18.01.08

Im Norden - ein Fazit

Mittlerweile bin ich seit bald einem Monat wieder in der Schweiz und es ist Zeit, ein Fazit über ein knappes halbes Jahr Schweden zu schreiben.

Schweden
Schweden ist landschaftlich traumhaft. Wenn man durch die unendlichen Wälder streift und unverhofft auf kleine Seen trifft oder wenn man Hügel erklimmt und unendliche Weiten ohne jegliche Menschenseele sichtet, dann spürt man die Schönheit der Landschaft richtiggehend. Wer also gerne im Wald wandert, Seen und Wäldern sowie die einsame Stille liebt, wird sich in der Natur Schwedens sehr schnell wohl fühlen. So kann es derweil passieren, dass man unverhofft eine Leidenschaft fürs Fischen entwickelt, denn die fischreichen Gewässer Schwedens und die idyllischen, unzähligen Seen verleiten dazu, immer wieder in die Natur zu fliehen. Wenn man Glück hat, trifft man bei Dämmerung im nördlichen Gebiet auf zahlreiche Wildtiere. Um einen frei lebenden Elch zu sehen, braucht man allerdings Geduld und Glück. Das Klima ist dabei im Süden dank dem Golfstrom nicht sehr viel kühler als in der Schweiz. Die Sommer sind durchaus mild und auch im Dezember sind die Temperaturen noch mit denjenigen hier zu vergleichen. Im Norden dagegen ist es mehr als zehn Grad kühler im Schnitt – warm anziehen ist auch im Sommer keine schlechte Idee.
Jenseits der Natur, fällt vor allem auf, dass die Distanzen viel grösser sind. Es kann auch im passieren, dass man 100 Kilometer durch den Wald fährt, ohne auf ein einziges Dorf zu stossen. Kartenmaterial ist also immer eine gute Idee und auch genügend Benzin ist von Vorteil. Damit ausgerüstet, kann man allerdings sehr viel erleben und ein spannendes Land entdecken. Neben historischen Gebäuden – Ruinen, Klöster und Schlösser – sind vor allem die Städte Göteborg, Malmö und Stockholm interessant. Aber auch als Ausgangspunkt für die Erkundung anderer skandinavischer Länder ist das zentrale Schweden optimal geeignet.
Die meisten Schweden sind sehr weltoffen und sprechen zu über 80 % englisch. Insbesondere wenn Alkohol im Spiel ist, tauen die sonst etwas zurückhaltenden Schweden rasch auf. Die sonst höflichen und eher distanzierten Leute wissen dann auf einmal richtig gut, was es heisst, eine Party zu machen. Diese amüsante Seite des Lebens kommt bei einem Austausch in Schweden garantiert nicht zu kurz.
Das Bildungssystem Schwedens ist insgesamt sehr sozial und auf Chancengleichheit ausgerichtet. Bis zur achten Klasse werden keine Noten verteilt und auch erst danach gibt es eine Einteilung in genügend, gut oder sehr gut. Ist ein Schüler in einem Fach nicht genügend, erhält er keine Note. Die Tatsache, dass über 90% nach den obligatorischen neun Schuljahren in ein dreijähriges Gymnasium wechselt, zeigt, dass man Chancengleichheit sehr hoch schätzt. Allerdings führt dies auch dazu, dass Leute ein Gymnasium besuchen können, die in der Schweiz auf Grund ihrer Leistungen nie an ein Gymnasium denken könnten. Die Gymnasien haben dabei einen sehr unterschiedlichen Ruf und dementsprechende Qualität. Um auf ein gutes Gymnasium zu gelangen, ist ein guter Schnitt notwendig. Bei den Universitätsstudien wird je nach Studiengang anschliessend ebenfalls ein Auswahlverfahren im Stile des Numerus Clausus durchgeführt. Dennoch beginnt ein Grossteil der Gymnasiumsabgänger ein Studium. Aber auch auf der Universitätsstufe findet man durchaus Leute, die weder die geistige noch die soziale Kompetenz haben, ein Studium erfolgreich zu absolvieren. Hierbei hat der Selektionsmechanismus versagt. Die gut gemeinte Chancengleichheit führt nicht zu letzt zu einer Niveausenkung. Die praktische Unwichtigkeit der Noten führt zu Minimalismus der Studenten. Dazu kommt, dass in Schweden unabhängig vom Einkommen der Eltern Studiengeld beantragt werden kann. Dies führt dazu, dass einige Studenten, lediglich das Geld kassieren und sich kaum für ihre studentischen Pflichten engagieren.

