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Erwachsen werden?

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GoatMolestor
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Beitrag von GoatMolestor » 23.07.2006, 18:57

ticino1 hat geschrieben:Die letzte ist echt eine überflüssige Frage, ned?
Nein, nein. Für die Hopper ist das nämlich so: Wenn man Metal hört, ist man nicht Teil eines Ghettos und somit hat man keine Freunde.

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Venom
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Beitrag von Venom » 23.07.2006, 19:04

Ich kann den ersten Beitrag von ticino ohne Anmerkung unterschreiben.

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Oktofalz
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Beitrag von Oktofalz » 23.07.2006, 19:47

als ich noch kind war sagte die mutter eines freundes immer ich sei für mein alter saupervers.. im nachhineine sehe ich das "saupervers" eher als "frühreif" :lol: wenn ich mich so umschaue..

ist halt ansichtssache, viele dinge sind für mich saukomisch, auch wenn (oder gerade weil) es andere saudämlich finden

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Aconitum
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Beitrag von Aconitum » 23.07.2006, 21:04

Kindisch definiert sich doch dadurch, dass jemand unreif ist und naiv... Was soll an rumalbern und Humor denn naiv und unreif sein? Ich denke im Gegenteil: Dingen mit Humor zu begegnen oder gar Sarkasmus finde ich meist erwachsener, als alles bierernst zu betrachten.
Mein Freund ist fast ständig am rumalebern, ich find´s toll. Lieber zusammen viel lachen und mit 50 noch hübsch sein, als den ganzen Tag mit ernster Miene und verschränkten Armen nebeneinander sitzen und hässliche Stirnrunzeln zu bekommen. Das Leben is kurz, Lachen macht´s schöner.

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Beitrag von wolf in schafspelz » 23.07.2006, 21:43

Tja, was soll ich denn sagen... Ich bin 35, und jeder der mich kennt, stuft mich als 'gemeingefährlich' ein. Nicht nur dass ich den ganzen Tag durch der Pausen-Clown spiele, ich bin auch eindeutich zweideutich in Gesprächen. Zur Unterhaltung bestens geeignet, kann mann sagen.
Im Gastgewerbe ist dies ( in kleinere Massen als bei mir) erwünscht, weil wer will eine saure Serviertochter am Tisch. Bei mir ist aber die Position als Inhaber teilweise das Verhängnis. Sarkasmus oder schwarze Humor (z.b. bei ein Leidmahl, hinter die Coulissen, meinen dass das Geräusch von Kartoffelsalat rühren ähnlich ist wie über ein 3 Wochen altes Grab) ist was mir vorgeworfen wird aber ich habe mittlerweile schon einige 'schräge' Sachen gesehen. Das härtet ab. Wenn etwas schief geht, ist mein Ablauf immer: Ein Witz, die Situation entschärfen (Personal beruhigen), Problem lösen. Schimpfen kann ich nachher wenn ich wieder Zeit und Lust dazu habe. Was meistens nicht der Fall ist. Pervers? Ich? Ja. Nicht immer witzig? Mir egal. Ich muss mir gefallen....

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Devils Child
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Beitrag von Devils Child » 24.07.2006, 01:51

mal rein sozialwissenschaftlich betrachtet:

kindisch sein = entwicklungsverzögert. punkt.

aber es gibt keine wissenschaftlichen beobachtungsbögen, die den humor zum thema haben...
ergo ist die frage irrelevant...
jeder so wie es ihm oder ihr beliebt...

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Beitrag von vomit » 24.07.2006, 10:58

das mädel denkt wohl sie habe die weisheit mit löffeln gefressen...!

mir persönlich sind humorvolle, rumblödelnde personen sympathischer.
-gesunder humor hat nichts mit kindischem verhalten am hut!

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Beitrag von Christian Hate » 24.07.2006, 11:17

Man kann sich auch durchaus manchmal kindisch verhalten und trotzdem Erwachsen sein. Das Kriterium, dass wichtig ist, heißt Selbständigkeit. Beispielsweise das Führen eines Haushaltes, arbeiten, usw.
Bei mir im Freundeskreis haben alle einen recht komischen/kindischen Humor, trotzdem sind es zum Großteil alle Leute, die in ihrem Leben was erreicht haben. Und sei es nur das Abitur

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fox
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Beitrag von fox » 24.07.2006, 11:54

Zum Thema folgende Anekdote von gestern Abend:

Typisches Gartenfest bei sozial engagierten, aber unter der rosa Fassade schon sehr geld-, status- und karrieregeilen Jungbürgis, Hochschulabsolventen und Berufseinsteigern. Mischung: Ganze Ausserschweiz, einige verloren wirkende Deutschfreiburger, die Handvoll befreundete ewige Studenten aus Deutschland, Holland, Spanien usw. ein paar welsche Nachbarn und der androgyne Quotenneger. Rahmen: Grosser Tisch unter alten Bäumen, stattliche Hütte im Hintergrund ("ja wir hatten halt Glück, wir leben hier zu zehnt, drum können wir uns das leisten, doch doch, hier kommen alle super miteinander klar, weisst du, uns ist es eben sehr wichtig, miteinander sozial zu sein und solidarisch mit den Schwächeren... doch, mit den Patres und den Pfarreileiterinnen von nebenan kommen wir super klar, die leben ihren Glauben so überzeugend... blablabla" - kotzwürg). Was fehlt noch? Ah ja, die Montepulciano- und Polohemdsaison ist offenbar eröffnet.

