Es gibt es manchmal, dass Bands mit der Zeit nicht mehr ganz den gleichen musikalischen Stil spielen. So ist es auch bei Trail of Tears, die früher klar Gothic Metal zockten, nun aber auf ihrem neuen Album deutlich härter auftreten. Die musikalische Veränderung geht einher mit einem Wechsel am Mikro: Die für eine Gothic Metal-Band obligate Träller-Else wurde durch einen männlichen Vertreter der Sänger-Zunft ausgewechselt. Beim neuen Band-Mitglied handelt es sich um keinen Unbekannten: es ist Kjetil Nordhus, der ebenfalls noch bei Green Carnation tätig ist. Er ist meiner Meinung nach der Trumpf der Band; sein cleaner Gesang macht die ganze Musik erfrischend anders. Ausserdem sind für mich die Lieder auf der vierten Veröffentlichung der Gruppe gar nicht mit weiblichem Gesang vorstellbar.

Grundsätzlich erwartet einem nebst der speziellen Gesangs-Besetzung nichts sehr Innovatives - halt einfach für Trail Of Tears Ungewohntes: Härter und schneller als bisher bewegt sich das Septett durch eine Klanglandschaft, die nun aus Death, Black, Thrash und Dark Metal-Elementen besteht. Ronny grunzt und schreit und sein Gegenpart Kjetil untermalt die melodiösen Passagen mit seiner melancholischen Stimme. Besonders interessant und vor allem originell ist jedoch der zweite Titel des Scheibchens: Der Mann hinter den Fellen schwingt die Stöcke in diabolischem Tempo, Ronny kreischt in Black Metal-Manier und das Neu-Mitglied legt seine cleane Stimme darüber. Diese Mischung ist sicher recht gewöhnungsbedürftig und manchmal hat man das Gefühl, es würden zwei verschiedene Lieder übereinander gespielt, doch bei diesem Album hat Trail Of Tears wohl einfach die Experimentierfreude gepackt. So kann es dann auch passieren, dass irgendwo doch noch kurz eine Frauen-Stimme auftaucht oder dezent ein Hintergrundchor eingesetzt wird. Auf jeden Fall wird es einem als Zuhörer nicht so schnell langweilig; ständig gibt es Tempowechsel und der Verlauf der Lieder ist selten voraussehbar. So kann man eine Zeit lang zu den treibenden Passagen mitbangen, bis dann urplötzlich wieder Herr Nordhus eine melancholische Stimmung heraufbeschwört. "Abwechslung" ist wohl das neue Lieblingswort dieser Band.

Je länger "Free Fall Into Fear" im CD-Spieler rotiert, desto mehr tauchen kleine technische Spielereien und verzerrter Gesang auf, was mir ziemlich auf die Nerven geht und viel vom grundsätzlich guten Gesamtbild zerstört. Doch kaum stört mich eine einzelne Passage wirklich, kommt garantiert wieder ein toller Teil und umgekehrt, was am Schluss bei mir einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt. Eindeutig ist jedoch, dass Trail of Tears trotz neuer Härte sehr melodiös sind und fast alle Refrains im Ohr hängen bleiben.

Daumen hoch, dass die norwegische Formation den Mut hatte, einen zweiten Mann ans Mikro zu holen! Die Weiterentwicklung dieser interessanten Mischung muss man auf jeden Fall im Auge behalten.

Albuminfo

Punkte

 

3/5

Label

Napalm Records

Veröffentlichung

4/2005

Format

CD

Land

Genre

Gothic Metal