Jönköping
Jönköping liegt am nördlichen Rand von Småland, im Herzen Südschwedens am Vätternsee. Mit den rund 85′000 Einwohner ist die Stadt eher überschaubar und provinziell. Dennoch versprüht sie einen gemütlichen Charme und bietet alles, was man braucht. Als Ausgangspunkt für Ausflüge in das ganze Land und insbesondere für Småland ist Jönköping geradezu prädestiniert. Mit dem Bus oder dem Auto ist man in weniger als drei Stunden in Göteborg, Stockholm, Malmö oder Kopenhagen. In der Region, insbesondere im beliebten Feriengebiet Småland findet man zahlreiche Ausflugsziele direkt vor der Haustür. Besonders Empfehlenswert sind neben den erwähnten Städten die Stadt Eksjö, Skurugata – ein unglaublicher Aussichtspunkt über ganz Småland, der Store Mosse Nationalpark, der Western-Freizeitpark High Chapperal, das Bergwerk Kleva Gruva, Isaberg – ein Zentrum für Aktivitäten jeglicher Art, Taberg – ein Aussichtspunkt über den Vättern, das Naturparadies und historische Erlebnis Öland und die Vätterninsel Visingsö. Es ist auf Grund der unzähligen Möglichkeiten empfehlenswert bei einem Herbstsemester schon einige Wochen früher anzureisen oder im Sommersemester länger zu bleiben, um das Land in vollen Zügen geniessen zu können. Denn es kann durchaus vorkommen, dass die Ausflugsziele nach Mitte August bereits geschlossen haben und sich Schweden dem berüchtigten Winterschlaf hingibt. Empfehlenswert ist es auf alle Fälle, ein eigenes Auto mitzunehmen, falls dies irgendwie möglich ist. Die Anreise von rund 1600 Kilometer ist in zwei Tagen gut zu bewältigen und man hat sehr viel von einem Auto in Schweden. Zwar sind im Fernverkehr die Busse und die Eisenbahn gut organisiert, allerdings ist man bei vielen Dingen ganz einfach flexibler mit einem eigenen Auto und kann so die wirklich schönen, vielleicht versteckten Seiten Schwedens unabhängiger entdecken.

Fazit
Der Austausch in Schweden war für mich in persönlicher Hinsicht ein voller Erfolg. Die Kontakte zu den internationalen Studenten werden bestimmt ein Leben lang halten. Die Wahl Jönköpings als Standort bot einen idealen Ausgangspunkt für Ausflüge nach ganz Skandinavien. Die Universität ist sehr gut organisiert, was Wohnungen, Kurse oder Prüfungen angeht und die Studentenorganisation gibt sich enorm Mühe, das Studentenleben zu erleichtern. Dass das Niveau dabei nicht in allen Kursen mit demjenigen von St. Gallen zu vergleichen ist und dass viele Studenten minimalistisch eingestellt sind, ändert nichts daran, dass die Universität eine der besten in Schweden ist und die JIBS sich mit der Ausrichtung auf Unternehmertum und Internationalität auch im internationalen Umfeld einen guten Namen gemacht hat. Ich würde mich jeder Zeit wieder für Jönköping entscheiden.


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29.10.07

Auf den Spuren von John Baur

Letzten Samstag machten sich zwei Tschechen und ein Schweizer in Schweden in aller Frühe auf, um die Pfade John Bauers zu erkunden. John Bauer war ein schwedischer Künstler mit deutschen Vorfahren. Sein Werk zeichnet sich insbesondere durch die naturnahen Bilder von Trollen und Wichteln aus. Er wurde 1882 in Jönköping geboren und starb 1918 sehr jung bei einem Bootsunglück im Vättersee. Ihm zu Ehren wurde in dern Nähe von Jönköping ein rund 60 Kilometer langer Wanderweg erstellt, welchen wir zu begehen beschlossen.

Durch wunderschöne Seen- und Waldlandschaften brachten wir am ersten Tag etwas über 40 Kilometer hinter uns und übernachteten danach in einer Waldhütte, die glücklicherweise offen war. Den Rest der 60 Kilometer gingen wir am nächsten morgen bereits zur frühen Stunde an und genossen die Aussicht vom teilweise am Vättersee entlang führenden Pfad. Ein paar Bilder für euch:

Aussicht auf den Vättersee

Am Abgrund

Reif für die Insel

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19.10.07

Die Lehren eines Autofahrers in Schweden...

1. Nicht alle Strassen, die kein Fahrverbot haben, sind auch tatsächlich befahrbar.

2. Mit dem Gedanken, dass die Strasse bald wieder besser wird, sollte man sich nicht ermuntern, weiter zu fahren.

3. Eine Schaufel im Auto ist ab sofort Pflicht.

4. Der Pannendienst in Schweden kann gut und gerne für drei Meter Schleppdienst 2000 Kronen verlangen. Man rechne und staune: 400 Franken.


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Schweden in der Schnellbleiche

Erinnerungen aufzufrischen tut immer wieder gut. Deshalb nahm ich die Gelegheit wahr, die schönsten Plätze in der Region noch einmal festzuhalten, als meine Schwester in dieser Woche zu Besuch war:


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29.09.07

Hecht in zwei Phasen

Nun gibt es wieder einmal etwas zu berichten aus dem Norden. Darf ich vorstellen Hecht Ruprecht in zwei Phasen:

Phase 1: Herzblut

Phase 2: Iss mich

Der Kerl hat sich ganz schön gewehrt an der Angel und mit seinen 65 cm war er ein ganz schöner Draufgänger. Ein heftiger Schlag auf den Kopf hat ihm dann die Flausen ausgetrieben (R.I.P). Geschmeckt hat er als Filet köstlich. Ich werde wohl noch mindestens zwei weitere Mahlzeiten an ihm zehren.


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23.09.07

Store Mosse Nationalpark

Heute gings per Car in den Store Mosse Nationalpark, 70 Kilometer südlich von Jönköping. In der Nähe von Hillerstorp machten wir eine kleine (15 km) Rundwanderung im Herzen des Nationalparks rund um den See Kävsjön. Dass man mitten im Sumpfgebiet mit Turnschuhen nicht gerade optimal ausgerüstet ist, hätte man durchaus ahnen können - selber Schuld wer, nichts besseres dabei hatte. Der Rundweg war zwar mit kleinen Brettbrücken vor einigen Jahren mal für diejenigen zugänglich gemacht worden, die gerne trockene Füsse behalten. Allerdings hatte es heute noch so viel Sumpfwasser, dass kaum einer ohne nasse Füsse um den See herum kam. Es hat auf alle Fälle trotzdem Spass gemacht und die wunderschöne Natur hat wieder einmal grosszügig entschädigt.


