Aus den Schatten von Kharkiv erhebt sich mit The Circle of the Elect ein neues Gebilde, das weniger wie eine Band, sondern eher wie ein verschlossener Zirkel wirkt – ein Ritual ohne Zeugen, ein Flüstern ohne Namen. Ihr Debüt „Kaoskarma“ trägt diese Aura des Verborgenen mit eisiger Konsequenz: keine offengelegten Identitäten, keine sprechenden Titel, nur nummerierte Fragmente, die wie Runen in eine kalte Wand geritzt sind. Interne Stimmen raunen von Verbindungen zu Grössen wie Nokturnal Mortum, doch Gewissheit bleibt verwehrt – und genau darin liegt ein Teil der Kraft dieses Werkes.
Musikalisch schlägt „Kaoskarma“ einen Pfad ein, der tief im traditionellen Black Metal verwurzelt ist, ohne je staubig zu wirken. Melodien schleichen sich wie fahles Mondlicht durch das Dickicht aus rohen Gitarren, während ein knorriger Bass unter der Oberfläche arbeitet, erdig, beinahe archaisch. Die Stücke – oder besser: Kapitel – pendeln zwischen atmosphärischer Weite und unmittelbarer Aggression. Es ist ein Klang, der nicht nur komponiert, sondern erlitten scheint, geformt von einer Umgebung, die sich in jeder Note widerspiegelt.
Dabei entsteht eine eigentümliche Spannung: kein plakatives Konzept, keine aufgesetzte Dramaturgie, sondern ein unterschwelliges Ziehen, das sich durch die Struktur frisst. Zerstörung und Erneuerung stehen sich gegenüber wie zwei sich belauernde Kräfte, die nie ganz zur Ruhe kommen. Lyrisch bleibt alles fragmentarisch – Isolation, Konflikt, inneres Brodeln –, eher angedeutet als ausgesprochen, wie Gedanken, die sich im Nebel verlieren.
Dass dieses Werk nach nur 27 Minuten endet, fühlt sich fast wie ein Sakrileg an. Kaum hat man sich in diesen Strudel aus Kälte und Melancholie fallen lassen, wird man wieder ausgespuckt – hungrig, suchend, unbefriedigt. Und vielleicht ist genau das gewollt.
Veröffentlicht am 22. Mai 2026 über Archaic Sound – ein Label, das sich bewusst dem Spirituellen, Instinktiven und Nostalgischen verschreibt – fügt sich „Kaoskarma“ nahtlos in eine Philosophie ein, die sich dem modernen Überfluss verweigert. Hier geht es nicht um Masse, sondern um Essenz.
Kein Geheimnis bleibt am Ende bestehen: Das ist grossartiger, atmosphärischer Black Metal. Düster, eindringlich und von einer Ehrlichkeit, die nicht erklärt, sondern spüren lässt. Ein Debüt wie ein verschlossenes Tor – und der Drang, es erneut aufzustoßen, ist unausweichlich.
Albuminfo
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Punkte |
5/5 |
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Label |
Archaic Sound |
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Veröffentlichung |
05/2026 |
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Format |
CD |
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Land |
Ukraine |
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Genre |
Black Metal |
Trackliste
2. II
3. III
4. IV
5. V
