Das sind jetzt also Witchery. Irgendwie habe ich mich bisher nicht sonderlich für diese Band interessiert, obwohl es sich hier ja quasi um das Nachfolgeprojekt der sträflich unterbewerteten Seance handelt und ausserdem der (neben ungefähr elfundachtzig weiteren Bands) bei den auch ziemlich überirdischen Arch Enemy beschäftigte Sharlee D'Angelo im Witchery-Lineup auftaucht. Irgendwie habe ich die Band bisher schlicht verpasst (wie elfundachtzig weitere tolle Bands wahrscheinlich - Red.). Nun ist ja ein gewisses Deutsches Mag, über dessen Name man in Amerika gern unanständige Witze macht, voll des Lobes über Witchery. Von höchst unterhaltsamem Old School Thrash mit heiserem Krächzgesang ist da oft die Rede.

Aber genau das kann ich bei meinem unbedarften Erstkontakt mit Witchery irgendwie überhaupt nicht nachvollziehen. Die Basis von Witchery's Musik liegt für mein Verständnis eindeutig im Black Metal. Das fängt bei den Kreischvocals an, und zieht sich über die Melodiebögen und die meisten Gitarrenriffs bis zur Rhythmik durch, auch wenn Witchery uns die ansonsten in der Pandabärenmusik (höhöhö, der war gut - Red.) üblichen endlosen Blastbeat-Orgien dankenswerterweise ersparen. Da und dort tauchen zwar tatsächlich einige ziemlich eighties-mässig klingende Thrashriffs auf, und das sind eigentlich auch die besten Momente des Albums. Witchery klingen immer dann am besten, wenn sie wie bei "Wicked" das Gaspedal durchdrücken, auf neumodischen Melodiekram pfeifen und einfach den Thrashhammer schwingen.

Nur tun sie das leider viel zu selten. Neben "Wicked" und dem coolen Instrumental "Bone Mill" tauchen die Thrash-Elemente nämlich höchstens als verstreute Versatzstücke auf, ansonsten dominieren nicht besonders spannende, leicht melodisch angehauchte und dadurch eher zahnlos klingende Black Metal-Riffs. Nun muss man die Scheibe ja nicht unbedingt schlecht finden, bloss weil sie nach Black Metal klingt, aber die Produktion nimmt dem Ganzen den letzten Biss. "Symphony for the Devil" ist viel zu sauber und aufgeräumt produziert und klingt streckenweise schlichtweg total künstlich. Einige der simpleren Black Metal-Riffs klingen in diesem Soundgewand eher nach Agnostic Front, was in Verbindung mit dem Schwarzwurzel- Gesang eher für Lachkrämpfe als für Nackenmuskelschmerzen sorgt. Irgendwie braucht Black Metal halt mindest bis zu einem gewissen Grad auch dieses typisch räudige Soundgewand, um richtig rüberzukommen (sensationelle Feststellung - Red.).

Natürlich sind Witchery keine schlechte Band. Es sind hier allesamt versierte Musiker am Werk, und so unoriginell ist der Stilmix aus Thrash- und Black Metal ja nun auch wieder nicht. Angesichts der uninspirierten Songs ohne Überraschungsmomente überkommt einen aber immer wieder das ungute Gefühl, dass hier ein paar ehemalige Death Metal-Mucker mit einem konsensfähigen Einheitsbrei aus allem, was gerade hip ist, ihre Musikerkarriere noch ein paar Jährchen verlängern wollen, weil mit Death Metal nix mehr zu reissen ist. Prädikat: Langweilig.

Albuminfo

Punkte

 

0/5

Label

Music For Nations

Veröffentlichung

9/2001

Format

CD

Land

Genre

Black Metal