Hypnosia - Extreme Hatred (2000)

HypnosiaStil: Thrash / Death Metal

Label: Hammerheart Records

Punkte: keine Wertung

Spielzeit: 38:40

Ich geb's besser gleich zu - der Retrotrend in der Metalszene hat meiner Meinung nach längst höchst groteske Züge angenommen, und beim Anblick von Coverartwork und Titel dieses ersten Hypnosia Longplayers habe ich erstmal einen tiefen Seufzer ausgestossen. Von Möchtegern Old School Thrashscheiben mit künstlich auf alt getrimmter Schrammelproduktion habe ich nämlich schon seit mindestens einem Jahr die Schnauze gestrichen voll. Glücklicherweise haben Hypnosia mit diesem Mist nicht das Geringste zu tun. Die Schweden sind schon seit 1995 aktiv und haben es in dieser Zeit auf zwei Demotapes und ein Minialbum gebracht. Wir haben es hier also nicht mit irgendwelchen Trendreitern zu tun, sondern mit einer Band, die diesen Sound aus Überzeugung spielt und es schon getan hat, als sich noch kein Schwein dafür interessiert hat.

Hat man erstmal den Schock über die arg schwarzmetallastigen Vocals überwunden, fällt schon nach den ersten Takten des Openers "Extreme Hatred" auf, dass Hypnosia sich unter Old School offensichtlich was anderes vorstellen als eine billige Ausrede für geklaute Riffs und eine lausige Produktion. Das Album glänzt nämlich durch einen modernen und furztrockenen Sound, wenn auch die Drums vielleicht etwas gar klinisch klingen. Ausserdem operiert man entgegen dem äusseren Eindruck nicht unbedingt mit sonderlich trendkompatiblen Stilelementen. Hypnosia spielen diese Mischung aus Thrash und Death Metal, die eigentlich auch zur Blütezeit des Death Metal Booms in den frühen Neunzigern nicht sonderlich populär war. Vieles erinnert an so sträflich unterbewertete Bands wie Demolition Hammer oder Hypnosia's Landsleute von Merciless. Manche Riffs könnten auch von alten Possessed oder Dark Angel Scheiben stammen. Ziemlich kultige Mischung also.

Die Songs haben solche Vergleiche allerdings eigentlich nicht nötig. Hypnosia haben nämlich ein exzellentes Händchen für interessante Tempowechsel und coole Breaks fernab von ödem Strophe/Refrain Einheitsbrei. Hier sticht vor allem das ziemlich unvorhersehbar strukturierte "Comatose" heraus, das aber trotz aller Breaks dank der coolen Vocallines auch einer der eingängigsten Songs der Scheibe ist. Der definitive Anspieltip ist aber das superkurze "Hang ’Em High", wo sich die songwriterischen Qualitäten der Band am deutlichsten zeigen. Obwohl der Song unter zwei Minuten lang ist, ist er vollgestopft mit Breaks, ohne dadurch wirr oder unzugänglich zu wirken - Hypnosia haben eben von den frühneunziger Death Metal Bands gelernt, dass sich schlüssige Songs auch ohne Strophen und Refrains zusammenzimmern lassen. Der Rest der Songs ist irgendwo zwischen "Hang ’Em High" und dem überlangen Rausschmeisser "Traumatic Suffering" angesiedelt, wobei man sich sichtlich um Abwechslung bemüht. Insbesondere Drummer Mike Sjönstrand zieht alle Register seines nicht unbeachtlichen Könnens, um zu verhindern, dass man in eintöniges Geklopfe verfällt. Als siebten Track hat man zur Auflockerung das sehr stark an Metallica zu ihren Glanzzeiten erinnernde Instrumental "Gates Of Cirith Ungol" auf der CD plaziert, was ebenfalls zur Abwechslung beiträgt.

Das Album ist als Ganzes vielleicht etwas unglücklich strukturiert. Offenbar wollen Hypnosia unbedingt mit den ersten paar Songs allen beweisen, wie irre schnell sie spielen können, und haben deshalb mit "Extreme Hatred", "Circle Of The Flesh" und "The Last Remains" drei relativ ähnlich gestrickte Highspeedklopfer an den Anfang gestellt. Schade eigentlich, denn ab dem vierten Track, "Operation Clean-Sweep", übrigens ein absoluter Nackenbrecher, der genausogut auf Dark Angel's Klassiker "Darkness Descends" stehen könnte, hören sich kaum noch zwei Songs irgendwie besonders ähnlich an. Den Demolition Hammer mässigen Tempowechsel hat nur "Act Of Lunacy", "My Belief" ist der einzige Song, der überwiegend im Midtempobereich angesiedelt ist, und so weiter.

Natürlich werden Hypnosia für diese Scheibe kaum einen Originalitätspreis gewinnen, und es gibt, wie bei dieser Stilrichtung halt üblich, so gewisse Riffs, die fast in jedem Song auftauchen, aber das kann absolut gar nichts daran ändern, das "Extreme Hatred" in erster Linie ein herrliches Sammelsurium von absoluten Killerriffs ist, von vorne bis hinten gespickt mit coolen, eingängigen Vocallines, interessanten Breaks und Tempowechseln. Die Jungs haben offensichtlich Spass an dem, was sie hier machen, und die Scheibe macht ganz einfach auch enormen Spass.




Tracklist:


01. Extreme Hatred
02. Circle Of The Flesh
03. The Last Remains
04. Operation Clean-Sweep
05. Comatose
06. Act Of Lunacy
07. Gates Of Cirith Ungol
08. My Belief
09. Hang ’Em High
10. Traumatic Suffering


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