Und jetzt passiert folgendes: Fox betritt die Szene, schwarzgewandet wie immer, in Shorts, weil's heiss ist, mit klaffenden Tätowierungen und mir wirrer blonder Matte (hatte zuvor noch Schlaf nachgeholt nach dem harten Wochenende :wink: ). Augenblickliches Getuschel, schmunzelnde bis irritierte Blicke. Nur blöd, ich wurde vom Geburtstagskind und frisch gebackenen Absolventen, dem gutmenschlichen, alle liebenden und von allen geliebten Gastgeber persönlich eingeladen. Ein guter alter Freund eben. Also bleibt die Meute formal anständig, sagt knapp hallo oder ignoriert mich betreten.

Es ist Sonntagabend und ich habe wie gesagt ein aufreibendes Wochenende in Basel hinter mir. Im ersten Moment gebe ich mich ruhig, fast schon etwas gelangweilt. Sage kaum was, schmeisse mein Zeug auf den Grill und inspiziere die Salate. Mit meinem Gastgeber mache ich lockeren, gepflegten Smalltalk über den heissen Sommer, meinen Schottlandurlaub und über den schönen Garten. Die Runde atmet erleichtert auf, eine ganz mutige Dame im Sommerkleidchen fragt mich sogar, ob ich auch ein Glas Mineral möchte, Taustimmung. Der Bruder meines Gastgebers ist leicht behindert und entdeckt mich am Tisch (wir sind mittlerweile gut 40 Leute an dieser Party), freut sich, setzt sich dazu, weil er mich noch von vor 4 Jahren kennt. Ich bin sehr nett zu ihm, frage nach seinem unglaublich spannenden Leben, zeige den arroganten Wichsern rund um mich herum, dass ich einfühlsam und dezent sein kann. Alles scheint seinen gequälten, friedlich-freundlichen Lauf zu nehmen, da stellt mir jemand eine feine Flasche Wein vor die Nase...

Die Stunden vergehen, Feuer werden entzündet und ich fange an, mir den Brand anzutrinken, der mich in diesem Moment zerreisst. Vor dem flackernden Glück liege ich neben zirzenden Pärchen und dem erwähnten kleinen Bruder, der mich in sein einfaches Herz geschlossen hat und den ganzen Abend wie Rotz an meinem Ärmel hängen bleibt, und höre mir all diese spannenden, grossartigen, fantastischen und wichtigen Dinge an, die es in der Welt der Mittelstandszombies so gibt.

Der kleine Bruder entdeckt derweil Susanne, die seit unserer letzten Begegnung noch herziger, noch arroganter und noch verklemmter geworden ist. Diese Baustelle ist für mich im Spätsommer 2002 endgültig erloschen, doch der kleine Bruder stellt gerade fest, dass ihn seine dicken Eier zu jucken beginnen. Also tut er etwas, was man mit fox niemals tun darf: Er beginnt, über Frauen zu reden und im Speziellen über Susanne, der er seine Visitenkarte unter die Zigarettenschachtel gelegt hat. Und ich beginne mitzureden, angeregt durch den wirklich guten Wein (noch habe ich den australischen Kopfwehtropfen nicht gefunden) philosophiere ich über das Weib als Gattung, die mir schon soviele Ohrfeigen verpasst hat. Dann kommen wir zum konkreten Fall, zu Susanne. Ich erzähle ihm wahlweise, wie prüde und kompliziert sie sein kann, wie ihre Möse aussieht und warum sie morgens den Duft von frischem Kaffee liebt. Der kleine Bruder ist begeistert und ich beginne mich vor seinen glänzenden Augen und der sichtbaren Beule in seiner Hose zu fürchten. Locker und weinselig schwenke ich zu einem Thema über, das mir mehr liegt als das Weib: 'Der Mensch', mit dem thematischen Seitenstrang 'Der Untermensch'.

Inzwischen beginnt das improvisierte Feuer (Akademiker sind keine Pfadfinder), das staubtrockene Gras anzusengen. Der kleine Bruder will Feuerwehrmann spielen, doch fox ist bereits im alkschweren Redefluss und jetzt gibt's kein Erbarmen, ich packe ihn, setze mich oben am hügelig abfallenden Herrschaftsgarten auf die Kuppe und erkläre ihm sec und zynisch, warum die Menschheit überflüssig ist, warum im Speziellen die pathetischen Kreaturen um uns herum brennen sollten, wie widerlich sie mit all ihren oberflächlichen, armseligen und kleingeistigen Eitelkeiten wirken. Ich brauche gar nicht laut zu werden, wir haben uns mitten in ein Nest von dieser Sorte gesetzt und die Raubtiere augenblicklich auf uns aufmerksam gemacht.

