wir es eine subkulturelle Dystopie, würde es letztlich nur eine weitere Aufspaltung vorantreiben, die doch eigentlich niemand wollen kann. Dann finden demnächst etwa Konzerte für Interessierte, Fans und von “euch” geschaffene “Die Hard"-Mutanten-Fans getrennt statt, damit die Band den jeweilig zugegen Seienden gerecht werden kann! Oder wo soll das hinführen?
Leute, wir reden hier über Subkultur (hier im speziellen Metal) und ihrer ihr eigenen Musikrichtung (im Bezug auf Schwermetall.ch natürlich vorrangig Black und Death Metal), die von Gleichgesinnten, welche ein Instrument beherrschen und es schaffen gemeinsam im Takt zu spielen, für Gleichgesinnte, die einfach nur zuhören und sich in dem dargebrachten wiederfinden wollen, gemacht wird!

Für alle, die das nicht verstehen können/wollen:
Bereitet euch doch selber mal eine Portion Fugu zu, so schwierig kann das nicht sein, oder spielt einen ganzen Abend lang russisches Roulette und zeigt den anderen, das ihr auch ein würdevoller Verlierer sein könnt!
Aber bitte sterbt schnell!


Gespeichert unter: Meinung — Devil Man, 02:10:43 Kommentar schreiben


05.01.11

W:O:A 2011 - Nahezu ausverkauft und Ticketinflation

Das 22. Wacken Open Air ist laut den Veranstaltern mit bisher 55.000 verkauften Tickets nahezu ausverkauft. Da letztes Jahr offiziell 85.000 Besucher das Metalspektakel besucht haben, kann man Pi mal Daumen davon ausgehen, dass noch etwa ~25.000 Tickets im Vorverkauf erhältlich sind.

Wieviele der Tickets auch tatsächlich für den Privatgebrauch gekauft werden ist natürlich nicht klar und die Veranstalter warnen, wie seit ein paar Jahren Gang und Gebe, vor überteuerten Ticketpreisen auf Auktionsplattformen im Internet. Aus eigener Erfahrung kann ich allerdings eher behaupten, das die Wacken-Tickets bei Ebay jedes Jahr aufs Neue nahezu inflationär angeboten werden und man als kurzfristiger Käufer wenige Wochen vor Festivalbeginn sein Ticket sogar noch unter dem Original VVK-Preis ergattern kann. Zumindest bei Auktionen. Sofortkauf-Auktionen der Marke “Noch 39 von 50 verfügbar” sprechen für sich und spiegeln jährlich wieder, wie versucht wird, mit dem Tickethandel das Große Geld zu machen.

Wie gesagt, eine alte Idee. Das mag beim W:O:A 2005 und früher vielleicht noch funktioniert haben, heute verursachen Hunderte solcher vermeintlichen Investitions-Genies aber eher jene beobachtbare Ticketpreisinflation.

Ich für meinen Teil habe, als ich 2009 aufgrund geplatzter Urlaubspläne zwei Tickets 4 Wochen vor W:O:A Beginn verkaufen musste, rund 60€ verloren. Ein Ticket also fast verschenkt. Prost Mahlzeit!

Zum Abschluss die Originalnachricht von der Wacken-Homepage:

Nach den Feiertagen und Bandbestätigung der letzten Wochen sind mittlerweile über 55.000 Tickets für das W:O:A 2011 verkauft. Und der Run auf die Tickets ist weiterhin ungebrochen! Thanx for your support metalheads! Wir danken euch für eure Treue über all die Jahre, denn eines ist klar: Fans und Loyalität sind das Herz des Festivals!
Wer also noch ein Ticket für das W:O:A 2011 mit dem vermutlich besten Line-Up aller Zeiten ergattern will sollte sich beeilen, denn wir nähern uns mit immer größeren Schritten dem Sold Out!

Bestes Wacken Line-Up aller Zeiten? Schwermetall wird definitiv ein Auge drauf halten, inwiefern sich bemüht wird, dieses Versprechen einzuhalten.

Quelle:
Wacken Official


Gespeichert unter: Meinung — Schlaf, 15:50:51 Kommentar schreiben


18.10.09

Metal, Bier und Wurstsalat

Society of Skeletons sind eine fiktive Thrash Metal Truppe aus Niedersachsen. Ein Vierertrupp junger Metaller auf dem Weg zum Metalhimmel hat die Band gegründet, um nach den Metalsternen zu greifen. Die Träume sind gross, die Enttäuschungen vorauszusehen. Doch am Schluss bleibt der Formation eines: Die Liebe zum Metal, Bier und zum beliebten Katerfrühstück.

André Schönfelder beschreibt in seinem Debütroman das Werden von ein paar Rebellen, deren Horizont den Titel des Buches nicht übersteigt. Mit einer grossen Portion Humor, einer noch grösseren Menge an Klischeereiterei und ganz vielen Biergeschichten packt “Metal, Bier und Wurstsalat” den Leser in unerwarteter Weise. Trotz flacher Geschichte, liest sich der Roman dank flüssigem Schreibstil und lockerer Umgangssprache binnen weniger Stunden. Für seichte Unterhaltung ist auf alle Fälle gesorgt - für den grossen Tiefgang natürlich nicht.

Das Buch zeichnet das Bild von einfach gestrickten aber dafür umso sympathischeren Charakteren. Autobiografische Züge machen die Geschichte glaubhaft. So ist Society of Skeletons ziemlich stark an des Autors Truppe Chaos Conference angelehnt. Dennoch kann die Klischeereiterei nerven: Tankstellenbier, Metal, Fertigpizza, Kotzen, Wacken, Selbstüberschätzung, Verarsche, Frauen, Besetzungsprobleme, Sex, Fans, Konzerte, Bandleben, Katerstimmung und zurück. So langweilig und oberflächlich kann kein Leben sein. Dass es zu diesem Thema ein Buch braucht, ist durchaus fraglich. Ständig wartet der Leser darauf, dass etwas passiert. Das Buch greift ohne grosse Reflektion direkt aus dem Leben und ist daher nicht besonders spannend und leider auch wenig durchdringend. Dieser knallharte Realismus ist jedoch wohl gerade beabsichtig und die Naivität im Buch in gewisser Weise sympathisch. “Metal, Bier und Wurstsalat” ist darum genau das richtige Buch zum unangestrengten Auskurieren eines Katers.


Gespeichert unter: Meinung — Morgenstern, 19:46:19 Kommentar schreiben


19.06.09

"Kainsengel" von Milan Pawlowski

Das Nachwuchstalent Milan Pawlowski lehnt sich in seinem neusten Streich an John Miltons „Paradise Lost“ an. Der Dichter, Filmemacher, Poet, verliebter Narr, Prophet, Denker, Lebemann, Bastler, Träumer und Künstler erzählt die Geschichte eines ganz normalen Zeitungsredakteurs, der eines Tages, durch die Begegnung mit einem gefallenen Engel, aus seiner Alltäglichkeit gerissen wird. Die Ereignisse überstürzen sich und man findet sich inmitten eines Kampfes zwischen Mächten wieder, deren Existenz das menschliche Bewusstsein nicht erfassen kann.

Mit einem unerschöpflichen Bilderreichtum und einer fantastischen Handlung schildert das Buch eine Welt zwischen dem Bewusstsein und dem Unbewussten, der Realität und der Traumwelt. Diese beiden Realitäten sind so stark vernebelt, dass eine Unterscheidung für den Leser zur Herausforderung wird. Selbst der Hauptdarsteller sieht sich mehrmals inmitten einer ihn völlig überrollenden Situation und wird in einen Strudel von traumhaften Ereignissen hineingezogen. In einem gekonnten Spiel zwischen Schein und Sein lässt Pawlowski viel Interpretationsspielraum für den Leser offen.

Einen positiven Abschluss sucht man vergeblich. Eine aufgebrochene Atmosphäre bleibt übrig, die den Leser im Leerraum zwischen Dasein und Traumwelt hinterlässt. Genau dies scheint die Absicht des Autors zu sein.

Auch wenn ab und an etwas plumpe Sozialkritik durchschimmert, welche wohl zu stark aus dem Traumgeschehen herausreisst, versteht es der Autor in vorzüglicher Sprachgewandtheit in eine fantastische Welt zu entführen. Der Interpretationsspielraum lässt viel Zeit fürs Fantasieren, Bilder entstehend vor dem geistigen Auge, so dass sich beim Lesen ein Film abspielt. Deshalb ein durchaus lesenswertes Buch.


Gespeichert unter: Meinung — Morgenstern, 19:23:21 Kommentar schreiben


"Under The Skin of Rock 'n' Roll" von Nando Rohner und Alessandro Bertolotti

Tattoos üben schon seit Anbeginn eine Faszination auf die metallischen Subkulturen aus. Dies ist nicht verwunderlich, werden doch sowohl Metal als auch Tattoos mit einer Rebellion gegen die Gesellschaft in Verbindung gebracht. Die beiden Basler Buchautoren Nando Rohner und Alessandro Bertolotti haben sich in den letzten Jahren eingehend mit der Verbindung von Metal und Tattoos befasst. Das Resultat ist das umfassende Interviewwerk „Under the Skin of Rock `n` Roll“ mit über 350 Seiten Bild und Schrift.

In einem ersten Teil nähern sich die Autoren mit einer Schwerpunktreportage dem Thema. In einfacher Lesekost sind die Hintergründe aufbereitet: Warum lassen sich Menschen tätowieren? Was sind die Risiken und weshalb sind Tattoos negativ konnotiert? Eine mehr oder weniger ausführliche Geschichte der Tattoos führt den Leser an deren Verbindung mit dem Rock `n` Roll und schliesslich mit dem Metal heran. Inhaltlich kratzt der Text lediglich an der Oberfläche und statt wissenschaftlich wirkt diese erste Session eher zusammengewürfelt aber dennoch unterhaltend. Wer sich also eingehend mit der Geschichte von Metal und Tattoos beschäftigen will, kriegt hier erste Anhaltspunkte zum Weiterforschen.

