Myth of I
Veröffentlichung April 2020
Format CD
Hinzugefügt am Montag, 09. März 2020
Genre Death Metal
Jahr April 2020
Land USA
Label The Artisan Era
Tags Progessive Death Metal Death Metal Jazz Metal

Myth of I

Review

Kein Gesang, keine besondere Instrumentalisierung, klassische Besetzung mit zwei Gitarren, Bass und Schlagwerk, eine Band aus den USA: Das kann also nur ein fürchterlich langweiliges Machwerk werden. Weit gefehlt.

Die zwei Gitarrenhelden Jennings Smith und Tyler Fritzel, ihres Zeichens Absolventen des Berklee College of Music, lassen keinen Finger unbewegt und überwältigen mit einer kompositorischen Komplexität, die in dieser Raffinesse noch nie da war. Der Trommler Matt Lippa sowie Aodán Collins, der nicht nur des Basses, sondern auch des Cellos mächtig ist, ergänzen das Boston-Quartett mit Rhythmik, die weder berechenbar noch fassbar ist. Bei derart hochkalibriger Technikaffinität und musikalischer Professionalität besteht wohl eher die Gefahr, dass sich der Hörer komplett verirrt oder vor lauter Technik die Seele wegstirbt. Doch auch das ist weit gefehlt.

Denn die Verwirrungen aus den argen Welten des abgründigsten Jazz, den abgestumpften Klängen des Todesstahls und die vertrackten Wege des Progressive Metal zwingen zum Lauschen, nein zum Zuhören. Trotz fehlendem Gesang passiert hier dergestalt viel, dass jeder Durchlauf eine neue Entdeckungsreise ist. An alles haben die Vier gedacht. Ausser natürlich an den Gesang. Das wäre auch zu viel des Guten gewesen. So kann sich der Hörer voll und ganz auf das musikalische Spektakel besinnen. Und gerade wenn dieser glaubt, dass es ihm zu viel wird, kommt sie: die erlösende Melodie. Sie ist die befreiende Seele in den tiefen Windungen des „The Myth of I“-Nervensystems.

Das selbstbetitelte Werk ist eine Reise zu den bösen Orten von Jazz und Death Metal, ein Gang in die Abgründe einer chaotischen Zeit. „The Myth of I“ ist Zerreissprobe zwischen technischen Erforschungen und einer Exkursion in die kosmische Unruhe. Wer mit Meshuggah, Opeth und Dream Theater gut lebt und von Cynic oder Persefone begeistert ist, für den sollten „The Myth of I“ nicht ungehört bleiben.

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