Der kleine Bruder quiekt vergnügt, längst hat sein kleines Lämpchen den Geist aufgegeben und er erfreut sich an meinen Metaphern und rhetorischen Figuren wie ein kleines Kind, das sein Kinderbuch noch nicht lesen kann, aber von den bunten Bildchen gefesselt ist. Die selbsternannte akademische Nachwuchselite hingegen hat den Braten gerochen und verdüstert die Minen. Fox hat den Handschuh mitten in ihre selbstgerechte Fresse geschmissen und jetzt folgen die Worte und Sätze wie Nadelstiche ins wohlbehäbige Fleisch.

2 Stunden später habe ich 10 Leute von der Party vertrieben. Es bedurfte keiner Handgreiflichkeit, ihnen gefiel einfach der Diskurs nicht oder sie waren zu blöde, das Gesprächsruder zu ihren Gunsten herumzureissen. 6 weitere Leute haben sich um mich geschart und werden mit jedem Wichser, der das Handtuch wirft, freundlicher und vergnügter. Auch mein Gastgeber ist natürlich inzwischen hier und rutscht verlegen hin und her, wissend, dass wir haarscharf an einer Katastrophe vorbeigeschlittert sind. Zuletzt schüttle ich den kleinen Bruder herzlich, aber bestimmt ab und erlöse das Fest von mir. Als herzloser und zynischer Fascho nehme ich natürlich noch einen Hippie mit ins Stadtzentrum, der sich auf dem Heimweg kurzerhand noch zum Single Malt bei mir oben einlädt. Heute morgen finde ich sieben neue Telefonnummern auf meinem Natel vor und zwei SMS, eins davon vom Gastgeber, es sei ein schöner Abend gewesen und er bedanke sich nochmals für den Bordeaux, den ich ihm mitgebracht habe. Gutwetter ist angesagt.

Ich lösche die neuen Nummern wieder und verdanke meinem Gastgeber meinerseits das gute Essen, mit besonderen Grüssen und Wertschätzungen an seinen kleinen Bruder, blablabla. Danach steh ich auf, ich habe Durchfall und muss fast kotzen. Der Vorabend geht mir nochmal rauschvoll durch den Kopf und dann die getuschelten Kommentare, die am frühen Abend noch so klangen wie: "Wird der wohl mal noch erwachsen - dieser Heavy Metal Stil, das ist doch voll unreif - schau dir mal diese Haare an - der hat das gleiche tätowiert, was um seinen Hals hängt, und diese Runen, ich glaube, das ist ein Nazi!!". Zu später Stunde hiess es dann: "Ja, von dir haben wir schon gehört, du bist ein Freund von so und so (ich berichtige: unter euresgleichen habe ich und will ich keine 'Freunde', da mir dieser Term dafür zu heilig ist)... Ich würde gerne mal deine Lizarbeit lesen... Toll, du hast über Sartre und Nietzsche promoviert?... Was hältst du vom Nahostkonflikt??..."

An einem Abend war ich Hure und Heiliger, Fascho und Genie, Arschloch und neuer ulkiger Szeneexot, den man ganz bestimmt bald einzuladen verspricht und dem man unbedingt die Natelnummer geben muss. Und nach den ganzen charmanten Schubladen, die ich gestern temporär einnehmen durfte, kamen die üblichen Warmherzigkeiten im Stil von: "Was, eine Altstadtwohnung hast du auch? Mike ist dein Nachbar? Ja nein sowas! (Anmerkung des Verfassers: Das ist der Quotenneger!!!) Du, wir wohnen gleich in der übernächsten Strasse - wir könnten doch mal vorbeischauen, nicht? Wäre doch nett... Ah, und wie hiess deine Musik noch gleich, Death Metal? Du, ich hab in der Sek damals Gitarrenstunden gehabt, so Lieder von John Lennon und so, weisst du, das hat mir immer grossen Spass gemacht. Ja, heute mach ich halt mehr elektronische Musik, im Adagio in Zürich, weisst du. Ich kann dich sonst mal auf die Gästeliste setzen..."

KOTZ!!! Der australische Fusel will schon wieder raus.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wie Steiner es schon gesagt hat, die Leute sind nicht dazu gemacht, die Mehrheit ihrer Mitmenschen zu verstehen. Sie sind schnell im Urteilen, schnell im Streiten, schnell im Verzeihen und schnell im Sterben - so sollte es bleiben, dann haben wir die Pannenstory Menschheit vielleicht auch schnell überstanden.

Insomnivs

Beitrag von Insomnivs » 24.07.2006, 12:29

Ach Fox, es ist schön zu lesen dass solche Abende nicht nur unter "Jugendlichen" stattfinden und ich mir sicher sein kann, auch in 10 Jahren noch irgendwelchen Bekannten von Bekannten in ihre treudoofen Rehaugen den puren trunkenen Menschenhass zu kotzen und mir so jegliche Chancen beim Anfangs doch noch recht interessierten Weibsvolk zu versauen.
Immer das selbe auf den fremdterritorialen Parties...

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