Black Metal meets Neoklassik meets Avantgarde - das ist nicht alleine eine bizarre, sondern im Falle von Pensées Nocturnes eine "Grotesque" Mixtur, die ihre Existenz im wahrsten Sinne des Wortes findet.
Solist Vaerohn nimmt demnach auf seinem Zweitwerk eine Unmenge roter Fäden in die Hände, die sich im Laufe der wackeren Spielzeit ebenso schnell wiederfinden, wie sie sich zuvor verloren haben, und den Hörer eher mit einem unlösbaren Gewirr vertrackter Gedankenstränge denn mit einem düsterfarbenen und doch schillernden Akustik-Gemälde konfrontieren.

Vorweg sollte klar sein, dass jeder, der nicht bereit oder dazu in der Lage ist, sich mit avantgardistischen Avancen zu befreunden, vom vorliegenden Album nicht nur vor den Kopf gestossen, sondern regelrecht erschlagen wird.
Dasjenige Häufchen traumtanzender Tapetenträger, das nach dieser Selektion übrig bleibt, darf sich beschäftigen mit einem widerspenstigen Oktopus, dessen Tentakel, jeweils mit einem Kapitel Musik bewehrt, wild um sich schlagen und zu jeder Sekunde ein abgründiges Heimweh nach den menschenfremden tiefsten Tiefen der Tiefsee implizieren, wie es zumindest mein Gehirn schon nach der ersten Viertelstunde weichgekocht hat.
Und obwohl meine Einlassungen vorwändig negativ klingen, so möchte ich "Grotesque" längst nicht als Krempel abstempeln, denn die Kunst liegt so nahe und wird von Vaerohn in gnadenloser Regelmässigkeit auch auf die Flagge geholt.
Klar, eigentlich sind die schwarzmetallischen Elemente nur Mittel zum Zweck, um den Weg in die herbe Schublade zu schaffen und man hätte mit etwas weniger Depression und noch einem Touch mehr Neoklassik einen gewaltigen Hammer auf die Beine stellen können, alles in allem wabert die Verknüpfung der Elemente aber angenehm um meine Magengrube herum und streicheln meinen Intellekt besonders dank Pomp und Piano.
Wirklich dumm, dass man bei Pensées Nocturnes keinen Ansatz findet, den man ergreifen könnte um sich daran durch die Scheibe zu hangeln - die vorgelegte Artenvielfalt ist hierfür zu üppig und unüberschaubar.

Auch die gute Produktion hebt "Grotesque" nicht in die Weltklasse, rundet aber ein Album ab, das sicherlich einige Häfen finden wird, in die einzulaufen sich lohnen könnte.
Intensive sollte daran gearbeitet werden, eine übersichtliche Anzahl von Verknüpfungen aufzunehmen und fortzuführen, anstatt sich im Kosmos zu verirren - da hilft auch vorgeschoben plakatives Kunstverständnis nicht weiter.
Hier wäre weniger mehr gewesen!

Albuminfo

Punkte

 

3/5

Label

Ladlo Productions

Veröffentlichung

7/2010

Format

CD

Land

Genre

Black Metal