Synnove - The Whore And The Bride (2008)

SynnoveStil: Unblack / Death / Doom Metal

Label: Soundmass

Punkte: 5/13

Spielzeit: 49:26

Synnöve sind verdammt kompliziert. Nicht etwa ihre Musik. Eher das Drumherum. Dabei geht es um eine Erscheinung in der Metal-Szene, die von vielen Seiten sehr kritisch gesehen wird. Einflüsse christlicher Religion in der Musik.
Nach mehrmaligem Durchhören der aktuellen und zum rezensieren vorliegenden Scheibe "The Whore And The Bride" schlagen sich diese Einflüsse bei den Australiern von Synnöve zweifelsfrei in den Texten nieder. Was aber macht das Ganze so kompliziert? Es ist der Fakt, dass Synnöve scheinbar einen Hehl daraus machen, ihre Ideologie, ihren Glauben endlich einmal eindeutig beim Namen zu nennen und Tatsachen auf den Tisch zu schmeissen (oder vielleicht eher auf den Kirchaltar?). Wie dem auch sei. Das Hauptaugenmerk soll zunächst auf der musikalischen Seite der Doom / Death Veröffentlichung liegen.

Beim Anhören fällt als erstes auf, dass die Beschriftung der Synnöve-Schublade ausnahmsweise relativ zutreffend gewählt wurde. Die wesentlichen Doom-Einflüsse spiegeln sich im gelegentlichen Mid-Tempo wider, das den Spielraum für die heroischen, dem Männerchor entsprungen zu sein scheinenden Clear-Vocals von Sänger Brad bereiten; die ziemlich genau an eine Synthese aus ICS Vortex (Dimmu Borgir) und Østen Bergøy (Tristania) erinnern. Üblicherweise folgen auf diese Doom-Passagen Knüppelarien mit schaumigem Gekreische, die den Death-Part des Albums ausmachen.
Die Mischung wirkt oftmals ein wenig konfus und unstet, die Gitarren klingen von der Spieltechnik her ein bisschen wie eine Stahlpresse, die dargebotenen Riffs sind grossteils keine Soundbomben und werden – was irgendwann wirklich gewaltig nervt – rauf und runter gespielt, ohne Ende. Bei manchen Liedern schämen die Australier sich nicht, Minuten um Minuten mit den selben 4 Takten zu füttern ohne irgendwas zu ändern. Das sprengt irgendwann jede Geduldsschwelle und bringt selbst ein Drone Doom gewöhntes Gehör zum revoltieren.
Wer sich beim Erspähen der Sängerin und Ehefrau des Frontmannes Stephanie im Booklet schon sabbernd auf ein paar Arien á la Tristania oder Therion freut wird mehr als nur enttäuscht. Ihre Stimme taucht kein einziges mal wirklich hörbar auf und sie fristet ihr Dasein auf "The Whore And The Bride" einzig und allein am Bass.
Ganz ehrlich, "The Whore And The Bride" ist kein Morgenstern am Weihnachtsabend. Musikalische Erfahrung ist vorhanden, die Technik wird sehr gut beherrscht, trotzdem – langweilig und ohne Höhepunkte, monoton, gefühlskalt und eine Atmosphäre wie beim Gottesdienst.