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19.09.07

Schwedische Eigenheiten

Hier ein paar Fragen, die mir bisher noch kein Schwede beantworten konnte:

- Warum haben Schweden einen Scheibenwischer in der Dusche?

- Warum drehen die Türschlösser hier in die andere Richtung?

- Warum kann man U-Bahn-Abbonnements nicht an der U-Bahn-Station kaufen?

- Warum sind in Schweden die Wasserhahnen so kurz, dass man sich weder die Hände Waschen noch einen Schluck Wasser trinken kann?

- Warum kauft man sich in Schweden ein Busabonnement und muss es dann bei jedem Einstieg in den Bus in einen Magnetleser einlesen? Man weiss ja, dass es noch gültig ist und eine Kontrolle findet trotzdem nicht statt.

- Warum braucht es bei einigen Konzerten zwei Billetkontrollen - eine die das Billet halb einreisst und die zweite, die es ganz durchreisst?

- Warum gibt es hier eine Warteliste für Mietwohnungen, bei der man 20 Jahre warten muss, bis man endlich dran ist?

- Warum sind die Würste bei den Hot-Dogs so klein?

- Warum steckt man die Kreditkarte verkehrtrum in den Geldautomaten und warum haben die Schweden nur 4 Ziffern beim Sicherheitscode?

- Warum hat nordisch Schlafen nichts mit dem zu tun, wie die Schweden schlafen?


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18.09.07

Schwedische Wolken

Für einmal etwas mehr Bild als Text: Die Fotos sind direkt aus meinem Zimmerfenster gemacht.


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17.09.07

Erster Fang

Von Freitag bis Samstag war ich in Halmstad.

Gefunden habe ich dort ein paar nette Kumpels - ich habe die Stoner Heavy Doom Kapelle King Leaf Experience kennengelernt, welche am 2. November in Zug zusammen mit Tribes Of Caïn, Excrutiation und Forgotten Chaos in Zug auftreten wird. Die Truppe rockte im Proberaum mächtig ab: wer Black Sabbath, Spiritual Beggars oder Eagles Of Death Metal mag, dem wird es wie mir ergehen. Eine Sekunde und der Kopf nickt mit, noch eine Sekunde und du hast ein Lächeln im Gesicht.

Gefunden habe ich auch einen Fisch oder besser: Gefangen. Beim Fischen an einem kleinen See zwischen Halmstad und Jönköping hat ein wirklich stattlicher Hecht angebissen. Als komplett unerfahrener Angler ist es mir dann allerdings nicht gelungen die Kräfte des Tiers zu bändigen und er ist mir wieder ins Wasser entgleitet. Aufregend war es aber auf alle Fälle.

Verloren habe ich allerdings mein hinteres Autonummernschild - oder besser: Jemand hat es mir in einem dämlichen Vandaleakt geklaut, als das Auto über Nacht in Halmstad stand. Was will man denn mit nur einem Nummernschild? Mühsam ist vor allem, wie ich an ein neues kommen soll: Heute bei der Polizei bekam ich einen Raport ausgehändigt, mit dem ich ein neues in der Schweiz bestellen muss - in der Zwischenzeit darf ich mit einer Nummer fahren.


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10.09.07

Draisine und mehr

Nun, Mandragora hat sich in Richtung Schweiz abgesetzt. An mir liegt es nun, die letzten Stunden wohliger Zweisamkeit in Worte zu fassen.

Am Samstag setzten wir die Segel in Richtung Nordwesten. Nördlich von Göteborg gibt es alte, mittlerweile unbefahrene Schienen, für welche man Tretdraisinen mieten kann. Dieses Abenteuer wollten wir uns nicht entgehen lassen. Rund zwei Stunden blieben uns nach der langen Anfahrt auf dem Pedalgerät, das bei ordentlichem Gebrauch ganz schön an Fahrt gewinnen kann. Nach etwas mehr als der Hälfte wurden wir schliesslich von einem Regenguss überrascht, der jedoch nur kurzfristig auf das Gemüt drückte.

Tretdraisine

Später versuchten wir unser Angelglück (mittlerweile mit eigener Angelausrüstung) an einem verlassenen See. So nahe an einem Fang war ich noch nie, doch ganz geklappt hat es trotz des Sichtkontaktes mit den Fischen nicht.

Nach einer Geburtstags-gemässen Übernachtung im **** Landvetter Airport Hotel zu Göteborg genossen wir den Freizeitpark Liseberg mitten in der zweitgrössten Stadt Schwedens. Das Highlight schleuderte uns in 2 Sekunden auf 70 Stundenkilometer - kein Wunder, dass mein Rücken Spuren davon getragen hat.


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06.09.07

Fischen im Kanu

In gemütlicher Zweisamkeit haben wir uns gestern ein Kanu und eine Angelausrüstung gemietet und sind im verlassenen See auf Fischjagd gegangen. Dass wir schlussendlich kein Flossentier gefangen haben, ist halb so schlimm: Die Landschaft entschädigte uns grosszügig.


