Mit „The Expanse“ legt Skuggor, das Soloprojekt des australischen Multiinstrumentalisten M., sein mittlerweile viertes Album vor. Diesmal führt die Reise tief in die Wälder Nordschwedens – genauer gesagt auf die einsamen Straßen zwischen Moskosel und Arvidsjaur, wo endlose Nadelwälder, gefrorene Seen und eine fast greifbare Stille den Alltag bestimmen. Der Pressetext spricht von Schönheit und Melancholie, von Naturverbundenheit und Isolation. Große Worte, die im Atmospheric Black Metal mittlerweile fast schon zum Standardvokabular gehören.
Die Frage lautet also: Kann „The Expanse“ diese Landschaft tatsächlich hörbar machen?
Von Beginn an wirkt „The Expanse“ weniger wie eine Sammlung einzelner Songs als vielmehr wie ein zusammenhängender Zustand. Schon der eröffnende Titeltrack setzt den Ton: Weite Synthesizerflächen treffen auf rauschende Gitarren, darüber schweben verzweifelte Schreie, die eher als zusätzliches Instrument fungieren als als Träger konkreter Botschaften. Die Musik scheint ständig in Bewegung zu sein, ohne jemals wirklich irgendwo anzukommen.
Das passt erstaunlich gut zum Konzept. Die sechs Stücke wirken wie Momentaufnahmen einer langen Reise durch eine Landschaft, die gleichzeitig faszinierend und abweisend erscheint. Dabei setzt Skuggor weniger auf große Höhepunkte als auf Atmosphäre, Wiederholung und langsame Entwicklung. Wer nach eingängigen Melodien oder markanten Songstrukturen sucht, wird hier vermutlich schnell die Geduld verlieren.
Die Einflüsse sind dabei kaum zu überhören. Immer wieder schimmern die hypnotischen Wiederholungen früher Burzum-Aufnahmen durch, während die melancholische Naturverbundenheit an Drudkh erinnert. Auch Agallochs Gespür für Weite und Urfausts tranceartige Entrücktheit sind als ferne Geister präsent.
Doch anders als auf dem Vorgänger „Where Sun Resigns“, der sich für meinen Geschmack oft in seinen eigenen Mitteln verlor, wirkt „The Expanse“ fokussierter. Die Synthesizer dienen nicht bloß als atmosphärische Dekoration, sondern bilden häufig das eigentliche Fundament der Kompositionen. Die Gitarren legen sich darüber wie ein dichter Nebel, während die Vocals roh und unmittelbar bleiben.
Gerade Stücke wie „The Fire“ oder „The Storm“ profitieren von dieser Balance. Hier entsteht tatsächlich jene Mischung aus Schönheit und unterschwelliger Bedrohung, die der Albumtitel verspricht.
Allerdings bleibt Skuggor seinem minimalistischen Ansatz so konsequent treu, dass sich irgendwann auch Ermüdungserscheinungen einstellen. Viele Passagen leben von Wiederholung, von kleinen Variationen innerhalb eines gleichbleibenden Klangbildes. Das erzeugt zwar eine hypnotische Wirkung, führt aber auch dazu, dass einzelne Songs nur schwer voneinander zu unterscheiden sind.
Besonders in der zweiten Albumhälfte schleichen sich Momente ein, in denen die Musik eher vorbeizieht, als wirklich zu fesseln. Die Atmosphäre bleibt intakt, doch die emotionale Intensität schwankt. Nicht jede Idee trägt über sechs oder sieben Minuten hinweg.
Dennoch wirkt diese Monotonie hier deutlich absichtlicher als auf dem Vorgänger. Wo „Where Sun Resigns“ teilweise unfertig wirkte, scheint „The Expanse“ genau auf diesen Zustand des Verweilens und Verlorengehens hinzuarbeiten.
„The Expanse“ ist kein Album, das mit großen Gesten arbeitet. Es fordert Geduld und Aufmerksamkeit und belohnt beides nicht unbedingt mit spektakulären Momenten. Stattdessen entfaltet sich langsam ein Bild von nordischer Weite, winterlicher Stille und jener besonderen Form von Einsamkeit, die gleichzeitig bedrückend und tröstlich wirken kann.
Skuggor gelingt es diesmal deutlich besser, Atmosphäre in eine nachvollziehbare musikalische Form zu übersetzen. Zwar bleibt das Songwriting weiterhin etwas zu zurückhaltend, um dauerhaft zu begeistern, doch die Vision hinter dem Album ist klarer erkennbar als zuvor.
Wer Atmospheric Black Metal als meditative Erfahrung versteht und sich gerne in langen, nebelverhangenen Klanglandschaften verliert, dürfte hier viel entdecken. Wer dagegen nach Songs sucht, die sich dauerhaft ins Gedächtnis brennen, wird möglicherweise erneut mit leeren Händen zurückbleiben.
Albuminfo
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Punkte |
3/5 |
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Label |
Naturmacht |
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Veröffentlichung |
09/2026 |
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Format |
CD |
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Land |
Schweden |
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Genre |
Atmospheric Black Metal |