Der erste Interviewteil folgt gleich im Anschluss. Verschiedenste mehr und weniger bekannte Truppen aus mannigfaltigsten Metal und Rockgenres werden zum Kernthema befragt. Viele Kernfragen werden allen Bands gestellt. Dies bringt einerseits eine gute Vergleichbarkeit mit. Andererseits hat man nach fünf Interviews mit praktisch den gleichen Antworten reichlich genug gehört zu Fragen wie „welches Tattoo hast du dir als erstes machen lassen?“, „was sind deine Pläne für künftige Tattoos?“. Interessanter sind allerdings Fragen zu der Verbindung zwischen Metal und Tattoo und was die einzelnen Musiker darüber denken. Denn genau in diesen Antworten sehe ich den Neuigkeitsgehalt des Buches. Genau diese Antworten hätte man fokussieren und eingehender aufbereiten sollen. Denn ein Leser erwartet auf Grund des Titels und des Rückentextes eine aufbereitete Antwort auf diese Fragen, welche Schlussendlich fehlt. Darüber hinaus wird dieser rote Faden durch zahlreiche Nebenfragen zu gut kaschiert.

Die Bandwahl ist dabei ausgesprochen vielseitig und lässt zu, die einen oder anderen unbekannten Truppen zu überspringen. Mit Bands wie Requiem, Rotting Christ, Exodus, Dark Funeral, Trollfest, Dismember, Hypocrisy, Excruciation, Cradle of Filth, Punish, Illdisposed, Kreator, Destruction und Primordial und so weiter ist allerdings genug Lesestoff für die Zielgruppen von Schwermetall vorhanden. Wie jedoch die Auswahl zu Stande gekommen ist, wirkt genau so wie deren Anordnung willkürlich.

In den letzten beiden Kapitel kommen einerseits die internationalen Tattoo-Künstler zu Wort und andererseits weitere, die in einer Art und Weise zum Thema beitragen können. So wird unter anderem der christliche Pastor Bob, ein Buchautor und Missy Suicide von Suicide Girls befragt.

Danach fehlt leider eine abschliessende Zusammenfassung oder eine Aufbereitung des Gesagten.

Insgesamt ist „Under the Skin of Rock `n` Roll“ bestimmt das umfassendste Werk zum Thema und hat deshalb eine Daseinsberechtigung. Allerdings sind die Interviewmitschriften eher als Grundlage für eine eingehendere Analyse und Aufbereitung zu betrachten. Denn eigene Gedanken der Autoren fehlen weitgehend. Hintergründe zur Bandwahl bleiben aus. So wirkt das Buch zwar wie eine sehr umfassende, aber leider auch willkürlich zusammengewürfelte Sammlung von Interviews. Das Buch krankt deshalb etwas an innerem Zusammenhalt und einem roten Faden. Manchmal wünscht man sich eher Klasse statt Masse. Wer jedoch eine unterhaltende Interviewsammlung zum Thema Tattoo und Metal sucht, ist mit „Under the Skin of Rock `n` Roll“ goldrichtig.

Zu bestellen gibt es das Buch im Fachhandel (ISBN 9783837092851). Zusätzliche Informationen sind unter www.myspace.com/rockandtattoo erhältlich.


Gespeichert unter: Meinung — Morgenstern, 18:55:26 Kommentar schreiben


29.03.09

Das Problem der Musikbranche

Ich muss jetzt endlich mal meine Meinung zum Problem der Musikbranche kund tun. Das lässt sich natürlich auch ziemlich genau auf die Filmindustrie und die Finanzkrise ummützen.

Witzigerweise sind es ja gerade die grossen Labels, die immer daherjammern um wie viel die Verkäufe zurück gegangen sind. Die kleinen machen 1000 Stück von einem Album, vielleicht noch 500 von einem halbwegs schicken Digipack, haben dabei Kosten von zwei Euro, wobei dann natürlich Arbeit und Werbung extra gerechnet werden muss. Wenn man dann zu sieht wie etliche Musiker, wenn auch selten in der Metal-Szene, gar nicht mehr wissen wo hin mit ihrer Kohle und wie sie sich selbst komplett kaputt machen, weil sie mit dem meist eben auch finanziellen Erfolg nicht umgehen können, dann frage ich mich, wo die die Kohle herbekommen, wenn doch die Verkäufe so zurück gehen. Wie eben auch bei den Filmen, die auf Grund illegaler Downloads immer weniger einbringen, aber trotzdem jeder Film den letzten um drei Millionen Euro an Ausgaben übertrumpfen muss, die Zuschauerzahlen mit jedem “guten” Film noch mal deutlich zunehmen, die DVD-Verkäufe in die Höhe schnellen, dann frage ich mich ebenfalls, wo liegen denn jetzt die Verluste wegen der Downloads? Wie auch bei der Musik sind die Filme meist schon vor Release oder zumindest kurz nach Kinostart im Netz und den meisten dienen sie nur zur Überbrückung. Die sehen sich den Film im Kino an und können es dann gar nicht erwarten bis der Streifen auf DVD im Laden steht und laden sich diesen deshalb zwischenzeitlich runter. Wer hätte denn früher geglaubt, dass so extrem viel Geld mit Unterhaltunsmedien zu machen ist, wo doch früher die Leute nicht einmal was zum Fressen hatten, geschweige denn geügend Schuhe, damit alle Kinder gleichzeitig raus konnten. Und die verdienen sich eine goldene Nasenscheidewand nach der anderen und trauen sich trotzdem noch rumzuheulen wie kleine Kinder, weil Leute etwas aus dem Netz saugen!

Scheissviel Geld für Scheissviel Werbung

Aber das erste Problem der “grossen” Labels ist ja schon einmal wo die überall ihre Werbung hinpappen und wie scheissviel Geld sie dafür ausgeben. Die Werbepreise und Kosten für einen CD-Beitrag in einem bekannten Magazin sind unverschämt, aber die Grossen könnens bezahlen. Auf die Kleinen wird geschissen. Klar kann man nicht alles über Mundpropaganda verbreiten, aber in Zeiten des Internets gibt es ja Werbung in Form von Informationsseiten, bei denen man nicht ewig viel Geld hin legt.

Ein teurer Produzent muss her

Natürlich muss als nächstes ein Produzent her, dem ein Privatjet bezahlt wird und der einen Haufen Kohle damit macht, dass er in alle Bands, die er betreut seinen Senf rein mischt und die persönliche Musik von einer handvoll Bandmitglieder, die mit verschiedenen Geschmäcker eh meist schon das Beste aus fünf Richtungen zusammensuchen, massentauglich macht, wobei sich dann die Bands alle auch noch immer ähnlicher werden. Als wäre die Ähnlichkeit nicht schon alleine wegen des meist eigenen Sounds der wirklich guten Studios nicht schon genug, die ja auch immer ausgebucht zu sein scheinen. Individualität geht dabei komplett flöten.

Labelbosse als Spitzenverdiener

Hinzu kommt natürlich, dass manche Labelbosse halt scheinbar den Hals nicht voll bekommen können, auch wenn eine eigene Insel mit allem drum und dran sicher eher die Ausnahme ist. Aber wenn man einmal sieht, wie viele Leute da mitmischen, bis die CD endlich mal auf den Markt kommt und was manche verdienen, dann weiss man auch warum man eigentlich 20 Euro für gewisse Alben bezahlt. Wenn man bedenkt, dass bei einer Auflage von was weiss ich wieviele 100.000 Stück der Preis kleiner sein müsste als bei den kleinen Bands mit einer Auflage von 1.000 Stück. Immerhin belaufen sich dann nicht nur die Kosten der CD-Pressung selbst, sondern auch vom Cover und allem, was irgendwie dran hängt, nur noch auf einen Bruchteil dessen, was man bei der kleinen Auflage bezahlt.

Musik nur noch digital?

Und da kommen wir dann zum Horrorszenario. Weil man ja vom Label kein Umdenken verlangen kann, spricht man plötzlich immer mehr von digitalen Downloads zu kleinen Preisen - wobei man da meistens immer noch auf zehn bis zwölf Euro pro Scheibe kommt. Aber das ist eh klar, denn das Material der CD verursacht ja fast keine Kosten, der Rest ist es, der es ausmacht und daran wird ja nicht gespart. Wofür ich allerdings gerne mehr hinlege, sind schicke Aufmachungen, Bonus-CDs oder gar DVDs und ähnliche Schmankerl. Daran sollten sich Labels halten. Was ich allergings auch nicht gut heissen kann ist, wenn ich für eine fünffach-DVD einer Band hundert Euro hinlegen muss und diese gar nicht einzeln erhältlich sind. Für eine gute Doppel-DVD gebe ich dann aber gerne 25 Euro aus. Dann müssen aber Bild und Ton schon passen, zumindest beim Hauptteil. Was bringt mir zum Beispiel eine AC/DC Blu-Ray wenn sie das selbe scheiss Bild hat und den selben schlechten Ton wie die DVD. Das alte Ding ist halt nicht besser, aber dann als Blu-Ray noch mal die Leute abzocken die meinen Blu-Ray wäre besser, nur weil das Medium mehr Speicherplatz bietet, ist wieder genau das Vorgehen, mit dem sich einige einfach nur bereichern wollen.

