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Graf von Hindenloch
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Beitrag von Graf von Hindenloch » 19.02.2009, 17:15

Altmodische HP...
(grööööl!!!) :lol: :lol: :lol:

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Graf von Hindenloch
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Beitrag von Graf von Hindenloch » 19.02.2009, 17:20

Und zur Erläuterung... Ein alter Beitrag von mir neu aufgelegt:

Ich sehe darin einfach eine fortschreitende Problematik, nicht nur im Metal/Musik-Bereich, sondern gesamtgesellschaftlich.
Man erinnert sich noch gut an die Zeit anfang der Neunziger, wo RockHard und Co nichts anderes taten, als "den Overkill" zu beklagen, der im Metal-Markt dadurch entstehen würde, dass jede Scheissgruppe, die mal schnell ein vierspur-Demo aufnimmt, sofort 'nen CD-Vertrag kriegt. Und überhaupt, weil es schon viel zuviele Bands gäbe... Wie gesagt, das war 1992... Und: Die Hefte hatten recht. Bloss konnte damals noch keiner ahnen, was da auf einen noch zukommt!

Mit Aufkommen des Internet wurde dann aus der zuvor schon bestehenden Band-Infation eine Mega-Inflation, deren Ausmass heute jede Vorstellungskraft übersteigt. Und wie Inflationen das so an sich haben: sie führt zu einer Wertminderung der Musikgruppen im 1:1-Verhältnis zu ihrem Wachstum. Und dabei ist die Qualität der Musik unerheblich.

In den ganzen letzten Jahren wurden Schritt für Schritt immer mehr Möglichkeiten für den Einzelnen geschaffen, die eigene Band zu gründen, die eigene Promotion zu machen, das eigene 'zine zu machen... mit der logischen Folge, dass dies auch alle taten.

Inzwischen hat keiner mehr einen Überblick. Die Masse an Musik, die man quasi per Trichter hineingestopft bekommt, hat längst zu einem permanenten Übersättigungsgefühl geführt. Man hat alles schon mal gehört. Millionenfach. Nichts ist neu und jede Band ist im Prinzip nur eine unter den acht Milliarden Musikdateien, die man sich runtergeladen hat, weil man da "vielleicht mal reinhören" will... irgendwann. Alles ist austauschbar und im Prinzip wertlos, da ersetzbar.

Diesem schrecklichen und destruktiven ZUstand versucht sich nun der kreative Mensch, quasi instinktiv, durch Rückzug in die eigene Kreativität zu entziehen. Man konzentriert sich noch mehr auf die eigene Band, noch mehr auf die eigene Seite, noch mehr auf die eigenen Kontakte, Interviews, etc, und trägt damit genau zu der Inflation bei, die am Ende alles einebnet und vernichtet. So etwas nennt man einen Teufelskreis.

Heute hat jeder zwöfjährige SKADAL-Heini schon dreihundert Interviews in dreihundert Webzines gegeben, die nie jemand liest. Heute hat schon jeder elfjährige GRIMMNACHTNEBELRABENFLÜGELSCHLAG-Projektbetreiber acht CDs auf ihrgendeinem Intenetlabel rausgebracht und zwanzigtausend mp3-Dateien im Netz veröffentlicht. Interessieren tut das aber NUR IHN SELBER. Der Konsument, der die Musik längst nicht mehr aus Leidenschaft, sondern aus einem dumpfen Suchtgefühl heraus kauft, hält sich derweil an das, was er kennt und saugt sich die ganzen Internetsachen eben nur noch nebenbei... aus Sucht, so wie sich der Kettenraucher am Abend die 85ste anzündet, ohne Gefühl oder Nachdenken. Das ist der Stand der Dinge 2007 a.d.

Und das betrifft eben nicht nur die Metal-Szene, sondern alles und jeden. Jeder ist auf MySpace, macht dort "sein Ding" und will mit "seinen Leuten" in "seiner eigenen Welt" sein, weil die Wirklichkeit, die aus Millionen anderer, die das ebenfalls tun, längst unerträglich geworden ist. Jeder wird zum Gefangenen dieser eigenen kleinen Gefängniszelle, die er sich selbst einrichtet und deren Schlüssel er längst im virtuellen Klo runtergespült hat.

Die angebliche "totale Freiheit" endet in der totalen Gefangenschaft, da sie in der Unfähigkeit mündet, über die eigene Welt hinaus noch mit der Restwelt zu kommunizieren. Der Rückzug auf MySpace ist das billigere Gegenstück zum derzeit gerade unter jungen Leuten grassierenden Traum vom "eigenen Haus". Auch das eine Rückzugsphantasie. Wenigstens dort, sagt man sich, kann man sich die Welt so einrichten, wie man es gerne hat.