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03.09.07

Öland

Eine der zwei grossen schwedischen Inseln liegt gerade einmal etwas mehr als 200 Kilometer von Jönköping östlich von Smaland in der Ostsee. Der ganze südliche Teil ist dabei zum Weltkultur- und Naturerbe ernannt worden. Warum dies so ist haben wir schnell selbst erkannt:

Historische Fundstätten sind unglaublich zahlreich: Von Runensteinen bis hin zu Grabfeldern findet man auf der Insel über ein Dutzend. Die schönsten davon sind das Gräberfeld von Gettlinge, das sich über 2 km erstreckt und auf dem sich verschiedene Grabformen meist aus der jüngeren Eisenzeit befinden. Gleich in der Nähe ist Ölands höchste Erhebung mit einer wunderbaren Aussicht: der Grabhügel "Mysinge hög".

Ebenfalls historisch spektakulär ist die vorgeschichtliche Befestigungsanlage Eketorp, die zwischen 300 und 1300 nach Christus gleich drei Mal erneut aufgebaut und besiedelt wurde. Von jeder dieser Ausbaustufen sind heute Überreste zu finden. Dazu hat man die gesamte Ringmauer sowie einige Häuser aus verschiedenen Epochen komplett rekonstruiert. Heute wird man dort von authentisch gekleidetem Personal, Schweinen, Pferden und Schafen in Empfang genommen.

Dazu kommen zahlreiche Ruinen wie das Schloss Borgholm, die vorgeschichtlichtliche Befestigungsanlage Graborg und die Überreste der St. Knuts Kapelle.

Genau so eindrücklich wie die geschichtlichen Dokumente auf der Insel ist die Natur Ölands. Ganz besondere Vogel- und Pflanzenarten findet man in den mannigfaltigen Naturreservaten. Die vom Meer gezeichnete Küste, nimmt bisweilen skurrile Formen an und ein Blick vom Leuchtturm "Lange Jan" an der Südspitze Ölands, liess mich staunen. Öland ist ein wahres Paradies für Leute, die gerne mit offenen Augen durch die Welt gehen!


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31.08.07

Wo früher Kumpels schufteten

Der gestrige Ritt durch die nordischen Wälder war heute morgen noch deutlich im Rücken zu spüren. Doch es hat sich gelohnt: Nahe Jönköping (Haurida, Aneby) haben wir zwei nordische Pferde gesattelt und sind gegen Süden geritten. Neben unberührten Wäldern und einem tiefschwarzen See genossen wir die "Fika" mit Kaffee und Kuchen inmitten unzähliger Bäume.

Heute zog es uns zu der alten Kupfermine "Kleva Gruva" in Holsbybrunn (Vetlanda) hin. Bewaffnet mit Helm und Taschenlampe machten wir uns daran, zu zweit die Gänge im Innern des Berges zu erkunden. Dass es im Berg drinnen noch kälter als draussen war, tat unserem Erkundungsdrang keinen Abbruch. Nach ungefähr dreihundert Stollenmetern trafen wir auf einen kleinen Höhlensee, auf dessen Zentrum das Tageslicht von der eingestürzten Bergspitze her schimmerte. Von da aus konnten unzählige, teils sehr niedrige Gänge in Dunkelheit begangen werden. Auch der Aufstieg war nicht ohne - eine Vielzahl hölzerner und steiler Treppenstufen mussten begangen werden, bis wir entdlich das Tageslicht wieder erblicken durften. Wahrlich ein imposantes Erlebnis.

Auf dem Rückweg packten wir noch zwei Schloss-Ruinen (diejenigen von Vetlanda und Sävsjö) in unseren Erinnerungschatz und schlossen den Tag in gemütlichem Zimmerdasein ab.


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28.08.07

Der Natur Pracht

Das Ziel hiess nach der heutigen Vorlesung Eksjö. Die alte Innenstadt soll putzig sein, hat man gehört. Sie war es. Jedes Haus in anderer Farbe bemalt, erhielt man beinahe den Eindruck einer Filmkulisse - Bilderbuchschweden hätten andere gesagt.

Immer einem Wegweiser einer uns unbekannten Sehenswürdigkeit entlang, gelangten wir immer tiefer in die Wälder Smalands. Was uns erwartete, wussten wir nicht, dass etwas dort sein musste, verrieten die Wegweiser, denen wir folgten. Nach knapp zwanzig Kilometer Autofahrt und einem Kilometer Fussmarsch durch den Wald eröffente sich unseren Augen ein unglaubliches Panorama. Unser Blickfeld erstreckte über hunderte Kilometer durch Smaland: Wir waren auf einem Felshügel angelangt, welcher mit über 337 m. ü. M. einer der höchsten Erhebungen Smalands darstellt. Das Naturreservat und der Ausblick von "Skurugata" übers weite Land öffnen nicht nur den Weitblick für den Alltag, sondern lassen im Abstand vom Trott neue Ideen entstehen: Ein Muss, wenn man in Smaland ist.

Eindrücklich ist auch die 800 Meter lange und bis zu 50 Meter hohe Felsspalte, deren Entstehung die Fantasie von Dichtern und Wissenschaftlern angeregt hat. Sei nun ein polternder Troll oder doch ein Erdbeben für die Naturattraktion verantwortlich: sehenswert ist sie ohnehin.


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27.08.07

Stockholm

Da Tribes Of Caïn diese Woche ihre kommende Veröffentlichung bei Tailor Maid Production von Mastermind Peter in de Betou (Opeth, Amon Amarth, Dark Funeral, Hypocrisy, ...) in Stockholm mastern liessen und Reto noch in Stockholm war, liessen wir uns die Gelegenheit nicht nehmen, uns vom fast-einheimischen Tribes Of Caïn Gitarristen, die Stadt und das Nachtleben zeigen zu lassen.

