Fast schon überraschungsartig schmeissen uns Peter Tägtgren und seine Mannen ihr 8. Studioalbum um die Ohren. Dass Peter im letzten Jahr privat sehr viele Probleme hatte, ist längst bekannt (Du liest zu viele von diesen bunten Illustrierten - Red). Da überrascht es auch nicht, dass die Texte dieses Mal sehr persönlich ausgefallen sind und nicht mehr von Aliens oder Naturkatastrophen handeln. Auf dem neuen Release schreit sich der Gute den ganzen Frust der letzten Zeit von der Seele. Und für die, die es noch nicht wissen sollten: Peter hat sich entschieden, sein Abyss Studio dicht zu machen, um sich von nun an vermehrt seiner Musik widmen zu können.

Wer die Vorabinterviews/Reviews verfolgt hat, dem wird nicht entgangen sein, dass es die drei Schweden diesmal ernst meinen. Mit "Catch 22" soll endlich der grosse Durchbruch kommen. Dass dies auf Kosten der Musik geschieht, brauch ich wohl niemandem extra sagen.

Tja, da wären wir auch gleich beim Thema. Wo sind die atmosphärischen/düsteren Parts, die Hypocrisy zu etwas besonderem gemacht haben, geblieben? Wo ist der Death Metal geblieben? Antwort: Auf der Strecke. Zwar hat man sich nicht ganz von den alten Bandtrademarks verabschiedet, hat sie aber auf ein Minimum reduziert. Es war klar, dass man auf "Catch 22" kein Prügel-Death-Metal, wie zuletzt auf "Into The Abyss" zelebriert, erwarten konnte, aber hiermit hat wohl niemand gerechnet. Auf dem neuen Album geht die Band sehr modern zu Werke. Auf fast jedem Song sind sehr melodisch/fröhliche, clean gesungene "Mitgröhl"-Refrains vertreten, die ein ums andere Mal an Peter's Nebenprojekt Pain erinnern. Die Gitarrenriffs sind äusserst simpel gehalten und nehmen gelegentlich auch "Nu-Metal" Charakter an. "A Public Puppet" hat sogar einen typischen Fear Factory Stakkato-Riff, der meiner Meinung nach überhaupt nicht zu Hypocrisy passt. Das mit Pianoklängen unterlegte "Edge Of Madness" ist eine reine Gothic-Rock Nummer geworden, die auch auf ein HIM Album passen würde. Auffallend ist der fast immer identische hart-soft-hart Songaufbau, der wieder an Nu-Metal erinnert. Seltsamerweise ist die Produktion dieses Mal sehr roh ausgefallen und klingt überhaupt nicht nach Abyss Studio. Die Scheibe ist druckvoll abgemischt, und man hört alle Instrumente klar heraus, aber der Gesamtsound ist wesentlich "dreckiger" als auf den Vorgängeralben.

Dieses Album hat mich nicht von den Socken gehauen. Hits wie "Roswell 47" oder "Fractured Millennium" sucht man auf der neuen Scheibe vergeblich. "Destroyed" oder der Opener "Don't Judge Me" haben zwar ordentlich Dampf drauf und werden live sicher gut abgehen, aber insgesamt gesehen gehört dieser Silberling in die Kategorie: "Nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes". Ehrlich gesagt habe ich mehr von den Schweden erwartet als "massentauglicher", kommerziell ausgerichteter 0815 Metal. Leider ist "Catch 22" eine dieser Metal-Scheiben geworden, die mehr oder weniger spurlos an einem vorbeirauschen. Schade.

Albuminfo

Punkte

 

0/5

Label

Nuclear Blast

Veröffentlichung

2/2002

Format

CD

Land

Genre

Death Metal