Kopierschutzdilemma

Ich verstehe allerdings voll, dass man oft auf einen Kopierschutz zurück greift, oder Promos nur mit Voice Over aussendet. Immerhin ist es schon erschreckend, wie schnell so ziemlich alles im Netz zum Download bereit steht. Meistens ja schon lange vor dem Release-Datum. Und wie geht das? Natürlich muss irgend jemand von einem Magazin oder Webzine so “kollegial” sein und der Menschheit die Songs gratis zur Verfügung stellen. Allerdings will ich das auch nicht komplett verteufeln. Immerhin hat eine regelrechte Flut an Bands dafür gesorgt, dass man gar nicht mehr weiss, was man sich zuerst kaufen soll und dann reichen halt zwei Tracks auf Myspace nicht aus um zu entscheiden, für welche zwei oder drei Scheiben ich monatlich mein Geld ausgebe. Ich habe ja das Glück in der Nähe einen Metalstore zu haben, aber wirklich oft komme ich trotzdem nicht hin und viele haben die Möglichkeit gar nicht. Saturn und Media Markt führen halt nur Massentaugliches, von dem sie gleich hundert Stück absetzen können. Dafür sollte es eine Lösung geben. Eine ist natürlich das “Digital Rights Managment". Nach einer vorgegebenen Zeit oder einer gewissen Anzahl von Hördurchgängen ist die Datei einfach unbrauchbar. Wenn man das Album zwei mal komplett gehört hat, sollte man schon wissen, ob man dafür Geld ausgeben möchte oder nicht. Dann ginge auch die Schwemme zurück, weil wirklich Schlechtes auch nicht mehr verkauft wird. Wobei allerings Labels wieder viel wählerischer wären. Aber auch vor den Labels hat die Schwemme nicht Halt gemacht und somit kommen auf diesem Weg trotzdem ein Vielfaches der Bands zum Zug, die es vor 15 Jahren geschafft hätten. Aber um auf DRM zurück zu kommen, solche Massnahmen lassen sich auch immer umgehen, wenn man sich halbwegs auskennt und damit fällt auch diese Idee, zumindest im Moment, ins Wasser. Vielleicht schaffen es pfiffige Programmierer mal einen ordentlichen Code zu schreiben.

Zurück zum Trading?

Was würde aber dabei raus kommen, wenn man alles nur noch digital bekommt? Wer noch weiss, wie schwer früher Metal-Scheiben zu bekommen waren, der kennt die Antwort. Das Trading wird wieder die Oberhand gewinnen. Natürlich nicht mehr in Form von Tapes. Im Endeffekt hiesse das noch mehr illegale Downloads, denn dann bekommt man ja das Selbe wie wenn man bezahlen würde. Das wäre genau der falsche Weg.

Ein Ausweg in Sicht?

Tja, wenn es einen Ausweg gibt, dann nur in dem man den grossen Labels das Sparen beibringt um die Preise wieder runter zu bekommen, denn dann könnte man sich statt drei gleich vier Alben im Monat kaufen. Weiters müsste man die Schwemme stoppen. Konkurrenz belebt halt doch nicht immer den Markt, sondern kann ihn auch zum Einstürzen bringen. Aber wer bestimmt, wer seine Band aufgeben muss? So wird das wohl nicht funktionieren. Die Leute, die jährlich drei durchschnittliche - wenn nicht sogar richtig schlechte - CDs auf den Markt bringen, wird es immer geben und es werden immer Dumme darauf reinfallen.


Gespeichert unter: Meinung — Tom, 20:54:24 Kommentar schreiben


04.05.08

"Mein Tod" von Alex Vonhuttwil

Die spannendsten Geschichten sind diejenigen, welche das Leben selbst schreibt. Dies nahm sich der 1971 geborene freischaffende Autor Alex Vonhuttwil zu Herzen. Der Berner und ehemalige Sänger einer Death Metal-Formation hat für die nachfolgenden Generationen schwarzmetallischer Tonkünste die Ereignisse in der norwegischen Black-Metal-Szene der frühen neunziger Jahre in Form einer Erzählung festgehalten.

Aus der Perspektive von Euronymous werden die Geschehnisse rund um die Osloer Szene geschildert. Die hundert Seiten gliedern sich in zwei Teile. Der erste Teil erzählt das Zusammenkommen und die Entwicklung wichtiger Szenegrössen wie Euronymous und Varg Vikernes, sowie den Suizid von Dead und dessen Ausschlachtung durch Euronymous. Der zweite Teil widmet sich derjenigen Periode, in der den Worten auch Taten folgten. Kirchenbrände und Morde sind Thema der Erzählung.

Der Rahmen einer Erzählung schafft dem Autor die nötige Distanz von der Realität, welche durch die Anonymisierung der Namen verstärkt wird. So trägt beispielsweise Varg den Namen Rune und Euronymous’ Plattenladen heisst ebenfalls nicht Helvete. Trotzdem hält sich die Erzählung in weiten Teilen an die wahren Gegebenheiten und es bleibt ein Leichtes, die tatsächlichen Personen und Schauplätze der Realität zuordnen zu können. Die auktoriale Ich-Erzählperspektive lässt Euronymous auch reflektierende Gedanken zu, ist für eine Erzählung aber eher untypisch. So weiss der Erzähler stellenweise Dinge, die Euronymous bis zu seinem Tod nie gewusst haben kann. Damit deutet der Titel “Mein Tod” - womit der Tod von Euronymous gemeint ist - auf eine viel kleinere Distanz zwischen der Erzählung und den Ereignissen, als dies tatsächlich der Fall ist. Es wird also deutlich, dass der Autor sich nicht vollständig in die Lage eines erzählenden Euronymous versetzen konnte, da die heutige Distanz zu den Ereignissen der neunziger Jahre viel grösser ist und dies in die Erzählung einfliesst. Hierbei stellt sich zudem die Frage, ob ein sich derart reflektierender Euronymous glaubwürdig ist. Euronymous macht deutliche Zugeständnisse innerhalb der Erzählung - er gibt unverscholten zu, wie es im bloss um die Vermarktung des Todes von Dead ging. Dazu gesteht er ein, unfähig in Geschäftsangelegenheiten gewesen zu sein. Von einem Menschen wie Øystein Aarseth wäre dies wohl nie zu erwarten gewesen, hätte dieser eine Erzählung verfasst. Es entsteht der Eindruck, der Autor von “Mein Tod” versucht vermeintlich unbemerkt seine eigenen Erkenntnisse als diejenigen von Aarseth zu verkaufen.

Der perspektivische Wechsel auf eine auktoriale Erzählweise wird nach dem Tod von Euronymous endgültig notwendig. Hierbei hätte sich trotz der Kürze dieses auktorialen Teiles eine deutlichere Abgrenzung durch einen dritten Teil besser gemacht. Weiter negativ anzubringen sind die teilweisen abrupten Themenwechsel zwischen den Themen Homosexuellenmord, Bandgeschichte von Mayhem und Kirchenbränden im zweiten Teil. Hier hätte eine Verschachtelung und eine näher an Aarseth platzierte Erzählsituation möglicherweise mehr Spannung gebracht.

Nichtsdestotrotz bietet “Mein Tod” eine unterhaltsame Lektüre. Die spannenden Geschehnisse der Realität wurden kurzweilig und in leserfreundlicher Sprache umgesetzt. So empfehle ich “Mein Tod” jedem Black Metal-Interessierten, der sich ein Bild von den frühen Neunzigern machen will, ohne dabei Primärforschung zu betreiben. Inhaltlich ist zwar nichts Neues zu verzeichnen, bleibt doch die Recherche eher oberflächlich, doch für einen kurzweiligen Abend sorgt das Buch allemal.

Zu beziehen ist das Stück für 9,70 Franken unter Books on Demand.


Gespeichert unter: Meinung — Morgenstern, 18:59:12 Kommentar schreiben


19.03.08

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Hype

Die Genrevielfalt im Metal war noch nie so gross wie heute. An allen Ecken und Enden kann sich heute eine Band als Erfinder eines neuen Sub-(Sub-)Genres rühmen und für jeden Musikliebhaber sollte es mittlerweile auch das richtige Sub-Genre geben. Dass hin und wieder ein solches Genre massiv Aufsehen erregt ist nur normal. Ebenso, dass die Bandzahl des Genres im Fokus der Medien explosionsartig ansteigt.

Ein Bereich, der momentan genau in diesem Fokus steht, ist die Folk/Viking/Pagan-Sparte. Der Ursprung dieser plötzlichen Popularität liegt wohl eindeutig in Finnland, genauer bei den beiden Bands Finntroll und Moonsorrow. Gerade Finntroll stehen für so manche neue Band Pate, wenn sie ihre ersten fröhlichen Melodien auf folkloristischen Instrumenten komponieren. Und da in den letzten Jahren immer mehr neue Bands gegründet wurden ist es auch nicht verwunderlich, dass mit der wachsenden Zahl von Bands auch immer mehr Klein- und Kleinstlabels wie Pilze aus dem Boden schiessen und man langsam aber sicher den Überblick über das Ganze verliert. Durch das Internet und speziell Plattformen wie MySpace hat jeder die Möglichkeit, sich eine gecrackte Version von Cubase herunter zu laden um kurzerhand ein Album aufzunehmen und ein Label zu Gründen, um das Album auch effektiv zu veröffentlichen und vermarkten. Dieses allgemeine Wachstum in Kombination mit der Unüberschaubarkeit führt dann zur Gründung von neuen Magazinen - bevorzugt Online-Magazine - in welchen dann Reviews veröffentlicht werden, die genannte Bands oftmals ohne jegliche Kritik ab der ersten Note in den Himmel und noch weiter loben.