Stockholm ist eine wahrlich schöne Stadt, die vom Spiel zwischen Land und Wasser lebt. Neben dem Königshaus und zahlreichen architektonischen Highlights, interessierte uns vor allem das metallerne Nachtleben der Stadt. Zu sechst machten wir die Clubs "Rocks" und "Harry B. James" unsicher und kamen in den Genuss einer AC/DC Coverband. Wer sich gerne in gemütlichem Rock-Ambiente aufhält und vielleicht ein paar bekannte Gesichter sichten möchte - am Samstag war fast die halbe Amon Amarth Mannschaft anwesend - sollte hier vorbei schauen.

Ein weiteres, nicht sonderlich positives Erlebnis war dann die Heimfahrt mit der letzten Bahn: Scheinbar ist das Alkoholproblem in Schweden nicht durch Restriktivität zu bekämpfen - kaum einer konnte noch gerade stehen, mehrere heulten im Rausch der Verzweiflung, einige haben geschrieen. Keine schönen Bilder, die aber anscheinend genau so zu Schweden gehören, wie die wunderbaren Wälder.

Sonntags besuchten wir schliesslich das seit 1891 bestehende Freilichtmuseum Skansen. Das Museum zeigt historische Ausschnitte aus dem Leben der Schweden in den letzten Jahrhunderten. Alte Häuser und Handwerk versetzen einem zurück in die Vergangenheit. Das Kulturreservat ist für geschichtlich und kulturell Interessierte auf alle Fälle ein Besuch wert!


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24.08.07

Die Wasserparty schlechthin

Heute stand nach dem Ausschlafprogramm die Akademische Einführung auf der Setliste. Das Ganze glich dann einer Samstagabendshow, war aber sehr unterhaltend. Neben zwei hervorragenden und humorvollen Rendnern, die zum Thema kulturelle Unterschiede sowie Eigenheiten der Schweden referierten, haben ein Schlagzeuger mit seinem Soli, eine Brassband und Sambatänzerinnen für Stimmung im Saal gesorgt. Die Universität und insbesondere die Studentenorganisation haben sich alle Mühe gemacht, was unübersehbar war. Kompliment!

Abends war dann der grosse "Students Water Event" angesagt. Ein ganzes Hallenbad/Freibad wurde gemietet und mit mehreren Bühnen sowie Soundanlagen ausgestattet. So wurde das Bad zur Disco umfunktioniert. Das Ambiente war gut, doch wie immer war die Musik nicht das, was man sich in Schweden erwünschen würde. Dennoch ein spezieller Abend, der in Erinnerung bleiben wird.


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Runen

So, heute gibt's ein bisschen Runenkunde:

In Smaland gibt es ungefähr 150 Runeninschriften. Die meisten davon stammen aus der Wikingerzeit und sind auf Runensteinen enthalten. Es gibt jedoch auch solche auf kirchlichen oder profanen Gegenständen. Hier trifft man jedoch nicht auf das wohl ursprüngliche Runenalphabet mit den 24 Schriftzeichen, sondern auf ein späteres aus Wikingerzeiten, das nur aus 16 Runen besteht.

Runensteine stellen Gedenksteine dar, die von Nachlebenden errichtet wurden, um Verstorbene zu ehren und gleichzeitig die gesamten Eigentumsrechte der Familie zu markieren.

Auffinden kann man einzelne Steine vor allem in der Umgebung von Ljungby und Växjö (zum Beispiel: Toftaholm oder Nöbbele).


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E4

Heute führte die Reise der bekannten E4 entlang, in Richtung Süden. Der erste Halt kam aufgrund einer Sperrung der Autobahn zustande, wodurch ich in Toftaholm ankam und dort über eine kleine Ruine und einen Runenstein stolperte. Was in Schweden liebevoll Tierpark genannt wird, so musste ich feststellen, ist in Tat und Wahrheit ein munzig kleiner Bauernhof mit Ziegen, Hühnern und Hasen (so jedenfalls der "Tierpark" in Traryd). Nach gemütlichen Minuten oder gar Stunden in der Natur besuchte ich unter anderem schliesslich noch die Klosterruine in Hamneda; viel war da auch nicht mehr zu sehen, aber auch so ein paar Steine haben einfach ihren Charme.

Während dessen hat sich André mit den Eigenarten der schwedischen Alkohol- und Sozialkultur auseinandergesetzt, seine Kurse bestätigt und erste Kontakte zu Metalheads geknüpft.

Den Abend liessen wir bei einem gemütlichen Beisammensein mit anderen Studenten in der Siedlung ausklingen.


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22.08.07

Schatzsuche...

Irgendetwas hat mit der Zeitafel nicht gestimmt. Denn als die Austauschstudenten dem Plan gemäss zur Mittagszeit am Campus auftauchten war die sogenannte Schatzsuche bereits im Gange. Die Idee war, dass wir Gruppenweise verschiedene Aufgaben erfüllen. Dazu gehörten unter anderem: Die Farbe des Betlakens des Präsidenten der Studentenunion herauszufinden; eine möglichst hohe Menschenpyramide zu erstellen; ein Mädchen, welches von der JIBS zur technlogischen Fakultät gewechselt hat, in den Brunnen zu werfen; unseren Gruppennamen ("Austin Powers") mit Menschenbuchstaben zu schreiben; eine Modeschau zu veranstalten; durch den eiskalten See zu schimmen und vieles mehr. Alles ganz normal.

