PÖBEL, HAST DU EINE EIGENE MEINUNG??? - Schwermetall

PÖBEL, HAST DU EINE EIGENE MEINUNG???

Emotionen, Geistesblitze und Gedichte, die ihr nicht für euch behalten wollt!

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ticino1
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PÖBEL, HAST DU EINE EIGENE MEINUNG???

Beitrag von ticino1 » 29.07.2006, 11:30

Insomnius' Hasstirade bezüglich "Metalheads against racism" hat mich inspiriert. Kennt ihr das? Ihr hockt am Stammtisch, es wird über irgendetwas diskutiert. Ihr seid natürlich anderer Meinung. Wer ist das Arschloch in der Runde? Richtig: die Person die gerade diesen Text liest! Wenn es um eikleren Themen wie Rassismus, Integration, Rechtextremismus kann es sehr laut werden.

Unsere Gesellschaft zwingt uns Stereotypen auf. DU bist nicht Rechts weil es nicht gut ist; DU musst immer freundlich zu Schwarze sein weil ansonsten bist du nicht mehr gut; DU musst Xtina Aguileira mögen, sonst bist du nicht gut; usw.

Hier in Forum ist es schliesslich nicht anders. BM = Gut; Grind = null IQ und verblödet; DM = sowieso für 'n Arsch; usw.

Inwiefern seid ihr geformt worden (abgesehen von der elterlichen Erziehung)?

Lasst ihr euch von Meinungsmacher wie Blick oder Bild beinflüssen?

Habt ihr euch schon mal dabei ertappt als ihr eine Meinung hattet die nicht eure war aber euch einfach gefiel?

Roman
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Beitrag von Roman » 29.07.2006, 11:59

In den meisten Fällen ist meine Meinung relativ ähnlich zu der der anderen aber es gibt auch Fälle in denen ich ganz anders denke als mein Umfeld (in den meisten Fällen hat es damit zutun, dass ich süchtig danach bin alles evolutionär zu erklären.)
Da muss man sich oft anhören dass man dumm sei, nur weil das Fernsehen oder eine Zeitung etwas anderes sagt, deshalb lass ich es immer öfter bleiben. Ich denke mir halt meinen Teil. Ich weiß schon, normalerweise sollte man ja über alles diskutieren und ich gebe auch gerne zu wenn ich falsch liege (das kommt oft vor da ich ziemlich viel Vermutungen in den Raum werfe, die nicht ausgereift sind) aber wenn das einzige Gegenargument "Also deine Theorie ist ja voll fürn Arsch!" ist, dann bringt mich das kein Stück weiter.

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Beitrag von GoatMolestor » 29.07.2006, 12:14

Sollte ich gefragt werden, sage ich immer das was ich denke. Sollte ich nicht gefragt werden, halte ich oft meinen Mund.

Trifft im Forum nicht zu.

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wolf in schafspelz
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Beitrag von wolf in schafspelz » 29.07.2006, 12:25

Eine eigene Meinung kann sich erst einer bilden der es am eigenen Leib erfahren hat. Alles andere ist eine aufgequatschte, auf Hörsagen basierte Stellung. Wer zum Beispiel meint, er könne mit Ausländer nichts anfangen, kennt entweder keine Ausländer oder hat schlechte Erfahrungen gemacht. Beim Erste ist es eine Bildungslücke, beim Zweite Pech für den Ausländer.
Bei mir war es das gleiche mit Usurp-Athor. Ich werde mich hüten eine Meinung über ihm zu bilden bis zu den Zeitpunkt wo wir mal gemütlich am Tisch sitzen, ein Bierchen kippen und über Gott und die Welt plaudern. Ich will jemanden sehen bevor ich mir auf diese Ebene eine Meinung bilde. Bis dahin kann er mir entweder sympathisch sein oder nicht. Wie er mit mir und den anderen geschrieben hat, ist Stilsache. Er hat sehr viel Ahnung und bringt das auf humorvolle Weise rüber. Er akzeptiert aber auch andere Meinungen und hat keine Mühe damit ein Fehler (wenns einer war) einzugestehen. Wieso andere mit ihm problemen haben, ist mir egal, das ändert meine Einstellung nicht.