Der genannte Hype wäre an und für sich gar nicht mal so schlimm, da normal, wäre da nicht die meist sehr durchschnittliche Qualität der Veröffentlichungen. Hier bewahrheitet sich die Theorie von exponentiell sinkender Qualität bei steigender Quantität in vollstem Masse. Doch was braucht es, um seine eigene Folk/Viking/Pagan-Metal-Band auf die Beine zu stellen? Nun, zuerst einmal einen Namen. Hierbei greifen viele Bands auf die Edda und die nordische Götterwelt zurück. Ist ein Name ausgesucht worden, beginnt die Suche nach einem geeigneten und für eine Metal-Band typischen Logo, das hierbei entweder stark mit Runen verziert wurde oder gar gänzlich aus jenen besteht. Es wird allerdings genauso gerne auf Frakturschrift zurückgegriffen. Beides vermutlich mit dem Hintergedanken, etwas Altertümliches und vor allem Traditionelles zu suggerieren. Immerhin ist eines der zentralen Themen dieses Genres das Mittelalter bzw. die Sagen und Geschichten aus jener und der vorchristlichen Zeit. Dies führt einen weiter zum lyrischen Konzept. Wie gesagt, werden meist Thematiken aus vergangenen Zeiten behandelt. So sehr ich das auch gerne kritisieren würde, ich käme mir, wäre ich in einer solchen Band, reichlich blöd vor, vom Nahostkonflikt zu singen, oder wie sehr unsere Städte immer stärker verkommen bzw. der Mensch sich seiner Verantwortung immer weniger bewusst ist. Es erfüllt irgendwo das Klischee der blinden Verherrlichung der Natur und der alten Werte und Götter und dieses hat sich unlöschbar in die Köpfe der Metal-Fans eingebrannt. Ob das gut ist, soll jeder für sich entscheiden. Ich persönlich kann auch ohne die vertonte Meinung über George W. Bush leben.

Um jetzt aber nicht noch länger darauf herumzureiten geht es wieder zurück zum lyrischen Konzept: Falls man nicht gerade englische Texte vortragen möchte, so tut man dies meist in der eigenen Landessprache. Das ist auch gut so, denn die wenigsten werden ihre eigene Sprache so gut beherrschen, dass sie sich berechtigt fühlen dürften, die Ohren anderer in einer fremden Sprache zu penetrieren. Doch genau das tun gerade viele Bands. Viele Bands, die in ihrer Muttersprache teilweise vor Pathos triefende und noch dazu grammatikalisch oftmals fragwürdige Ergüsse niederschreiben. Sie besitzen zwangsläufig mindestens einen studierten Skandinavisten, der zwei bis drei Texte, wahlweise in schwedisch, norwegisch, dänisch oder isländisch, pro Album beisteuert.

Nachdem das abgekanzelt ist, folgt die Musik. Die durchschnittliche Folk/Viking/Pagan-Band bedient sich einer breiten Instrumentierung. So findet man neben dem typischen Grundgerüst praktisch immer folkloristische Instrumente, oftmals nur im Heimatland der jeweiligen Band bekannt. Und falls sich mal niemand findet, der ebenjenes Instrument beherrscht, wird es kurzerhand mit der Wunderwaffe Synthesizer imitiert. Nicht, dass ich etwas gegen Synthesizer hätte, aber übermässiger bzw. unsachgemässer Gebrauch führt meist ohne Umwege zum Kitsch. Wenn man dann mal seine meist sechs bis neun Mann/Frau starke Truppe zusammen hat, fängt man an Lieder zu schreiben. Ich weiss nicht, ob es ein allwissendes „Handbuch der Komposition“ gibt, in welchem aufgeführt ist, wie man an welches Genre herangehen muss, aber bin ich der einzige, der sich irgendwie verarscht vorkommt, wenn er stets die selben überfröhlichen Melodien in einem Tempo, das einem fast schon Herzkammerflimmern bereitet, um die Ohren gehauen bekommt? Oder dass bei jeder Gelegenheit noch ein schwülstiger Chor eingestreut wird? Falls dann einmal auf ein Tempo von >250 bpm verzichtet wird, muss daraus selbstverständlich eine Ballade werden, die nicht minder kitschig als die Raserei ist.

Mit ein Grund für dieses Empfinden ist die brillierende Produktion dieser Tonträger. Man möge mich hier nicht falsch verstehen, ich bin alles andere als ein Purist, aber ich fühle mich, wenn ich mir ein solches Album anhöre, offen gesagt erschlagen von der Produktion. Es wird so sehr darauf geachtet, jede noch so kleine und unwichtige Note gleichermassen in den Vordergrund zu rücken, dass gar kein Hintergrund mehr bleibt. Und weil alle Instrumente ja so wichtig sind, um aktiv gehört zu werden, statt „nur“ der klanglichen Untermalung zu dienen, verkommt eine glasklare Produktion zu einem Soundsumpf. Mich reizt eine solche Produktion nur unnötig, es ist so, als hätte man übermässig viel Energie in seinem Körper und könnte sie ums Verrecken nicht loswerden bzw. abbauen. Dies in Kombination mit dem geradezu absurden Tempo führt dazu, dass mir jegliche Lust auf ein neues Folk/Viking/Pagan-Album vergeht, sobald nur das geringste Anzeichen für eine solche Klischee-Band ins Auge sticht.

Wenn es die Band dann bis hierher schon mal geschafft hat, muss natürlich ein adäquates visuelles Äquivalent her, sprich alle müssen sich mit Fellen, Schwertern, Schilden, Kettenhemden, etc. behängen, sich die Gesichter anmalen und ein paar mal böse in die Kamera schauen, während man in einem Wald posiert. Schliesslich würde sich keine Band den Spass einer Kostümparty nehmen lassen und man will die Illusion aufrechterhalten, dass die dargebotene Musik tatsächlich etwas mit mittelalterlicher Klangeskunst zu tun hätte.

Als krönender Abschluss fehlt nur noch die Öffentlichkeitsarbeit in Form von Interviews. Da es mittlerweile so viele Bands gibt, ist es für einen Interviewer umso schwerer, interessante und neue Fragen für gleich klingende Bands zu finden. Des Öfteren liest man dann auch die Frage nach der Haltung zum hier beschriebenen Hype. Viele dieser jungen Bands entgegnen dieser Entwicklung mit Sympathie, wohl auch nur aus dem Grund heraus, dass man es selbst ohne den Hype nie so „weit“ geschafft hätte. Aber ebenso gibt es sehr alte Bands, die diesen Trend weiterhin unterstützen.

Vermutlich werden sich jetzt manche denken, ich sei ein genereller Gegner dieses Sektors. Dem ist mitnichten so. Ich versuche nur, einen kritischen Blick auf diese Entwicklung zu werfen. In meinen Augen ist ein Sättigungsgrad erreicht worden, der den Zenit dieser Entwicklung darstellt. Folk/Viking/Pagan-Metal ist an der Spitze angelangt und hat einige wahrhaft grandiose Bands hervorgebracht, von denen man noch in zehn Jahren hören wird, aber das Allermeiste wird irgendwann vergessen sein und was dann übrig bleibt, sind ein paar silberne Scheiben mit Durchschnittsware.

Gerade dieses Beispiel zeigt für mich persönlich auch, dass sich Metal im Grunde genommen überhaupt nicht von der restlichen Musikindustrie unterscheidet. Metal mag zwar keine Mainstreammusik sein, aber innerhalb des Metal gibt es auch einen Mainstream und der wird heutzutage von der Folk/Viking/Pagan-Bewegung dominiert, abgesehen von den vielen Metalcore-Bands. Wie auch in der Populärmusik wird hier alles ausgeschlachtet. Es gibt praktisch jedes Utensil für den jungen Odin-Fanatiker, von klitzekleinen Thorshämmerchen bis hin zu riesigen Trinkhörnern und mehr oder weniger realistischen mittelalterlichen Waffen. Bands werden am laufenden Band ins Rampenlicht gezerrt und als „der neue Hit“ beworben. Hinzu kommen die vielen kleinen Festivals, die sich nur auf diese Musik konzentrieren.

Ich selbst bin auf die Zukunft dieser Entwicklung gespannt. Ich bin definitiv der Überzeugung, dass der Zenit erreicht ist und wer sich vor dem regelrechten Tsunami an Bands und Labels retten konnte, der kann sich glücklich schätzen. Von nun an sollte das Ganze wieder abebben und hoffentlich bleibt danach der geringe Prozentsatz an wirklich guten Bands für den Post-Folk/Viking/Pagan-Metal erhalten.


Gespeichert unter: Meinung — veritas in omnes, 20:44:47 Kommentar schreiben


21.09.07

Skandalös: Konzertverbote aus zwielichtigen Gründen

Innert Kürze wurden nun in der Schweiz ein Konzert und ein Festival im Extremen Metal-Bereich auf Grund von Gemeinderatsentscheidungen abgesagt. Bei beiden zeichnete sich ein ähnliches Muster ab:

Das Organisationskomitee des Meh-Suff Festivals, welches vom 7. bis 9. September 2007 stattfinden sollte, wurde von der Gemeinde Möriken im Aargau für die Veranstaltung unterstützt. Die Gemeinde stand hinter der Idee. Erst kurz vor dem eigentlichen Anlass wurde ein Fahrverbot, welches die Gemeinde nicht aufheben wollte, als Vorwand eingeschoben, dass das Festival nun doch nicht stattfinden konnte. Davor wurden dem Festival mit zwielichtigen Gründen in Form des Waldgesetzes Steine in den Weg gelegt. Der eigentliche Grund war allerdings, dass sich der feige Gemeinderat von einer Petition und einem stümperhaften Beitrag in der Aargauer Zeitung einschüchtern liess und die Meinung gegenüber dem Festival radikal änderte. Es ist absolut skandalös, dass sich ein Gemeinderat innert Kürze so umstimmen lässt und den mit vollem Herzblut engagierten Organisatoren und der gesamten Schweizer Metalszene einen Schaden hinterlässt.