Als ich schliesslich genug von dieser etwas misratenen Normalität hatte, machte ich mich auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Die Stadt hat neben ihrem provinziellen Charme sehr viel zu bieten - sei dies nun architektonischer Art oder ihrer Freizeitmöglichkeiten wegen.


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21.08.07

Einführungslektion?!

Genau. Heute stand irgendeine Einführungslektion an. Ich sitze genau in demjenigen Zimmer, das mein Plan vorgegeben hat. Nur steht in der Manege ein Rechtsprofessor, welcher der mehrheitlich nicht einheimischen Audienz auf Schwedisch irgendetwas vom römischen Recht erzählt. Weder trifft das meine erwünschte Sprache, noch meine Fachrichtung. Bin ich im falschen Film? Erste Einsprachen ergeben, dass sich der Professor erst weigert, ins Englische zu wechseln "Wir sind hier in Schweden!" und danach trotzdem einlenkt - er habe sich in der Audienz getäuscht und sei falsch informiert.

Nach einer Viertelstunde leicht ermüdendem Rechtsgeschwafel stürmen urplötzlich ein Duzend Angehörige der Studentenorganisation den Saal und fordern uns lauthals auf, den Raum zu verlassen. Die ganze Einführungslektion war also gespielt und wir wurden auf einer nahegelegenen Wiese in diverse Spiele involviert. Nach einer Aufwärmlektion (Aerobic) gab es Seilzieh- und andere kleine und mehrheitlich nicht ganz ernst gemeinte Wettkämpfe. Eigentlich hätte ich solche Spiele eher in einem Pfadilager als an einer Business School erwartet, allerdings war es trotzdem ein netter Weg, sich näher zu kommen.

Als ich von der Judihuistimmung langsam genug hatte, entschlossen Anita und ich eine nahegelegene Ruine zu besuchen, welche den Abend in eine gemütliche Stimmung einmantelte, während sich die anderen Studenten an der X-ten Pre-Party und Party und After-Party vergnügten.

PS: Erste Metaler gesichtet!


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20.08.07

Erster Unitag

Pathetisch und traditionell wurden alle neuen Studierenden an der JIBS (Jönköping International Business School) nach einem Fahneneinzug von Rektor und vom CEO der JIBS begrüsst. Stadtrundgang und Computereinführung folgten im Laufe des Tages. Erstaunlich ist, wie gut die Studentenorganisation das alles organisiert hat. Es bleibt zwar kaum eine Minute Freizeit - auch am Abend wären ständig Parties angesagt - doch dafür erlebt man etwas. Aus allen Herren Länder sind die über 400 Austauschstudenten angereist. Hauptvertreter sind Frankreich, Deutschland, Kanada, Mexiko und Australien. Der Rest kommt überwiegend aus Europa (Italien, Osteuropa, UK) und den USA. Kaum einer spricht Schwedisch - Verständigungssprache ist wie selbstverständlich das Englische. Ansonsten sind die meisten Leute charmant und offen. Alle Schweden sind von der Austauschverantwortlichen zum Vornherein entschuldigt worden: sei seinen nicht verknorkst oder verschlossen - sie sind einfach nur scheu. Man solle sie ansprechen. Der Eindruck, den ich bisher von den Schweden habe, ist jedoch, dass sie äusserst offen und hilfsbereit sind. Ein einziger Wehmutstropfen: Metaler sind noch keine in Sicht.


Gespeichert unter: Im Norden — Morgenstern, 23:51:39 Kommentar schreiben


19.08.07

Mittelalterspektakel auf Schwedisch

Früh aus den Federn und schnurstracks Richtung Gränna gedüst: Uns erwartete ein Mittelalterspektakel auf der Vättern-Insel Visingsö. Artgerecht setzten wir uns am Hafen von Gränna mit dem Wikingerschiff in Richtung der Insel ab und durften ein weiteres Mal erleben, wie nass Wellen sein können. In gemütlichem Schaukelrhythmus gelangten wir nach einiger Zeit an die bereits mittelalterlich anmutende Destination. Im Schatten der Schlossruine aus dem 16. Jahrhundert war ein gemütlicher Mittelaltermarkt mit allerlei Gaukel und Spiel. Im Herzen des Marktes befand sich eine Arena, in der später Ritterspiele stattfinden sollten. Diese waren dann auch das Tageshighlight. Neun mittelalterlich gekleidete Herren und eine Dame traten in mannigfaltigen Reitspielen gegeneinander an. Dass sich schliesslich die Dame durchsetzen konnte, war keineswegs einem Frauenbonus zu verdanken. Tatsächlich traf sie mit ihrer Lanze die meisten Schilder, stach mit dem Speer am genausten zu und spaltete die Äpfel am präzistesten.

So ging der sonnige und warme Tag sehr schnell vorüber. Mit vielen Eindrücken und noch mehr Erwartungen an den morgigen ersten Tag an der Universität sinke ich wohl schon bald in den Schlaf...


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Hej Jönköping

Der Zufall wollte es, dass wir gestern in Gränna, einem kleinen Hafenstädtchen am Vätternsee vorbei gekommen sind. Hier kommen die typischen Schwedischen Süssigkeiten, die "Polkagris" her. Doch die Hauptattraktion des schönen Städtchens ist der kleine Hafen. Hier erfuhren wir, dass auf der Vätterninsel "Visingsö" gerade Mittelalterfestspiele stattfinden. Hier werden wir heute hinfahren und das schöne Wetter geniessen.