Das führt direkt zum richtig interessanten Teil der Platte - den Texten und dem Hintergrund. Kurz gefasst geht es bei Synnöve immer um den unbedeutenden Einzelnen vor Gott, das Leid der Welt und Sündern, die letzten Endes allesamt vor der Gnade des Heilands erstarren und dem Kreuze frönen. Zugegeben, über die interpretatorischen Möglichkeiten der Texte kann man noch streiten. Forscht man aber mal ein wenig nach, was es mit diversen Anmerkungen im Booklet auf sich hat, wird schnell deutlich, das die gefahrene Jesus-Schiene absolut ernst gemeint ist. Demnach sympathisieren Synnöve mit einem christlichen Biker-Club namens "God Squad" (ich stelle mir dabei Priester in langen Gewändern auf Mopeds vor) und die Bandmitglieder richten Danksagungen an Gott und ihre jeweiligen Gemeinden.
Das beste kommt trotzdem immer zum Schluss: Sänger Brad Bessel kommt Ende August in den Genuss der Priesterweihe bei der "Communion of Evangelical Episcopal Churches" die er sogar von einem Bischof entgegennehmen wird. Seine Aufgaben bestehen zukünftig darin (kein Scherz) "[...] das Evangelium in extreme Subkulturen zu bringen, sie in eine Beziehung zu Jesus Christus zu geleiten und ihnen zu helfen, Gottes Absichten für ihr Leben zu erfüllen." (C.E.E.C. – Homepage)
Bei Brad Bessel handelt es sich also um einen waschechten, kirchlich anerkannten Metal-Missionar. Ich frage mich, ob man Synnöve auch auf Gottesdiensten der Gemeinden spielt und ob Brad mit seinem Corpsepaint zur Priesterweihe erscheint (mit dem er übrigens aussieht wie Nicholas Barker).

Mit den vorliegenden Informationen über die Band könnte man noch Seiten über Seiten füllen, was ich mir aber sparen werde. Das wichtigste ist gesagt, auf den Weg mitzugeben ist der Leserschaft vielleicht noch Folgendes: Wer sich "The Whore And The Bride" der Musik wegen zulegen will, sollte lieber auf altvordere Bands der Genres Doom, Black oder Death zurückgreifen. Der Markt bietet wesentlich bessere Scheiben, selbstverständlich auch Neuerscheinungen, als es bei der aktuellen von Synnöve der Fall ist. Wer sich hingegen gern missionieren lässt, auf starke christliche Einflüsse steht und gelegentlich ein paar augenscheinlichen Satanisten hinterherhetzt, darf es nicht verpassen die unscheinbare Sparte des Unblack Metal durch den Kauf von "The Whore And The Bride" zu unterstützen.




Tracklist:


01. Funeral For Innocence
02. Rhythms Of The Apocalypse
03. The Whore And The Bride
04. Non Servium
05. Sangreal
06. The Cry Of Creation
07. The Last Lament
08. Lindisfarne


Bandkontakt:


http://www.myspace.com/synnovemetal

Ähnliche Bands

SorrowStormEternal EmperorAzmavethAdmonishShadows of Paragon

Kommentar schreiben


Du musst eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.
Bist du noch nicht registriert? Du kannst dich hier gratis registrieren.

bisherige Kommentare:

Kommentar von Skørge:
Also ich find die nicht so schlecht. Allerdings wirken einige Lieder aus dem Album ziemlich in die Länge gezogen und werden dadurch total langweilig. Besonders bei einem Lied "Lindisfarne" dachte ich mein Rechner sei kaputt da ich dauernd das selbe gehört habe nämlich "oho ho hoo". ( ca. ab Minute 03:00) Passt zwar jetzt zur Weihnachtszeit aber es nervt ab dem 4ten "oho ho hoo" einfach nurnoch. Ich sehe Potenzial in der Band. Ob die was draus machen weis keiner. Die sollten sich mal Antestor oder Admonish zum Vorbild nehmen, die Jungs machens richtig.
>> Antworten ansehen

Netzwerke


Nutzerwertung

Bitte loggen Sie sich ein, um abzustimmen.

Bisher haben 2 Leute mit durchschnittlich 6.5000 Punkten abgestimmt

Verfasser

Autor
Schlaf

Bookmark setzen

 @ to Google Bookmark  @ to bloglines  @ to newsgator  @ to digg  Bookmark @ del.icio.us  Bookmark @ Mister Wong  Bookmark @ isio.de  Bookmark @ reddit  Bookmark @ blinklist  Bookmark @ technorati  @ to blogmarks

Toolbox

Artikel Drucken Artikel Drucken
Artikel Kommentieren Kommentieren
Artikel zu Favoriten Zu Favoriten
>> Anmeldung nötig

Partner



© Schwermetall.ch