Und so ist es. Wir lassen die Welt brach liegen, unfähig geworden, den grossen destruktiven Prozessen der Welt noch etwas entgegenzustellen, ziehen uns zurück in eine Welt, in der wir ohne Anstrengung tausende von Anfragen zu "unserem Schaffen" bekommen, über denen wir vergessen können, dass jeder andere mit MySpace-Seite genausoviele bekommt und die Anfragen deshalb nichts mehr wert sind. Welchen Wert hätte Gold in einer Welt aus Gold?? In etwa den Wert, den man bei uns Dreck beimisst.
Es nutzt nichts 1000 Interviews zu geben, wenn hundert Millionen anderer, die dafür sogar noch weniger leisten, ebenfalls 1000 Interviews geben. Es nützt nichts, 1000 Reviews zu kriegen, wenn jeder andere genau so viele bekommt, es nutzt nichts, Ferrari zu fahren, wenn jeder einen hat!

DAS ist MySpace, DAS ist das Internet, DAS ist die Welt der Gegenwart und DAS ist der Grund, warum ich mich NICHT bei MySpace anmelde.

Polyhymnia
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Beitrag von Polyhymnia » 19.02.2009, 17:35

Es ist ganz einfach: Die Natur des Menschen. Wie im Supermarkt: Man will ein Allerweltsprodukt kaufen, sagen wir Brot, und steht vor einer gefühlt unendlichen Anzahl Leiber und man ist verwirrt. Das ist nicht nur am weitesten vom Jagdtrieb des Menschen (Mannes) entfernt, sondern schaltet auch die natürlichen Auswahlmechanismen für Qualitätseinschätzung aus, denn man wählt weder ausschliesslich das aus, was man braucht, sondern meistens etwas anderes, als man will und Qualität weicht der Verpackung. Ein enormer Wertverlust auf allen Seiten. Das schlimmste dabei ist, dass der Myspaceerfolg primär die Nachfrage bestimmt. Wie die Punkte auf der Coop Supercard, sind hits auf myspace-Profilen wegweisend für trends. Traurig dabei: Jeder "Fan" ist gleich viel Wert und andererseits schätzen diese die Bands nicht oder aus den falschen Gründen. Natürlich kann man behaupten, dass man persönlich auf qualitative underground-Musik steht aber bald wird diese nicht mehr zu finden sein. Bedenke: Myspace drängt sich uns erst seit ein paar Jährchen auf. Beim Verfall spielt aber nicht primär myspace eine Rolle, sondern (im Metal) Plattformen wie metal archives. Sie ist erste Adresse zum Nachschlagen für aber mio Metalheads und Interessierte auf der ganzen Welt und geniesst einen sehr guten Ruf. Leider verdient sie ihn nicht. Jeder kann da irgend etwas hinschreiben und das passiert allzu oft. Im Gegensatz zu Wikipedia, wo relativ schnell angeprangert, bearbeitet oder zumindest markiert wird, wenn Falschaussagen auftauchen (meistens binnen Minuten), können bei metal archives nicht einmal Bandmitglieder selbst Änderungen vornehmen/beantragen, weil sie den Wahrheitgehalt beweisen müssten und sich das meistens unmöglich gestaltet. Letztendlich verstehe ich dieses Gerenne nach neuen "friends" und "bands" nicht, als ob sich eines Menschen Weisheit an der Anzahl der "mal reingehörten" Bands messen lässt. Wieso kann es nicht so sein, dass man die paar guten Bands in seiner Nähe unterstützt und schätzt, auch als Menschen, es im Ausland auf qualitative Musiker anlegt und es unterlässt, ein paar Topfschläger aus Hinterfotzingen, bei Uganda links gradeaus, ausfindig zu machen und seine Lebzeit mit ihrer Untergrundigkeit zu verklagen.

PS: Mein Vorredner hat den längeren.

Polyhymnia
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Beitrag von Polyhymnia » 19.02.2009, 17:56

Ricardo Clement hat geschrieben:Altmodische HP...
(grööööl!!!) :lol: :lol: :lol:
Ja, die gibt es jetzt auch schon an die 20 Jahre. Ich nenne auch Sachen altmodisch, die es länger gibt, als mich, floppys zum Beispiel. Obwohl die heute warscheinlich schon in Museen zu seen seend.

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Beitrag von Matkra » 19.02.2009, 18:47

Also wir haben unsere BlackMetal-Kassetten damals in den 90ern
ja noch auf der Straße getauscht...

Insomnivs

Beitrag von Insomnivs » 19.02.2009, 19:54

Bitte beim Thema bleiben...

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Beitrag von Troglodytron » 19.02.2009, 19:58

Ja genau, niemand will hier diese Sch(w)ulaufsätze lesen!

Insomnivs

Beitrag von Insomnivs » 19.02.2009, 20:28

Am Aschermittwoch ab ca. 23:00 Uhr werden Rvne N und Ich in der Sendung
"Metal Demenz Aeon" über Radio Dreyeckland zu hören sein. Im Gepäck haben wir unser Album, CDs und jede Menge Bier.

Interessierte und MySpace-Boykottierer werden sich ein umfassendes Bild unserer Musik machen können.