In der Musik gilt das Gleiche. Wer noch kein Schlager gehört hat, soll sie nicht verteufeln. Erst hören, mann kann nachher denn sagen dass es einem nicht liegt.
Aus mein Profil kann mann ja lesen dass ich nicht gleich BM-Guru bin. Kenne nicht jeder Band. Ich bin aber sehr experimentierfreudig und höre vieles an. Erst am Schluss vom Konzert wird gesagt ob es gut war oder nicht. Für das war ich zu lange im klein-Club-Circuit in Holland. Mann hat sich mit voreilige schlechte Meinungen nicht gerade Freunden gemacht.

Wer so viel Zeit und Mühe in seine Meinung steckt, wird nicht schnell seine Meinung ändern umwillen einer anderen und kann seine Meinung im Forum und auch am Stammtisch mühelos vertreten.

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Venom
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Re: PÖBEL, HAST DU EINE EIGENE MEINUNG???

Beitrag von Venom » 29.07.2006, 13:11

ticino1 hat geschrieben: Inwiefern seid ihr geformt worden (abgesehen von der elterlichen Erziehung)?
Ich höre das was mir gefällt und was mit meinen Idealen übereinstimmt. Alles andere geht mir, ehrlich gesagt, am Arsch vorbei!

DarkDrow

Beitrag von DarkDrow » 29.07.2006, 13:21

ja,
ich glaube ticino hat insofern recht, dass wir viel mehr geprägt sind, als wir eigentlich glauben wollen.

Man sieht sich gern als Individualist, einen unkonventionellen Menschen, mit anderen Ansichten, die so garnicht in das geformte Weltbild der Gesellschaft passen.

Doch konnten/können wir unsere Meinung wirklich zu 100% frei entwickeln?

Ich mach mir kaum was vor.

Einerseits weiß ich, was mich zu meiner Meinung gebracht hat, wie ich denke und fühle, was sich in erster Linie mit gemachten Erfahrungen und viele gemachten Gedanken erklären lässt, doch andererseits wird/ wurde ich auch geprägt, geprägt durch eine elitäre Szene, die kaum neues zulässt, die alles und jeden verteufelt, der nicht ins Bild passt.

Damit es zu keinen Missverständnissen führt:
Ich trage das und handle so, wie mir es gefällt.
Meine Entwicklung hat sich über einen zu großen Zeitraum vollzogen, um zu sagen, dass ich ausschließlich ins Bild passen wollte, aber wenn man sich nicht eingesteht, dass man durch andere Meinung ein Stück weit geformt wird/wurde, lebt man letztenendes fern der Realität.

Abschließend möchte ich hinzufügen, dass ich hiermit nicht die gemeine Gesellschaft benenne.
Die geht mir doch ziemlich am Arsch vorbei. Ich sprach hier eher von der Musikszene.

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Beitrag von Roman » 29.07.2006, 13:37

DarkDrow hat geschrieben: Doch konnten/können wir unsere Meinung wirklich zu 100% frei entwickeln?
:!: Genau das ist die Frage. Ich glaube nicht, dass jemand einfach so eine Meinung bekommt. Man kann entweder seine Umwelt erforschen (das ist aber sehr aufwändig und in manchen Sachen muss man einfach auf die Leute vertrauen die sich auskennen) oder sich eben die Meinung von anderen ansehen bestimmte Punkte für richtig oder falsch befinden und sich daraus ein Weltbild bauen. Deshalb finde ich es auch ein bisschen seltsam wenn Leute die Vorstellung haben dass irgendwas einfach so aus ihnen entstanden ist ohne Einflüsse von außen, dass ist nur bei den Grundlegendsten Dingen richtig.

Füttere mal einen Menschen nur mit Falschinformationen! Wie soll er von sich aus auf ein richtiges Weltbild kommen? Oder denkt ihr dass das möglich ist? :wink:

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ticino1
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Beitrag von ticino1 » 29.07.2006, 14:55

Leviathan666 hat geschrieben:Trifft im Forum nicht zu.
Dafür bin ich Dir dankbar. Mitläufer bewegen nichts. :P

Insomnivs

Beitrag von Insomnivs » 30.07.2006, 11:35

Zum BM kam ich ganz klat über die Leute die ich nach meinem Umzug kennen gelernt hatte. Vorher wusste ich ganz einfach nicht, dass es dies Art Musik gibt.