Mein erster Schritt auf den Uniboden ergab einen positivien Eindruck: Die Leute sind freundlich und die Uni überschaubar. Den Wohnungsschlüssel abgeholt, machten wir uns schnurstracks auf den Weg zu meiner Wohnung: mein Zimmer in der Vierzimmerwohnung ist in Ordnung: Genügend gross, praktische Möbel - nur eine kleine Putztour könnte sie vertragen.

PS:
- der Wind hat uns heute beinahe weggeweht
- Wellen sind Nass
- Türverriegelungen sind in Schweden verkehrt
- Björnbär heisst Brombeere


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18.08.07

Endlich wieder Netzzugang: die Anreise in den Norden

Da wir die letzten Tage Internetlos glücklich verbracht haben, kriegt ihr das Komplettpaket in einem Stück:

Uns ist beinahe ein Kaltstart mitten ins Feuer geglückt. Kaum zweihundert Meter von Embrach entfernt ergab sich eine brenzlige Konstellation mit einem 30ig-Tönner, der sich beim Zirkuszeltverräumen ausschliesslich auf die Hinterseite seines Camions konzentrierte, währenddem er - als sei er eine zermürbende Doomlavine - vorwärts im Schritttempo auf uns zurollte. Erst nach mehrfachen Hupbemühungen meinerseits lokalisierte er das Problemfeld der Situation entsprechend und leitete sein dezentes Bremsmanöver ein und verhinderte gerade noch eine ungemütliche Tobsucht meinerseits.

Danach hiess es endgültig „volle Fahrt gen Norden!“. Rund 450 Kilometer und einige Stunden später verdrückten wir ein paar Sandwichs auf einem mehr oder weniger gemütlichen, weil Fliegenüberfluteten, Rastplatz, um danach unser eigentliches Tagesziel Hannover anzupeilen. Gesagt getan und viel zu früh am Ziel entschieden wir uns noch weiter zu fahren. Erst nach Hamburg wurde uns bewusst, dass es schwierig sein würde, um diese Zeit – es war mittlerweile gegen zwölf Uhr nachts – noch eine Unterkunft zu finden. Dass dieser dringliche Umstand sich zum Highlight entwickeln würde, stand zu diesem Zeitpunkt noch offen. Nach Lübeck entschlossen wir uns irgendwo in der Pampa eine Unterkunft zu suchen.

Der Ort unserer Wahl nennt sich Neustadt und hat mit neu sehr wenig zu tun. Wir setzten all unsere Hoffnung auf dieses idyllische Städtchen mit Nordseeanschluss und – wie sich spätere herausstellte gerade einmal drei Hotels. Das erste umfuhren wir auf Grund des Eindrucks, dass dort bestimmt nichts mehr los ist, grosszügig. Beim zweiten erhellte sich auch nach mehrmaligem Klingen kein Licht an der Rezeption und das dritte haben wir gar nicht erst gefunden. So begaben wir uns – bereits mit einer ungemütlichen Nacht im Auto rechnend – in das erstbeste Restaurant am Hafen und fragten nach einer Schlafgelegenheit. Doch erst beim zweiten Restaurant, an das wir verwiesen wurden, kam so etwas wie Hoffnung auf: Nach dem uns der urchige Barmann in freundlichem und leicht angeheitertem Norddeutsch erklärte, dass es schwierig werden würde meldete sich der noch viel urchigere und noch angeheitertere letzte Gast zu Wort, er hätte noch eine Koje frei. Ein, zwei Blickwechsel zwischen Anita und mir später, war uns klar, dass wir nicht ganz genau wussten, was er meinte - einen wirklich seriösen Eindruck machte er in seinem Zustand ohnehin nicht. Schliesslich entschlossen wir uns in der dezenten Notlage, dem Mann zu folgen und der Lage vor Ort ein Auge zu schenken. Mit einer „Koje“ hat der Seemann tatsächlich das gemeint, wonach es sich anhört. Das stattliche und einhundertdreissig Jahre alte Segelschiff mit dem passenden Namen „Jagt Norden“, welches sein Skipper, dessen Familie und er betrieben machte einen überaus abenteuerlichen Eindruck. Der Charme des historischen Dreimasters und die wohlwollende norddeutsche Gastfreundlichkeit überzeugten uns, für etwas mehr als ein Trinkgeld die Nacht vor Anker auf der See zu verbringen. Und so kamen Anita und ich zu einer unvergesslichen Nacht in einem Schiff, in dem schon vor über hundert Jahren Piraten und Fischer hausten sowie ihrem Skorbut erlagen.

Nach einem gemütlichen Piratenfrühstück, waren es nur noch ein paar Meter bis zur Insel Fehmarn von der uns die Fähre nach Dänemark überführte. Nach dem 45-minütigen Transfer wechselte die Währung von Euro in DKK und die Preise stiegen von angemessen ins Unermessliche. Einen ersten Eindruck davon, dass uns in Kopenhagen astronomische Preise erwarten würden, vermittelte uns die Rezeption des Radisson **** – dem Hotel der Wahl derjenigen, die es haben – mit ihrer Preisauskunft. Bescheiden zogen wir uns zurück in die moderatbepreiste Jugendherberge.

