Nach dem Amethyste mehr als zehn Jahre im französischen Untergrund herum gedümpelt sind, gibt es mit "Thrown Off Balance" nun einen Langspieler, der als repräsentativ gelten soll. Immolation und Morbid Angel, die Death Götter aus den USA, sind ohrenscheinlich die Lehrmeister für diese Pariser Musikanten gewesen. Aufmerksame Schüler waren sie fraglos, aber wie es so oft ist: Den Meister nachahmen reicht nur in den wenigsten Fällen aus, um aus dessen Schatten zu treten.

Dass sie zumindest technisch längst dem Schüler-Stadium entwachsen sind, wird selbstbewusst gezeigt. Auf den mindestens um einen Halbton tiefer gestimmten Gitarren wird zwar nicht so extrem umhergefrickelt, wie es bei den amerikanischen Mentoren gemacht wird, aber die Riffs können zumindest aus technischer Sicht vollkommen überzeugen. Beispielsweise der Lagenwechsel aus tiefen Regionen in hohe und wieder zurück klingt sauber und im Speziellen der Saitenwechsel bei höherer Geschwindigkeit klingt noch immer wie aus einem Guss. Dafür verantwortlich sind wohl auch die Soli, die im Vergleich zu den grossen Vorbildern weit weniger chaotisch ausfallen und in den meisten Fällen wirklich gut in das instrumentale Geschehen eingearbeitet sind. Beeindruckend ist auch die Kompetenz des Bassers. Auf der CD ist ein Video enthalten, welches Amethyste bei einem Gig zeigt und siehe da: der Bass wird mit den Fingern bedient! Bei dieser Geschwindigkeit ist das keine schlechte physikalische Leistung. Kraft hat der Herr hinter der Schiessbude sicherlich auch, sonst wäre er nicht zu solchen Blast Beat und Double Bass Attacken fähig gewesen.

Die Musiker als solche sind also nicht das Problem, eher ihre kompositorischen Fähigkeiten. Wo Morbid Angel ein blutiges Massaker im Kopf des Zuhörer verrichten, bleiben bei Amethyste gestauchte Beine, aufgeschürfte Arme und vielleicht ein paar kleinere Wunden. Das kann daran liegen, dass die hier hörbaren Nummern teilweise sehr ungeschickt konstruiert sind. "A Twilight Season" beispielshalber, hier wird gegen Ende eine deutliche Spannung aufgebaut, die förmlich danach schreit in einem Inferno entladen zu werden, dann, wenn man sich sicher ist, gleich gibt es ein Blutvergiessen, ist das Stück plötzlich zu Ende. Ausserdem fehlen die Götter-Riffs und eine ordentliche Portion Brutalität. Für ersteres muss man ein wenig mehr Gespür aufbringen und für eine gesteigerte Brutalität könnte eine organischere Produktion von Vorteil sein.

"Thrown Off Balance" wird vermutlich in der Flut der Neuerscheinungen untergehen, da sie durch und durch Standart ist. Man kann sie sich gut anhören, sie nervt nicht durch Unnötigkeiten, sie ist vernünftig produziert worden, sie ist Death Metal, wie er im Lehrbuch steht, aber wenn man richtige Hammer sucht, sollte man besser bei anderen Veröffentlichungen suchen gehen.

Albuminfo

Punkte

 

3/5

Label

Thundering Records

Veröffentlichung

8/2006

Format

CD

Land

Genre

Death Metal