Einst weilte der grösste Teil dieser Band unter dem Namen Manifest in der härteren, technischen Metalszene. Doch als diese sich auflöste (die Band, nicht die Szene, hehe), entschlossen sich einige der Mitglieder, ein Gothic Rock lastiges Projekt zu starten, und fortan war Daeonia geboren, wobei Daeonia das Ergebnis eines schon länger bestehenden Projektes namens Aeon sein dürfte, in welchem man sich schon zu Manifest Zeiten als Gothic Trüppchen versucht hatte.

Wenn wir jetzt bei Daeonia von Gothic Rock sprechen, darf man sich nicht unbedingt Bands wie HIM oder The 69 Eyes vor Augen halten, denn auf Crescendo beschränkt sich der Einsatz der Gitarren tatsächlich auf Rockmusik und schiebt nicht ein paar härtere Riffs dazwischen, um auch mit dem Metalvolk ein wenig zu liebäugeln. Auch Vokalist Louis, der neuste Zugang bei Daeonia übrigens, versucht nicht, unnötig gotisch tief zu klingen, sodass das Gesamtbild von Crescendo eher in die Richtung von Diabolique oder anderen, sanften Gothic Rock Bands tendiert. So bewegen sich Daeonia zwischen leicht beswingter Düsternis und zurückhaltender Besinnlichkeit. Letztere zeigt sich besonders gut beim stillen Stück Within The Blink Of An Eye, bei dem sich Jorrit mit seinem geliebten Piano voll in Szene setzen darf. Ein schönes Instrument, wenn man es spielen kann, und Jorrit beweist, dass er auch ohne Steckdose träumerische Klänge herbeizaubern kann, wobei er natürlich auch den Synthesizer nicht verachtet. Eric und Michael halten ihre Gitarren zwar permanent elektrifiziert, arbeiten aber mit einem Minimum an Verzerrung (wenn überhaupt). Auch hier fällt auf, wie zurückhaltend sich diese beiden Herren mit ihren doch ansonsten so dominanten Instrumenten präsentieren. Selbst bei den Leadparts geben sich die Beiden banddienlich und bescheiden, sodass die Musik auf Crescendo niemals ihre ausgeglichene Balance verliert.

Crescendo ist eigentlich erst das zweite full-lenght Album von Daeonia, was vor allem daran liegt, dass nach der Aufnahme zum Debut im Jahre 1997 bandintern einiges schiefgelaufen ist. Dazu gehört sicherlich auch der Weggang des damaligen Sängers. Andersherum gesehen hatten Daeonia dadurch aber auch eine Menge Zeit, an den neuen Titeln zu arbeiten. Musikalisch scheint sich das absolut gelohnt zu haben. Die Gesangslinien von Louis hingegen haben oftmals nicht die nötige Ueberzeugungskraft, um den Rezensierer in Lobhudelei verfallen zu lassen, da sich diese viel zu bewusst daran orientieren, nicht zu sehr von den instrumentalen Vorgaben abzuweichen. So singt Louis viel zu streng "um seine Kollegen herum", anstatt die Titel mit eigenen, stimmlichen Melodien zu komplettieren.

Crescendo ist sicherlich noch kein Homerun, aber die zweite Homebase schaffen Daeonia damit sicherlich allemal. Bleibt zu hoffen, dass kein Baseball Experte diesen Artikel liest, denn dann würde er sicherlich feststellen, dass meine Wenigkeit keinerlei Ahnung von diesem Sport hat. Doch der Vergleich hört sich ziemlich cool an. Den musste ich einfach bringen...

Albuminfo

Punkte

 

0/5

Label

Candlelight Records

Veröffentlichung

3/2001

Format

CD

Land

Genre

Gothic Metal