Und meine politische Einstellung hat sich in den letzten 3, 4 Jahren von ziemlich weit links (weil uninformiert) dahin verschoben wo ich heute bin.
Von Massenmedien lasse ich mich kaum (zummindest nicht bewusst) beeinflussen, 1. weil ich viele für wenig glaubwürdig halte und weil sie 2. sowieso (meistens) nur sehr einseitig berichten.

Wenn ich mit politisch interessierten/aktiven Leuten unterwegs bin betrachte ich immer folgendes Phänomen: Bei den Linken tue ich dann meistens rechter als ich bin, bei den Rechten eher links.

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Beitrag von Klangbruch » 30.07.2006, 14:15

Sind wir nicht alle ein bisschen wie Stammzellen, anfangs ohne Inhalt.

Nach und nach entwickelt sich die "Meinung" durch Erfahrungen, gehörtes, gesehenes usw. Es kommt nicht einfach aus heiterem Himmel daher.
Daher ist meine Meinung bezüglich der Blackmetalszene die wie schon gesagt sehr elität daherkommt eher Zwiegespalten.

Nichts gegen die Musik, ich liebe diese Musik und sie hat mir schon des öfteren die Augen geöffnet, weil ich mich einfach mit dieser Art indentifizieren kann. Aber dieses Truenessgehabe z.B. was ja auch noch sehr groß verbreitet ist, ist in meinen Augen...lächerlich!?

Klar hat man auch mal einen "Ausrutscher" in Sachen eigener Meinung wenn man sich einfach zu schnell und ohne Überlegung für was hinreisen läßt, hatte ich auch. Aber aus sowas lernt man denk ich mal, dass festigt im Nachhinein. Darum wenn ich mir über irgendwas ne Meinung bilde, informier ich mich immer aus mehreren Quellen, macht man ja teils beim Arzt auch so wenn man ihm nicht 100%tig traut.

Man fällt heutzutage viel zu schnell Trugschlüssen zum Opfer, dass is das Problem. Besonders wenn die größte Meinungsmaschinerie die "Medien" ihre Finger im Spiel hat. Es wird einem halt nicht einfach gemacht^^

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Re: PÖBEL, HAST DU EINE EIGENE MEINUNG???

Beitrag von vomit » 30.07.2006, 15:30

ticino1 hat geschrieben:
BM = Gut; Grind = null IQ und verblödet; DM = sowieso für 'n Arsch; usw.
ok, grind ist nicht mein ding, DM finde ich aber super... leider werde ich aufgrund der "DM und BM mischung" nicht gerade selten sinnlos angefahren....
Habt ihr euch schon mal dabei ertappt als ihr eine Meinung hattet die nicht eure war aber euch einfach gefiel?

gerne denke ich an die zeit zurück als ich noch ca 13-14 jährig war und den BM frisch entdeckt hatte. jede art von musik die nicht BM war, verlor für mich den wert. auch ich veränderte mein aussehen relativ "krass". -rasierte mir den schädel, trug nur noch springerstiefel, bm-girlies usw ach ja, menschen&co waren so oder so scheisse... -richtig lächerlich true...
mit der zeit, wurde mir aber klar, dass diese art von auftreten eigentlich nicht mir entspricht. mein aussehen wurde nach und nach "untruer" und mein musikgeschmack begann sich vorallem gegenüber den oldies und DM weit zu öffnen.
ich fand mit der zeit meine eigene art von auftreten, geschmack und einstellung.
dies ist nun alles andere als true doch die eigentliche liebe gegenüber dem metal (musik) stieg bestialisch an...

damit gebe ich klangbruch vollkommen recht... meinungen UND geschmack entwickeln sich stehts weiter oder werden nach und nach gefunden. die frage ist nur, ob man es zulassen will - kann oder nicht...
Lasst ihr euch von Meinungsmacher wie Blick oder Bild beinflüssen?
never, diese zeitungen finde ich total verblödet...

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Avenger
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Re: PÖBEL, HAST DU EINE EIGENE MEINUNG???