Ein ähnliches Bild, allerdings noch etwas verschärfter, zeigte sich vor kurzem in Langnau beim Konzert von Horna, Vorkreist, Black Lodge und Totenwinter, welches am 25.09.2007 stattfinden sollte. Nachdem bei der Gemeinde verschiedene unterschwellige Drohungen der Art „sollen Horna am nächsten Dienstag in der Kupferschmiede auftreten, muss mit Aktionen von der Gegenseite gerechnet werden„ eingegangen waren, verkündete sie, nicht für die öffentliche Sicherheit garantieren zu können. Darauf hin musste das Konzert abgesagt werden. Die gleichen Verantwortlichen hatten wohlverstanden kurz davor der Veranstaltung noch zugestimmt. Wiederum ist die Falschheit von Politikern Anlass nicht nur für den finanziellen Schaden, sondern insbesondere einen Stich ins Herz derjenigen, die sich mit vollem Engagement für die Schweizer Metalszene einsetzen und diejenigen, die sich ein gutes Konzert gönnen wollten. Es darf ganz einfach nicht sein, dass ein Konzert auf Grund von Drohungen und falschen Anschuldigungen abgesagt werden muss und dabei eine ganze Szene verarscht wird.

Noch weniger kann es sein, dass sich danach ein Teil der Death Metal Szene gegen einen Teil der Black Metal Szene und umgekehrt äussert. Die Problematik der Konzertabsagen geht weit über Szeneschubladen, geschweige denn politische Ansichten hinaus. Denn dass Konzerte mit rechtsradikalen Bands nicht von der Metalszene geduldet werden können, darüber sind sich beide Seiten einig, ohne dass man sich das gegenseitig eingestehen würde. Gleiches gilt darüber, dass Politik nichts im Metal verloren hat. Viele Anschuldigungen einiger Rädelsführer der beiden Szenen gegeneinander beruhen auf Vorurteilen und Halbwahrheiten. Wenn man sich zusammensetzen würde und die gesamte Sache ausführlich zur Diskussion bringen würde, käme man wohl zum Schluss, dass man im selben Boot sitzt. Dies bedingt jedoch, dass beide Seiten den Mut haben, von Feindbildern abzulassen und sich zusammenzusetzen. Es geht hier nicht um Rassismus im Black Metal, sondern darum, dass das der Metaller massiv in seinem Recht, Konzerte zu veranstalten, beschnitten wird. Wenn die Entwicklung so weiter geht, wird es bald schwierig, irgendwo noch ein irgendein Metalkonzert – egal welcher Metalrichtung – zu veranstalten. So weit darf es nicht kommen!

Deshalb gilt es meiner Meinung nach, in folgende Richtungen zu arbeiten:

Primär gilt es, den Dialog zwischen Death Metal und Black Metal zu fördern, damit beide Seiten einsehen, dass sie vor derselben Problematik stehen. Zweitens soll nicht unnötig Anlass dazu gegeben werden, dass eine der beiden Szenen in eine politische Richtung gedrängt wird.

Das bedeutet

  • Für Black Metaller: Die Einsicht, dass Feindbilder (wie dasjenige der Metalheads Against Racism) die Problematik nicht verbessern, sowie den Mut zum Dialog. Darüber hinaus ist Zivilcourage von jedem einzelnen gefordert: Keiner, der Metal für politische Zwecke missbrauchen will, soll sich in der Szene und an Konzerten wohl fühlen. Sowie: Keine Provokation mit eindeutig rechtsradikaler Symbolik.
  • Für Death Metaller: Die Einsicht, dass Black Metal in erster Linie Misanthropie bedeutet und in seinem Ursprung nichts mit Nationalsozialismus zu tun hat und dass der massiv überwiegende Teil der Black Metal-Anhänger von Nationalsozialismus überhaupt nichts hält. Zudem braucht es den Mut zum Dialog.
  • Für Veranstalter: Konsequenter Verzicht auf politisch links- und rechtsradikale Bands, damit kein Anlass für Spekulationen und Drohungen entsteht. Dazu eine weiterhin klare Positionierung gegenüber Politik im Metal.
  • Für uns als online Magazin aus gleichem Grund: keine Rezensionen und damit Förderung von Bands, die ihre Musik für politische Zwecke missbrauchen.

Gespeichert unter: Meinung — Morgenstern, 16:34:45 Kommentar schreiben


04.01.07

Zeigt her eure Shirts

In letzter Zeit ist mir auf Konzerten und auch auf Metalparties folgender Trend immer stärker aufgefallen: Shirtkontrollen, die bis zur Lächerlichkeit ausgeweitet werden. Es ist unbestritten, dass es angebracht ist Besuchern mit Shirts, die Symbole von verfassungsfeindlichen Organisationen abbilden, den Zutritt zu verwehren. Nicht zuletzt weil dadurch rein objektiv ein Straftatbestand erfüllt wird. Aber was darüber hinaus mittlerweile gängige Praxis ist, lässt einem schon mehr als nur kopfschüttelnd zurück. Neben den gängigen Shirts von Burzum oder Graveland gab es schon Fälle, in denen die Türen für Träger von Immortals „pure holocaust“-Shirt oder Slayers „Slaytanic Wehrmacht“-Leibchen verschlossen blieben.
Sofern das jemandem bei Veranstaltungsorten von nichtmetallischen Anlässen passieren würde, könnte man das noch mit der Unkenntnis im Bezug auf die Materie Extrem Metal erklären. Aber ich beziehe mich hier auf Metalveranstaltungen. Ist schon merkwürdig wenn man sich zum Teil halb entkleiden muss bevor man in einen Konzertsaal darf.
Und als ob das noch nicht genug wäre, wird zum Teil auf den entsprechenden Homepages der Veranstalter dazu aufgefordert, Besucher mit entsprechenden Shirts, die der Security entgangen sind, zu melden. Spätestens da fragt man sich, wo das noch hinführen soll.
Was bleibt letztlich von dem ganzen Aufwand, wenn sich politische Quertreiber unauffällig kleiden und trotzdem vor Ort unterwegs sind? Nicht zuletzt hofft man doch durch Shirtkontrollen solche Personen fernzuhalten. Macht es denn einen Unterschied, ob ein Besucher mit NSBM- oder Manowar-Shirt gewalttätig wird oder den Hitlergruss zeigt?


Gespeichert unter: Meinung — Alexander, 20:07:02 Kommentar schreiben


03.01.07

Metaller in Hippieshirts?

Die Redaktion von Powermetal.de beweist dieser Tage, dass plakativer Aktionismus gänzlich in die Hosen gehen kann. Mit ihrer Initiative "Metaller gegen Hass und Gewalt!" wirft die Truppe zwar ein wichtiges Thema auf, versteht es aber leider genau so gut, das wichtige Thema ins Lächerliche zu ziehen. Damit wird die an sich gute Idee kontraproduktiv.

Mit dem Slogan trifft die Aktion genau in des Schwermetallers Herz. Ist es nicht gerade Hass und Gewalt, die wir in dieser Musik ausleben wollen? Gehört der Hass gegen das Christentum nicht genau so zum Schwarzstahl wie die Butter aufs Brot?
Powermetal meint damit zwar, dass physische Gewalt nicht toleriert werden soll, damit ist der Werbespruch jedoch eindeutig missverständlich gewählt und greift in seinem Wortsinn die Prinzipien des Extremmetalls vehement an. Mit einer Initiative gegen Hass verleugnen sie eines der Urgefühle des Menschen. Es entsteht gar der Eindruck, das Magazin wolle sich nur noch mit Schönmetallern abgeben.

Den Gipfel setzen die Gutmetaller durch das Logo. Ein Hippielogo auf einem Metallershirt ist ganz einfach läppisch und kann nur als Ironie interpretiert werden – die Kampagne verliert ihre Glaubwürdigkeit total. Ist der Metal nicht gerade entstanden, um den Schönrednern der 68er den Mund zu stopfen? Ganz klar: Das deutsche Magazin hat nicht verstanden, worum es im Metal geht. Warum nicht gleich: „Metaller gegen Musik!“ oder „Metaller gegen ihre ureigenen Prinzipien!“?


Gespeichert unter: Meinung — Morgenstern, 16:41:55 Kommentar schreiben


10.12.06

Indymedias blitzblanke Recherche

Wie gut die Recherche-Qualität von Indymedia ist, dürfte bisweilen die Runde gemacht haben: Indymedia verbreitet Ungenauigkeiten über Musikformationen bezüglich deren politischen Hintergrund. Dass sie jedoch dereints dreiste Komplettfalschheiten über Schwermetall verbreiten ist neu und auch der Grund meiner Erzürnung.

Es darf schlicht nicht sein, dass ein solches Organ mit Halbwahrheiten und Ganzfalschheiten um sich wirft und eine ganze Szene in den Dreck zieht, ohne sich im geringsten Gedanken darüber gemacht zu haben, was sie da überhaupt schreiben.

Die Position von Schwermetall gegenüber NSBM ist mehr als nur einmal dargelegt worden und dass wir hier keine NSBM-Bands rezensieren spricht für sich.

Deshalb fordere ich hiermit Indymedia öffentlich heraus, die Unwahrheiten zu korrigieren, um weiteren Schritten aus dem Weg zu gehen.


Gespeichert unter: Meinung — Morgenstern, 21:30:57 Kommentar schreiben


09.10.06

Eine Szene - Eine Meinung?