Frequenzen und den Online-Stream findet ihr hier:
http://www.metaldemenzaeon.de/hauptvert ... teiler.htm

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Beitrag von Polyhymnia » 19.02.2009, 20:31

Troglodytron hat geschrieben:Ja genau, niemand will hier diese Sch(w)ulaufsätze lesen!
Vielleicht würdest du auch schwul werden, zumindest körperlich, würdest du dich nicht hinter einem Bildschirm verstecken.

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Graf von Hindenloch
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Beitrag von Graf von Hindenloch » 19.02.2009, 20:35

Insomnivs hat geschrieben:Am Aschermittwoch ab ca. 23:00 Uhr werden Rvne N und Ich in der Sendung
"Metal Demenz Aeon" über Radio Dreyeckland zu hören sein. Im Gepäck haben wir unser Album, CDs und jede Menge Bier.

Interessierte und MySpace-Boykottierer werden sich ein umfassendes Bild unserer Musik machen können.

Frequenzen und den Online-Stream findet ihr hier:
http://www.metaldemenzaeon.de/hauptvert ... teiler.htm
Ist das die Sendung, die früher aml "killing machine" hiess und die es schon seit 1989 gibt? War für mich eine der ersten Metal-Quellen überhaupt...

Insomnivs

Beitrag von Insomnivs » 19.02.2009, 20:41

Gut möglich... Der Typ macht das jedenfalls schon ewig, ich werde ihn fragen.

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Beitrag von Polyhymnia » 19.02.2009, 21:28

Troglodytron hat geschrieben:Ja genau, niemand will hier diese Sch(w)ulaufsätze lesen!
Bild

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Beitrag von Graf von Hindenloch » 19.02.2009, 22:01

(zuckt, japst)

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Beitrag von Shadowthrone » 20.02.2009, 07:19

chat_noir hat geschrieben:Aber es wäre schön, wenn mir mal jemand von euch eure genauen Beweggründe für die allgemeine Ablehnung von Portalen wie My Space erklären könnte...
MySpace ist nicht elittär, weil jeder dort seinen Proberaumschrund hinstellen kann. Ergo gibt es eine zu grosse Müllanhäufung und eine Plattform für Müll ist Müll. Ausserdem gibt es da noch das Verbrechen am Wort "Freund".

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Beitrag von rübezahl » 20.02.2009, 12:29

Ja gut, es wird sich grundsätzlich immer im Laufe einer Sache so etwas wie ein "Inflationäres Gefühl" einstellen, sei es nun das 60.000ste myspace projekt, der 10.000ste Forenbeitrag, der 250.000ste youporn clip usw.

Natürlich geht die gewisse Besonderheit, die man mal glaubte, entdeckt zu haben (und auch nicht Jeder hatte oder kannte), verloren und wird "entwertet", wenn plötzlich jeder Teenie zwischen tokio hotel, die ärzte, oder sonstigem müll dann auch Dimmu Borgir mp3 (jaja ich weiß, "die sind kein Black Metal mehr") auf seinem exorbitanten i-pod hat. Und dann kann man sich mal fragen, wieso.

Deppen, die in ihrer eigenen Welt leben (und da nehme ich mich auch nicht aus) gabs schon immer und überall, der Unterschied ist nur: die wussten nichts voneinander! Heute kennen die sich alle, treffen sich unter www.vollpfosten.com. Wir sind ja auch so multikulti, fortschrittlich und global.

Das ist der Preis, alles versumpft zum Einheitsbrei, das ist unsere Zukunft. Helau. :(

Insomnivs

Beitrag von Insomnivs » 20.02.2009, 14:07

ES GIBT BEREITS EINEN VERSCHISSENEN THREAD ZU DEM THEMA!

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Beitrag von Hagel » 20.02.2009, 14:18

Signum:Redundanz

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Beitrag von Ge » 20.02.2009, 14:38

Hagel hat geschrieben:Signum:Redundanz
Ja, man hat sich schon schon immer, wie Clement ausführt, über Überflutung beschwert und ist irgendwann aufgewacht und hat bemerkt, dass die besagte Flutung noch viel schlimmer ist, als angenommen und die nächste Generation war dran, sich zu beschweren. Dabei machen aber alle mit und pusten in Feuer. Na dann viel Spass. Letztendlich ist das Problem, dass kaum einer mehr fähig ist, zwischen gut und schlecht zu unterscheiden (auch, weil das nicht mehr gefragt ist, weil Bands nicht für ihre Musik, sondern als Sammelwert stehen) und das nährt die Plattformen und -hirne.

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Beitrag von Hagel » 20.02.2009, 14:47

Ja und?

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Beitrag von Ge » 20.02.2009, 14:49

Hagel hat geschrieben:Ja und?
Das ist keine "Selbst-Hygiene" der Welt sondern fordert Opfer, wie dir sicher schon aufgefallen ist und ich persönlich habe daran zu beissen, dass mir kaum mehr was qualitatives unterkommt.

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