Beitrag von Avenger » 30.07.2006, 15:46

scathach hat geschrieben:ok, grind ist nicht mein ding, DM finde ich aber super... leider werde ich aufgrund der "DM und BM mischung" nicht gerade selten sinnlos angefahren....
Das kann ich bestätigen!
Sitzt man in der Kneipe mit einem Tsjuder Shirt mitten in einem Scharren blackmetallischer Anhänger. Plötzlich dröhnt Obituary oder Malevolent Creation aus den Lautsprechern und man wird blöde angeschaut weil man ein "Ouh, geile Band!" von sich gibt. Und damit meine ich nicht Leute welche die Musik der besagten Bands schlicht nicht mögen, sondern irgendwelche engstirnigen Heinis die an allem etwas zu nörgeln haben. Obwohl es mir umgekehrt öfters passiert. D.h. ich werde von Deathmetallern grösstenteils angeschaut, als wäre ich ein bösartiges Alien welches mit einer 2m grossen Plasma-Waffe in der Hand, Panzer unterm Arsch und einem Hakenkreuz auf dem Shirt (obwohl da Vargsang drauf steht!!) durch die Gegend stolziert. Aber Black Metal ist ja intolerant...jaja, schon klar ihr Pappnasen!

Zum Blick:
Ich lese diese Zeitung garnicht. Jedenfalls mag ich mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte mal im diesem lyrischen Fusel geblättert habe.

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Ragnar
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Beitrag von Ragnar » 30.07.2006, 16:29

das ist nunmal so, ich habe das im laufe der äonen, welche ich hier nun schon mehr oder weniger aktiv bin, schon öfters erwähnt. die meisten menschen bilden sich keine eigene meinung. so verhält es sich überall. sei das nun musikgeschmack, politik etc. in der metal szene ist es eigentlich um einiges besser. und das sage ich nicht, weil ich selber hier verwese, sondern hört man auch öfters von "aussenstehenden".

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Beitrag von GoatMolestor » 31.07.2006, 09:03

ticino1 hat geschrieben:
Leviathan666 hat geschrieben:Trifft im Forum nicht zu.
Dafür bin ich Dir dankbar. Mitläufer bewegen nichts. :P
Nein, das heißt nicht, dass ich mich in real nicht traue, zu sagen, was ich denke. Im Forum kommt das nur öfter vor, dass ich meinen Senf dazu gebe, weil man im Grunde alle fragt :wink:

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Maybe
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Beitrag von Maybe » 01.08.2006, 07:52

Es ist nicht immer ganz einfach laut seine Meinung zu äußern, also bin ich immer auf Crashkurs gegen die Meinung zB meiner Eltern unterwegs...
Net immer leicht aber in Bezug auf Rassismus bin ich einfach gegen ihre Ansicht und das heißt: Sonntag ist Streit-Tag :twisted:

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Jera
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Re: PÖBEL, HAST DU EINE EIGENE MEINUNG???

Beitrag von Jera » 01.08.2006, 08:57

ticino1 hat geschrieben: Inwiefern seid ihr geformt worden (abgesehen von der elterlichen Erziehung)?
Das kommt doch schon ganz auf die Gegend drauf an wo man aufwächst denk ich (Land oder Großstadt). Wenn man zum Beispiel in so nem kleinen Nest wohnt wo man keine Chance hat mit gewissen Dingen in Kontakt zu kommen, läuft man doch mit den anderen mit weil man nichts anderes kennt.
Bevor ich nicht endlich mal zum Internet und dadurch zu anderen Leuten gefunden hatte, gab es für mich keine Möglichkeit mich für viele Sachen zu interessieren weil ich sie schlicht und einfach nicht kannte.

Aber es hat sich geändert, das zählt.

Black Scorpion
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Beitrag von Black Scorpion » 01.08.2006, 20:38

Eine eigene Meinung ist denk ich mal sicher auch von der Umgebung in der man aufwächst abhängig, doch sicher nicht nur, ansonsten dürfte ich weder Metal hören noch lange Haare gehabt haben.

Jeder Mensch hat die Möglichkeit sich eine eigene Meinung zu bilden, sei es nun mittels Kontakten, Büchern etc.