Was ist der Sinn der Metal-Szene? Was ist die Motivation ihrer Anhänger, was sind die Inhalte? Eine Szene kann man wohl getrost als eine Verbindung von Interessensgenossen bezeichnen, die Zusammenhalt gibt. Sie vereint alle Gleichgesinnten. Bei diesem Beispiel ist das nicht anders. Es scheint so, als wollten die Anhänger dieser Szene im Speziellen, vordergründig ihrer Abneigung gegen Trends und Gesellschaft Ausdruck verleihen. Sie wird oft auch als ein Lebensgefühl interpretiert. Als stärkstes Beispiel ziehe ich den Black Metal heran. Hier tritt der Aspekt der dadurch beeinflussten Lebensführung am deutlichsten hervor.

"No Mosh, No Trends, No Core, No Fun" – Diese, (soweit ich zu meinen glaube) von Burzum einst statuierte Verhaltensregel, oder wie auch immer man das nennen mag, scheint in manchen Dingen zwar überholt, aber dass diese Prinzipien verkörpert wurden und teilweise auch noch werden, steht ausser Frage. Es zeigt den verneinenden Charakter dieser Musikrichtung. Wobei es allerdings auch noch um einiges extremer geht. So verfluchen beispielsweise die Selbstmord-Propagandisten von Forgotten Tomb das Leben an sich, jeden Tag und jede Tätigkeit in der heutigen Welt, der heutigen Gesellschaft. Dieses Beispiel soll stellvertretend für die vielen anderen Vertreter dieser Meinung stehen. Alle reden sich darüber den Mund wund und geben dabei auch öfter einige kontroverse Stellungnahmen ab. Hierbei handelt es sich eigentlich immer um rebellische Äusserungen, die gezielt in die entgegengesetzte Richtung der normalerweise zu erwartenden Aussage geht. Rebellion ist ein Bestandteil im Denken der Szene, der allerdings meiner Meinung nach von vielen Menschen falsch, im Sinne von zu extrem, interpretiert wird.

Man will sich gegen Grundsätze der Gesellschaft stellen? Es gibt einfach Dinge, an die man sich halten muss und genau das ist auch der Punkt. Rebellion hin und Aussenseiterrolle her. Man ist ein Teil der Gesellschaft, bleibt auch durch Distanzierung von einigen seiner Inhalte ein Teil dessen. Genau das verstehen viele Menschen nicht. Warum also üben sich diese ganzen Querdenker in zumindest geistiger Divergenz zum Gesellschafts-System? Ich finde es ziemlich peinlich, solche Menschen so reden zu hören und genau zu wissen, dass es nur leere Worte sind.

Was auch von einigen findigen Denkern als Motivation ihrer Meinung herangezogen wird, ist das mittlerweile schon mehr als banale Thema der Kommerzialisierung. Jeder weiss wovon ich spreche, deshalb werde ich nicht viel weiter darauf eingehen. Denkt man jedenfalls so, dann dürfte niemand dieser Personen mehr ein Handy besitzen, einen Computer, so etwas Simples wie einen Kugelschreiber. Mag überspitzt klingen, zeigt aber wie lächerlich solche Vorwürfe sind. Da mag so manch einer zwar behaupten, dass man so bestimmte Dinge der grossen Masse entgegenbringt, die eigentlich das "Anders-Denken" zu dieser ausdrücken sollte und deshalb nichts mit den genannten Beispielen gemein hat. Aber Kommerzgesellschaft hin oder her, eigentlich ist jeder, der nicht die Flucht in eine selbstgebaute Hütte im tiefsten aller Wälder ergreift und dort ohne Strom, Fernsehen, ohne Fortschritt auskommt und nicht seine puristische, beziehungsweise asketische Ader auslebt, ein Teil dessen. Da sich jedenfalls niemand von ihnen daran hält, untergraben ziemlich viele Menschen ihre eigenen "Grundsätze".

Ich sehe solche Personen und kann mich über ihre geistige Überzeugung und die Interpretation ihrer Grundsätze nur wundern. Ich stelle fest, dass die Meinigen komplett andere sind. Ich sitze nun also da, scheinbar ein Mitglied der Szene, aber dennoch fühle ich mich komplett fremd und kann eigentlich nur eine grosse geistige Trennlinie zwischen ihnen und mir ziehen. Es ist irgendwie grotesk, aber das Bild, das sie verkörpern dürfte ein Typisches sein. In einer Szene geht es um Zusammenhalt und Identifikation. Doch wirklich identifizieren kann ich mich mit diesen Menschen nicht. Nur scheinbar gibt es Gemeinsamkeiten, nämlich die Musik. Doch der Rest ist komplett verschieden. Vielleicht habe ich einfach nur solche Menschen bisher getroffen, die ziemlich naiv und nicht gerade die schlausten waren, oder einfach Idioten - davon allerdings ziemlich viele. Vielleicht erklärt das auch meine manische Phobie vor der Bezeichnung "Metaller", die mich einfach nur anwidert. Wenn man das nun allerdings als Sinnbild für die Szene sieht, dann kann ich für meinen Teil nur sagen, dass ich mich dort verdammt unwohl fühle.

Diskussionen (oder sonstiger Meinungsaustausch) sind erwünscht.


Gespeichert unter: Meinung — Nekrop, 16:43:20 Kommentar schreiben


03.06.06

Mich kotzt es an!

Natürlich kann sich keiner unter dem Titel etwas vorstellen, aber so ist es nun einmal.

Und was kotzt mich an?

Mich kotzt die Entwicklung der Live-Musik DVD´s an. Im letzten Legacy stand bei der Kritik zu einer DVD, dass diese sehr professionell gemacht wurde, weil sehr viele Kamera´s verwendet wurden und keine Einstellung länger als drei Sekunden zu sehen ist?

Was soll denn daran professionell sein?!

Dabei sind drei Sekunden eigentlich sehr lange. Die neue Motörhead DVD konnte ich mir nicht sehr lange ansehen und die neue Iron Maiden sah ich mir gestern an. Dabei kann man bei keiner Kameraeinstellung 21 sagen, sprich, keine Einstellung ist eine Sekunde lang zu sehen.

Das tut nicht nur in den Augen und im Kopf weh, nein man sieht eigentlich gar nichts mehr. Während Bruce Dickinson ein langgezogenes Wort reinschreit sieht man ihn aus fünf verschiedenen Perspektiven und dazwischen noch jeden der vier Saitenbearbeiter mindestens ein mal.

Früher konnte man ein Gitarrensolo fast zur Hälft aus einer einzigen Einstellung sehen und somit auch versuchen es nachzuspielen. Heute sieht man nichts mehr. Die spielen ihre Solos mit mehr Anschlägen in der Sekunde als in Afghanistan in einem Jahr stattfinden und man sieht nur einen einzelnen davon.

Aber zum Glück gibt es ja auf der Rückseite die Warnung für Epileptiker:

"WARNING: The Live concert footage contained within this DVD contains prolonged periods of fast flashing imagery and light patterns which may cause a small percentage of people who suffer with Epilepsy to have seizures. If you have a history of Epilepsy you should consult your physician prior to viewing."

Was haltet ihr von der ganzen Sache? Sollte man die Leute darauf hinweisen? In dem Fall von Maiden wäre das Steve Harris selbst, der da scheinbar die Fäden in der Hand hielt.

Oder findet iht das auch professionell und es gefällt euch sogar?


Gespeichert unter: Meinung — Tom, 11:52:35 Kommentar schreiben


25.02.06

Früher war alles besser !?

"Früher war alles besser." Diese - meist mit wehmütiger und gleichzeitig auch schwelgender Gefühlswelt verbundene - resignierende Feststellung haben wohl schon viele gehört. Auch in der Szene soll es so gewesen sein. Aber bitte was ist damit eigentlich gemeint? Immerhin bin ich zumindest nicht in der Dekade aufgewachsen, in der alles angefangen hat und kann mit dieser Aussage, respektive der "alten Zeit" herzlich wenig anfangen.

Ich habe mir vom "Alten Eisen" allerdings sagen lassen, dass früher der Zusammenhalt viel grösser gewesen sein soll. Das höre ich dabei aber nicht zum ersten Mal. Auch das Alter soll damals keine Rolle gespielt haben. Wer solche Art von Musik hörte, wurde vollkommen akzeptiert und nicht aufgrund seines Alters abschätzig betrachtet bzw. nicht für voll genommen. Ich habe mir dabei schon oft Gedanken darüber gemacht, was früher anders war als heute, dass man sich damals so verbunden miteinander fühlte. Ich kann allerdings nur spekulieren. Ich weiss, wie es heutzutage ist. Oft nicht sehr positiv, wie ich zugeben muss. Ein gewisses Spannungsverhältnis zwischen Jung und Alt, bzw. einzelnen Subkulturen kann man nicht von der Hand weisen.

Aber um dieses "früher" einmal zeitlich einzuordnen, würde ich es auf die 80er beziehen. Damals, so weiss jedes Kind, war die Blütezeit des Trashs und solche musikalischen Extremsparten wie der Death Metal, Black Metal oder Grindcore hatten sich noch nicht entwickelt. Dies dürfte wohl auch der Hauptgrund für diese eher negative Entwicklung der Szene sein. Damals waren schliesslich nur der Trash und Heavy Metal wirklich präsent und solche Legenden wie Iron Maiden, Slayer und Metallica legten die Grundsteine für ihre späteren Karrieren und deren Status. Damit sollten dann wohl auch dieselben gemeinsamen Ideale die Essenz und Einheit in Einvernehmlichkeit mit dem Zusammenhalt dieser Szene(n) gebildet haben.