Die Stadtbesichtigung ergab folgenden Eindruck: Der Freizeit- und Vergnügungspark Tivoli ist ein absolutes Muss. Achterbahn, Freifallturm und Monsterkarussell auf halber Höhe des Eiffelturms sind eine wirkliche Attraktion. Die Essenspreise sind allerdings massiv überteuert. Das Viertel um Nyhavn ist ebenfalls überaus sehenswert und mehr als nur einen Abstecher wert. Danach setzten wir unsere Besichtigung auf Grund der wechselhaften Witterung im Guiness-Museum fort, wo uns allerlei bedeutende und weniger bedeutende Rekorde verblüfften.

Kopenhagen im Rücken und das Meer unter den Füssen: Wir sind auf der Öresundbrücke und befahren erstmals schwedischen Beton. Schneller als erwartet sind wir in Malmö und halten uns an die geplante Nordrichtung. Keine Frage, dass wir beim ersten Elchsafari-Park anhalten und innerhalb von zwei Stunden rund ein halbes Dutzend Elche ablichten. Weniger klar war, dass wir uns auch beim nächsten Elchpark wiederum einen Halt gewähren: Denn jetzt ist füttern und anfassen inklusive. Die nächste Station waren die nahe gelegenen Hügelgräber und Runensteine aus dem neunten Jahrhundert, die auch heute noch in faszinierender Mystik ihre Energie ausbreiten.

Ein paar Elche und einige Kilometer später finden wir uns an einem unglaublich schönen und verlassenen See wieder. Hier ist die Natur noch das, was sie einst war. Einsamkeit erhält eine komplett neue Dimension. Wie schnell das Wetter hier oben umschlägt hat man direkt kommen sehen: Die Regenfront näherte uns in deutlich sichtbarer Weise, so dass wir unseren Halt am Ufer jäh unterbrochen haben und der wohnlichen Unterkunft entgegen fuhren.

Ein ausgiebiges Frühstück mit Ei, Cornflakes, Toast und vielem mehr versprach: Dies wird ein herrlicher Tag werden. Schnurstracks liessen wir die Räder in Richtung des Westernparks „High Chaperral“ in der Nähe von Hillerstorp mitten im Herzen Smalands rollen. Wald, See, Wald heissen die passenden Nomen zum eingeschlagenen Weg – Cowboy, Indianer und Mexikaner diejenigen zum Park. Neben einer beeindruckend detaillierten Kulisse überzeugen insbesondere die Shows im Park. Besonders die Indianer mit ihren Ritualtänzen haben es mir angetan. Passend zu ihrem Regentanz setzte dann auch der sechshundertvierzigste Wetterumschlag zum Grossangriff an. Da das Wetter jedoch nach ein paar Minuten jeweils wieder ins Positive wechselt, ist ein kurzer Regenguss zusammen mit faszinierenden Wolkenspielen gerade willkommen.

Als wir uns gegen Abend nach einer Unterkunft umsahen, kamen wir an einer scheinbar komplett verlassenen Jugendherberge mit angeblich über 120 Betten vorbei. Schon der erste Eindruck schien uns etwas seltsam, war doch alles irgendwie religiös angehaucht. Auch das riesige Gelände ohne eine einzige Menschenseele machte einen gespenstischen Eindruck. Ob hier alles schon geschlossen ist? Wir folgten den Wegweisern in Richtung Rezeption, wo uns zu unserer Überraschung eine offene Tür und eine leere Theke begrüssten. Nach einigen Warteminuten näherte sich eine etwas neben den Schuhen stehende junge Dame, der wir unser Anliegen näher brachten. In überfreundlichem, aber stillen Ton erwiderte sie uns in ihrem Schwenglisch, dass sie sich erkundigen würde, ob etwas frei sei. Natürlich ist hier etwas frei, dachten wir uns – es war ja keine Menschenseele in diesem riesigen Gelände zu sehen. Doch weit gefehlt: Es sei alles voller Konfirmanden. Wenn das nicht irgendeine weit her geholte Ausrede war, um zwei schwarz gekleidete und böse dreinblickende Gestalten loszuwerden…

Auf alle Fälle haben wir uns nun etwa vier Kilometer südlich unseres eigentlichen Ziels Jönköping in einer Jugendherberge niedergelassen, wo wir das letzte noch freie Doppelzimmer belegen. Und obwohl der direkte Weg nach Jönköping rund 1650 Kilometer lang wäre, zeigt der Kilometerstand schon beinahe 1900 km an. Dies zeigt: wir geniessen die unzähligen Irrwege durch die Wälder an den Seen vorbei und gönnen uns den einen oder anderen Abstecher…


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13.08.07

Auf in den Norden!

Ab morgen geht es für mich in Richtung Norden. Mein letztes Studiensemester werde ich an der Jönköping International Business School am Vätternsee verbringen. Im ersten Monat wird mich Mandragora auf meinem Weg durch die nordischen Gebiete begleiten. Wir werden an dieser Stelle in der Blog-Rubrik "im hohen Norden: ein Trip nach Schweden" laufend berichten, wie es uns ergeht.

Für mich heisst es heute noch, die wichtigsten Sachen packen und meinen Vierräder auftanken, denn Mandragora und ich werden uns ab morgen schrittweise per Auto Schweden nähern. Geplant sind nur ein paar provisorische Stationen, so werden wir am Dienstag in der Region Hannover übernachten und uns danach weiter in Richtung Kopenhagen bewegen. Am Samstag ist dann die geplante Ankunft in Jönköping.

Ich hoffe, ihr werdet in dieser Rubrik etwas mit uns miterleben können und wünsche euch deshalb auch eine schöne Reise!


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