Jedoch sollte man es nicht zu sehr übertreiben und glauben, dass die eigene Meinung immer richtig zu sein hat. Im gegenseitigen Austausch hat jeder die Möglichkeit, seine Meinung zu überprüfen...

Bei mir wars so, dass ich bereits in der Primarschule nur noch Krach mit der restlichen Schülerschaft hatte, dadurch hatte ich mehr Zeit, sich Themen wie dem WK2 etc. zu widmen und so meine eigene Meinung zu formen.

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fox
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Beitrag von fox » 09.08.2006, 11:01

Meinungen sind wie Arschlöcher: Jeder hat eins und die meisten stinken.

Visionen stehen auf einem anderen Blatt, die verlangen Kontinuität, Kohärenz und eine konsequente Umsetzung im Leben.

Ich kenne zuhauf Leute, die einem schnell und meist ungefragt zu allem und jedem ihren Senf geben können, selbst aber überhaupt nichts leisten oder immer schön brav bünzlig und unangreifbar agieren. Und sollten sie dann doch mal über die Stränge schlagen oder sich tatkräftig positionieren, dann sind gewiss die üblichen Ausreden nicht weit weg, etwa, dass sie zuviel getrunken hätten etc.

Andererseits gibt es natürlich noch die jüngeren Semester, die sich einen Spass draus machen, aus Prinzip immer zu widersprechen und dagegen zu halten, wenn jemand etwas sagt. Provokation und Konfrontation waren früher auch meine Stilmittel, aber mittlerweile bin ich nach und nach zu alt und zu müde für nutzlose Profilierungsdebatten - vor allem, wenn ich merke, dass mein Gegenüber ein Verständnis- oder Wissensdefizit hat.

Im persönlichen Umgang, in der Freundschaft, da sucht man mit den Jahren eigentlich nur noch Leute, die einen inspirieren, die einen weiterbringen und denen man auch selbst eine Bereicherung sein kann. Leute mit Visionen eben, weil diese Gattung (Über-)Menschen zusammengehört, weil diese Leute einander nicht nur mit ihren Ansichten bereichern, sondern auch aufgrund des Charakters und ihrer Tatkraft. So ähnlich sah's übrigens auch Aristoteles in seiner Nikomachischen Ethik.

Alle anderen Figuren verachtet man zusehends oder sie gehen einem mehr und mehr am Arsch vorbei.

Schattengestalt
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Beitrag von Schattengestalt » 09.08.2006, 13:16

fox hat geschrieben:Meinungen sind wie Arschlöcher: Jeder hat eins und die meisten stinken.

Visionen stehen auf einem anderen Blatt, die verlangen Kontinuität, Kohärenz und eine konsequente Umsetzung im Leben.

Ich kenne zuhauf Leute, die einem schnell und meist ungefragt zu allem und jedem ihren Senf geben können, selbst aber überhaupt nichts leisten oder immer schön brav bünzlig und unangreifbar agieren. Und sollten sie dann doch mal über die Stränge schlagen oder sich tatkräftig positionieren, dann sind gewiss die üblichen Ausreden nicht weit weg, etwa, dass sie zuviel getrunken hätten etc.

Andererseits gibt es natürlich noch die jüngeren Semester, die sich einen Spass draus machen, aus Prinzip immer zu widersprechen und dagegen zu halten, wenn jemand etwas sagt. Provokation und Konfrontation waren früher auch meine Stilmittel, aber mittlerweile bin ich nach und nach zu alt und zu müde für nutzlose Profilierungsdebatten - vor allem, wenn ich merke, dass mein Gegenüber ein Verständnis- oder Wissensdefizit hat.

Im persönlichen Umgang, in der Freundschaft, da sucht man mit den Jahren eigentlich nur noch Leute, die einen inspirieren, die einen weiterbringen und denen man auch selbst eine Bereicherung sein kann. Leute mit Visionen eben, weil diese Gattung (Über-)Menschen zusammengehört, weil diese Leute einander nicht nur mit ihren Ansichten bereichern, sondern auch aufgrund des Charakters und ihrer Tatkraft. So ähnlich sah's übrigens auch Aristoteles in seiner Nikomachischen Ethik.