Denn mit der Zeit, eher zum Ende der 80er, Anfang der 90er hin, tauchten auch erstmals Death Metal und Black Metal Bands auf. Dadurch entwickelten sich andere Subkulturen mit eigenen - und vor allen Dingen anderen - musikalischen und zum Teil auch kleidungstechnischen Idealen. Aus diesen Subkulturen spalteten sich dann wiederum andere Subgenres ab, die sich dann ebenfalls in ihren Idealen unterscheiden konnten. Wenn dann eine Szene bestimmte Ideale hatte, die das Gegenteil zu denen eines anderen Subgenres darstellten, war wohl irgendwie vorauszusehen, dass sich zwischen diesen beiden Szenen kein Zusammenhalt formte, weil jede andere Ansichten zu denselben Dingen hatte und verschiedene Interessen vertrat und noch vertritt. Bis heute hat sich das natürlich nicht geändert, sondern nur einen grösseren Keil zwischen die einzelnen Szenen getrieben.

Das Vermischen verschiedenster Musikstile setzt sich dabei auch munter fort. Aktuelles Beispiel: Der Metalcore. Weder Metal noch Hardcore, aber trotzdem ein Hybrid aus beidem. Klar, dass sich die Anhänger weniger im Metal und Hardcore, als vielmehr aus einer eigenen Subkultur heraus bilden und finden lassen. Wiederum auch mit eigenen musikalischen und alternativen Kleidungsidealen. Da die heutige Szene durchaus von Intoleranz geprägt ist, stösst Metalcore oft auf grosse Ablehnung. Das selbe gilt auch für einige andere Genres.

Aber letztendlich bleibt das sowieso nur eine Vermutung bzw. Überlegung, die ich einfach einmal festhalten wollte. Denn ich habe mich schon oft gefragt, was wäre wenn ich die alten Zeiten hätte miterleben dürfen. Ehrlich gesagt kann ich zwar damit leben, aber wäre trotzdem nicht abgeneigt, einmal auf ein Konzert gehen zu können ohne mit abschätzigen Blicken älterer Beiwohner dieser Gigs schief von der Seite betrachtet zu werden, weil ich offensichtlich zu den jüngsten zähle. Aber nicht nur das, sondern auch die Verfeindung zwischen verschiedenen Szenen kotzt mich einfach an. Vielleicht war es mal besser, aber es wird mit Sicherheit nicht mehr so werden.


Gespeichert unter: Meinung — Nekrop, 18:37:40 Kommentar schreiben


04.01.06

Kultstätte für Punk, Hardcore und Hip-Hop

Die Remise in Wil existiert seit 15 Jahren. Anlässlich dem Jubiläum war in der Thurgauer Zeitung ein Artikel unter dem Titel "Kultstätte für Punk, Hardcore und Hip-Hop" abgedruckt. (Nachlesen unter www.thurgauerzeitung.ch) Ich mag auf den Artikel gar nicht genauer eingehen, dennoch schweben mir einige grosses Fragezeichen durch den Kopf. Gab es in diesen 15 Jahren nicht auch eine beträchtliche Menge an Metal Konzerten? Hat man all die kultigen Auftritte von Amon Amarth, Benediction, Bolt Thrower, Cannibal Corpse, Carpathian Forest, Catastrophic, Cryptopsy, Die Apokalyptischen Reiter, Dimmu Borgir, Eyehategod, Hateplow, Immolation, Katalysm, Katatonia, Krisiun, Malevolent Creation, Mercyful Fate, Napalm Death, Nevermore, Opeth, Overkill, Purification, Satyricon, Schweisser, The Haunted, Vader, Virgin Steele, Zao usw. vergessen? Warum wird Metal ignoriert? Wurden die Haare zu wenig geschüttelt? Lag es am zu geringen Publikumsaufmarsch? War die Musik zu leise? Ich weiss es nicht...

"Auch 2006 wird es wieder Punk-, Hardcore- und Hip-Hop-Highlights bei uns geben." Steht weiterhin geschrieben. Kein Metal? Bedeutet dies, nachdem das C4 nach wenigen Monaten wieder seine Tore geschlossen hat das endgültige Aus für Metalkonzerte in der Ostschweiz? Noch nicht ganz, denn bereits am Freitag, 20. Januar 2006 findet eine Death-Metal-Night statt. Bolt Thrower, Malevolent Creation, Nightrage & Necrophagist werden an diesem Freitag die Bühne entern und sich die Finger wundspielen. Des weitern findet Samstag, 18. Februar 2006 ein erstklassiges Black Metal Konzert statt. Unter dem Banner von "Death to Peace 2" werden Nocte Obducta, Lunar Aurora, Darkspace & Forest of Fog die Remise in ihren Bann ziehen!

Es besteht noch Hoffung für die Ostschweiz! Jeder, der einer dieser Bands etwas abgewinnen kann soll seinen verdammten Finger aus Arsch nehmen und sich an diesen beiden Daten in die Remise begeben! Wir wollen doch nicht immer den weiten Weg ins Z7 in Kauf nehmen, nur um wieder einmal anständig unsere Matte zu schwingen!


Gespeichert unter: Meinung — Zimmer, 16:39:19 Kommentar schreiben


31.12.05

Was Trueness und Höflichkeit gemeinsam haben.

Nunja, Trueness und Höflichkeit. Was soll denn das für ein paradoxer Vergleich sein? Eigentlich ist dieser Vergleich gar nicht so abwegig. Würde man Arthur Schopenhauer fragen, so würde er antworten: "Die Höflichkeit ist lediglich eine grinsende Maske" (Auszug aus "Von der Höflichkeit"). Wenn ich noch einen Schritt weiter gehen würde und ihn zur Trueness befragte, wäre eine solche Antwort vorprogrammiert: "Die Trueness ist das Gegenteil zur Höflichkeit, eine hämische Maske". Aber warum Maske? Ganz einfach. Jeder hat eine Fassade hinter der er sich verstecken kann. Eine Maske gibt Sicherheit. Eine Maske ist nicht du selbst. Eine Maske ist eine unechte Schutzvorrichtung. Man kann damit vorgeben etwas zu sein, was man nicht ist. Es wird damit immer versucht, Komplexe zu kompensieren. Eine innerlich unsichere Geschäftsfrau versteckt sich z.B. hinter einer Maske besonders toughen Auftretens, um ihre Unsicherheit zu überspielen. Mamas weicher und verwöhnter Liebling möchte bei seinen Freunden gut ankommen und flüchtet sich so hinter ein "pseudo-hartes Gangster Image". Jetzt könnte man spekulieren und sagen, dass ein Mensch, der zu wenig geliebt wurde sich später in die Trueness verliert um mit einer bösen "Fuck You" Attitüde zum Ausdruck zu bringen, dass man niemanden braucht und alleine gut zurecht kommt. Die Maske der Trueness erhält durch das ganz besonders im "True" Black Metal verwendete Corpsepaint jedoch eine regelrechte Verbildlichung. Doch meiner Meinung nach liegt das "True" Image vor allem an der vorherrschenden Inakzeptanz der Gesellschaft, welche kein Verständnis für eine solche Musikrichtung aufbringt und so verurteilt. Im Endeffekt jedoch hat jede Szene etwas, einen Grundsatz oder Ähnliches, woran sie sich verzweifelt festklammert. Fakt ist allerdings, das eine Person "unmaskiert" nicht mehr viel mit deren jeweiligen subkulturellen Lifestyle verbindet.


Gespeichert unter: Meinung — Nekrop, 15:50:09 Kommentar schreiben


22.12.05

Von Kommerzialisierung und verlorenen Idealen

Der Kommerz. Ein recht leidiges Thema, wie ich finde, welches sich wie ein roter Faden durch die gesamte Gesellschaft zieht. Kommerz? Was ist das überhaupt? Als "Kommerz" werden solche Unternehmungen bezeichnet, deren eigentliches Ziel es ist, wirtschaftlich möglichst gewinnbringend zu sein. In diesem Zusammenhang wird auch oft der Begriff "Mainstream" verwendet, der Hand in Hand mit dem "Kommerz" geht. Kommerziell ausgerichtete Dinge sind dem Konsumverhalten der anzusprechenden Zielgruppe angepasst und verkörpern deren Ideale, welche zum Kauf anregen sollen. Beispiele dafür gibt es Tausende. Gerade im Moment spricht man wieder vom "Weihnachtlichen Kommerzgeschäft". Aber das ist ein anderer Aspekt. Hier soll es vielmehr um den so genannten "Ausverkauf" im Bereich des Heavy Metal gehen.

Man sollte meinen, dass gerade solche extremen Musikstile wie eben der Heavy Metal und dessen weit extremere Subgenres kein sehr grosses kommerzielles Potenzial aufweisen. Doch gerade in der Metalszene wird man, in welcher Form auch immer, mehr als nur einmal mit diesem Thema konfrontiert werden.

Fragt man den Anhänger einer bestimmten Subkultur des Metals, sagen wir einfach mal einen überzeugten Black Metaller, so wird dieser wohl zum Beispiel dem Metalcore gegenüber seine Missbilligung schonungslos zum Ausdruck bringen. Probiert es doch einfach mal als kleine Hausaufgabe aus und sucht euch den nächsten "True" Black Metaller aus eurem Bekanntenkreis und befragt ihn zum Metalcore. Das Wort "Kommerz" wird mit Sicherheit mehr als einmal fallen. Gleiches würde wohl auch für einen Death Metaller gelten, den ihr zum Thema "New Metal" ausfragt. Beide werden ihre negative Einstellung dem jeweils genannten Genre zum Besten geben.