Alle anderen Figuren verachtet man zusehends oder sie gehen einem mehr und mehr am Arsch vorbei.
Nun, schöne kleine Rede, doch, sofern du mir das erlaubst, würde ich gerne, ohne dir zu widersprechen, eine kleine Frage an dich richten.

Der Mensch wird älter und geht man davon aus, dass der Mensch mit fortschreitendem Alter intelligenter, einsichtiger - kurzum weiser - wird, so ist anzunehmen, dass deine Meinung und deine Ansicht von Gott und der Welt stetig differenzierter werden.

Andererseits verachtet man, so schreibst du, je länger je mehr die Masse der kopflosen Masse der Durchschnittsmenschen, den bürgerlichen, niemals aneckenden Angsthasen und Windschattenfahrer.

Je stärker eine Anschauung differenzierter wird, desto grösser wird die Wahrscheinlichkeit, den Weltbildern anderen zu widersprechen. Du löst in diesem Falle das Problem, indem du dir der andern Meinung am verlängerten Rückgrat vorbeiziehen lässt.

Nun, anscheinend konfrontieren die "jüngeren Semester" , ob dies gut oder schlecht sei, die, ich nenne sie graue, Masse mit ihrer mehr oder minder stark ausgeprägten Weltanschauung, um zu provozieren oder sonst eine Reaktion zu erzwingen, welches Ziel auch immer dahinter stecken möge.
Es ist aber eine starke Hoffnung, geradezu eine Sicherheit dahinter, damit überhaupt eine Reaktion zu erzielen,zu erzwingen, denn ausschliesslich aus diesem Zweck macht es Sinn, zu provozieren.

Kann man nun, deiner Meinung nach, daraus schliessen, dass mit fortschreitendem Alter diese Hoffnung geradezu in Hoffnungslosigkeit umgewandelt wird, respektive man sich zusehends in seinem eigenem Schützengraben verbuddelt und dort einsam das Ende der Tage abwartend, freilich trotzdem geistreich vorgedachte Gedanken konsumierend, der Menschheit den Rücken zukehrt oder moralischer, zukehren soll?

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fox
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Beitrag von fox » 09.08.2006, 14:17

Schattengestalt hat geschrieben:Kann man nun, deiner Meinung nach, daraus schliessen, dass mit fortschreitendem Alter diese Hoffnung geradezu in Hoffnungslosigkeit umgewandelt wird, respektive man sich zusehends in seinem eigenem Schützengraben verbuddelt und dort einsam das Ende der Tage abwartend, freilich trotzdem geistreich vorgedachte Gedanken konsumierend, der Menschheit den Rücken zukehrt oder moralischer, zukehren soll?
1) Ja, zurückgesteckte Hoffnungen und eine gewisse Desillusion sind sicherlich Elemente des Älterwerdens. Man braucht ja nicht gleich am Menschen zu verzweifeln, ohne dass man nicht gleichzeitig einsehen könnte, wie armeselig er zuweilen ist.

2) Ich möchte im 26. Lebensjahr auch noch nicht klingen wie ein Achtzigjähriger, aber ich glaube einfach schon zu merken, wie gewisse Dinge wohltuend abnehmen, die mich früher zwar noch sehr angetrieben, aber oft auch sehr aufgerieben haben.

3) Mein Punkt war, dass man mit der Zeit selektiver wird, mit wem man was teilt und wen man für wert befindet für eine fruchtbare Auseinandersetzung. Ich kenne auch eine Reihe alter Leute (über 70), die sehr wohl noch zu einer engagierten Diskussion zu haben sind, wenn sie denn das richtige Gegenüber haben. Wer sich irgendwann ganz im eigenen Schneckenhaus verkriecht, ist sicher auch irgendwie degeneriert.

4) Ich hatte diese Phase des Provozierens und des In-Frage-Stellens sicher auch lange und auslandend, zum Teil hält sie heute noch an bei mir, aber irgendwann befriedigt das nicht mehr, da will man dann durch eigene Taten was Neues schaffen, sich selbst kreieren und nicht bloss durch Widerspruch definieren lassen.

Das mal so als erste Stellungnahme.

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