Was ich damit sagen möchte ist, dass der "Kommerz" nur von Vertretern einer bestimmten Subkultur, als negatives Charakterindiz einer anderen Subkultur gegenüber angesehen wird.
Ein "Black Metaller" würde den für ihn einzig "wahren" Black Metal nie als "Kommerz" bezeichnen. Jemand der zum Beispiel ein Fan von "Darkthrone" ist, wird folgerichtig diese Band nie als eben solchen titulieren. Dagegen könnte ein Anhänger des Death Metals schon wieder anders über eben jene Band denken.

Doch wenn die Bezeichnung "Kommerz" nur so einseitig verwendet wird, muss man sich fragen: "Gibt es Kommerz überhaupt, oder ist das einfach nur eine abwertende Erfindung?"

Keine Frage, den Kommerz gibt es, auf jeden Fall. Man muss ihn nur definieren. Teil der Kommerzgesellschaft ist im Grunde jede Band, welche ihre Musik der breiten Masse zum Verkauf bereit stellt. Manche mehr, manche weniger. So fiel mein Blick vor kurzem auf eine Werbeanzeige des Labels "Season Of Mist". Eine hübsch und ansprechend aufgemachte Anzeige, auf der ein liebevoll mit Blut verschmiertes Gesicht prangerte, dessen Stirn ein invertiertes Kreuz zierte. Ja, Nattefrost, dem Bekämpfer alles Guten und Schönen gehörte dieses grausame Gesicht. Dem Bild war dieser wahrhaft kämpferische Text hinzugefügt: "Nattefrost kehrt zu seiner teuflischen, erstklassigen Form zurück um den Mainstream mit seinem neuesten Werk zu terrorisieren!" Beim Lesen dieser Zeilen frage ich mich immer wieder, wie dämlich man sein muss, einen solch stupiden Text zu fabrizieren. Eigentlich ein Widerspruch in sich selbst. Eine ansprechende Anzeige, die ohne Zweifel dem bereits definierten Kommerz angehört, wird mit einem solchen Text unterlegt. Sie ist dazu da, aufmerksam auf diese angepriesene Platte zu machen, um davon möglichst viele Exemplare zu verkaufen. Wie bereits erwähnt, geht der Mainstream mit dem Kommerz Hand in Hand. Der Mainstream steht für die Mehrheit der Zielgruppe. Der Kommerz ist dazu angelegt, die Mehrheit, also den Mainstream anzusprechen. Diese Anzeige ist dazu da, die Mehrheit der Black Metal-Fans anzusprechen, im Grunde genommen den Mainstream des Black Metals. Was also möchte Herr Nattefrost bekämpfen? Möchte er sich selbst ins Bekanntheitsabseits schiessen?

Aber für diesen Slogan ist eindeutig die Plattenfirma "Seasons Of Mist" zu belangen. Oft genug sind es die Labels der einzelnen Bands dafür verantwortlich, wenn "Ausverkauf" mit deren Namen betrieben wird. Seit der Metalcore Welle zum Beispiel gibt es alles an Merchandise, was die Welt zu bieten hat. Besonders unverschämt finde ich es besonders dann, wenn in so einem Falle wie bei Caliban, eine Band eines Tages ohne ihr Wissen im Schaufenster eines Schuhladens plötzlich "The Original Caliban Shoes" betrachten darf. Eindeutig kommerzielles Handeln seitens der Plattenfirma. Ein anderes Beispiel ist Nightwish. Ihnen gelang erst mit dem Wechsel zu ihrem neuen Label Nuclear Blast der endgültige Durchbruch. Ausgerechnet dann taucht ohne Wissen der Band eine Best Of Collection auf deren alten Label Drakkar auf. Natürlich war der Fan wieder mal der leidtragende, denn er bekam lediglich eine halbgare Collection alter Nightwish Songs, welche sich lediglich auf Drakkar Releases der Bands bezog.

Worauf Bands meistens ebenfalls keinen Einfluss haben, ist die Etikettierung ihres Stils. Am besten nenne ich ein aktuelles Beispiel: Hurtlocker, deren Label Napalm Records sie als Metalcore Formation bezeichnet. Doch Hurtlocker als Metalcore zu bezeichnen ist mehr als oberflächlich, denn diese Band ist weit mehr, da sie auch Einflüsse aus dem Thrash- und Deathmetal, sowie einigen anderen Genres in sich vereint. Doch warum werden sie dann als Metalcore bezeichnet? Ganz einfach, dieser Stil ist im Moment am erfolgreichsten und verkauft sich am besten.
Man möchte sich mit dem Namen und Status anderer selbst bereichern.

Etwas anderes ist es mit Bands, die selbst für ihren Ausverkauf verantwortlich sind. Ein wohlbekanntes Beispiel ist Dimmu Borgir. So durfte man zu deren Anfangszeiten noch echten Black Metal mit richtigem Keifgesang geniessen. Aber das war einmal, denn man veränderte seinen Stil mit der Zeit so grundlegend, dass man nun wirklich massentauglichen "Pseudo-Symphonischen-Black-Metal" mit entschärften, heisrigen "Raun-Vocals" zu bieten hat, der entsprechend viele Anhänger hat. Man verkauft sich also selbst, um sich gezielt zu bereichern.

Aber solches Handeln ist nicht nur im bandspezifischen Wesen zu entdecken. Auch in einem anderen Sektor des Heavy Metals fühlt sich sich der Kommerz zu hause. So manch einer wird es bereits ahnen. Es sind die Festivals. Einige Veranstalter sind bodenständig geblieben (Party.San), wohingegen andere regelrechten Ausverkauf mit deren Namen betreiben. Ein Festival jedoch übersteigt den Rahmen des Annehmbaren. Es ist das Wacken Open Air. Wer braucht schon Wacken Anhänger für 40€? Wer braucht einen Wacken Ring? Es gibt eine solche Vielzahl an anderen unnötigen Accessoires mit dem Wacken Logo, welche man vor Ort auf dem Festival erwerben kann, dass einem wahrlich die Haare zu Berge stehen. Aber aufgrund der großen Bekanntheit ist es ja ein leichtes solchen Schund zu verkaufen.

Es ist traurig, welche Mittel in der heutigen Medienwirtschaft dazu eingesetzt werden, schnell so viel Geld wie möglich zu machen. Das ist allerdings nur eins der vielschichtigen Probleme unserer Gesellschaft. Das grösste ist nämlich immer noch, deren verlorene Ideale wiederherzustellen.


Gespeichert unter: Meinung — Nekrop, 23:20:56 Kommentar schreiben


Metal und Innovation

Es hängt einem fast zum Halse heraus: überall wird rumgemotzt und rumgenörgelt, dass der gute alte Metal in die Stagnation tritt. Jeder schreit nach Innovation und jeder will Veränderung.
Die meisten Kritiken prangern an, dass die erhoffte Eigenständigkeit fehlt oder dass die Lieder keinen Ohrwurmcharakter haben. Auch sollten die Monotonie verringert werden und mindestens weitere zwei Riffs zu hören sein.
Aber ich will keine vielen Worte verlieren, die Situation ist jedem aufmerksamen Metaller seit langen bekannt.

Jedoch, so einfach der Schrei nach neuen Ideen ist, es gibt zwei Schwierigkeiten, die sich in den Weg stellen. Erstere ist die des Einfallsreichtums der Band. Diese soll hier nicht näher diskutiert werden, da man als Hörer daran sowieso nichts ändern kann.
Weit kontroverser verhält es sich dann doch mit den werten Kollegen Metallern selbst. Denn wem der Konservatismus bezüglich des „Old School“-Metals noch im Blut steckt, der sollte lieber nicht so laut schreien, dass es keine neuen Ideen mehr gäbe.

Denn wie ist es denn? Nimmt eine Band viele Riffs und Breaks in ihre Lieder, dann spielt sie zu „kopflastige“ Musik, ja, die Musik wird sogar oft als „Frickel“-Metal verrufen.
Anderes Beispiel: Man benutzt das Keyboard (und sei es auch noch so harmlos und dezent) – schon wird, wie der Konservative meint, die „Kommerz-Schiene“ gefahren und die Bands werden wohlmöglich auch noch als „Schwuchtel-Truppen“ abgetan.

Soweit, so gut. Vielleicht findet sich der Ausweg auch darin, dass man moderne Elemente einfliessen lässt, z.B. cleanen Gesang. Jedoch bereitet auch das wieder grosse Probleme, da auf diese Weise schnell der Ruf laut wird, dass der Nu Metal Einzug gehalten hätte und man sich einmal auf die alten Ideale besinnen sollte (was eigentlich ja etwas widersinnig ist, wenn man nach Abwechslung schreit).

Aber ich will noch nicht aufgeben. Schliesslich bleibt ja dann noch die Möglichkeit, dass man verschiedene Stilelemente zusammenfliessen lässt. Am Beispiel des Death/Black Metals wird deutlich, dass dies auch recht oft gut gehen kann.
Aber dennoch, der sich windende Kritiker hat auch hier noch eins auf Lager. Er behauptet nämlich, dass z.B. bei der Mischung Death/Thrash die Vermischung an sich eigentlich nur bewirkt, dass man sich immer mehr vom guten alten Metal selbst entfernt und einfach zu modern klingt, um das eigene Metal-Ideal zu erfüllen.

Was also tun, wenn jeglicher Versuch, der Aufforderung nachzukommen, endlich wieder etwas Neues zu machen, von den Auffordernden selbst erstickt wird?
Ich weiss die Antwort nicht, aber eines rate ich jedem: einfach einmal laut zu lachen (und zwar am besten über sich selbst).


Gespeichert unter: Meinung — Kannibale, 11:14:43 Kommentar schreiben


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