Wer sich wie meine Wenigkeit schon seit ein paar Jahren oder auch etwas länger im süddeutschen Schwermetall-Untergrund herumtreibt, dem sind die Regensburger Domspatzen Morphosys vielleicht ein Begriff.
Fünf Jährchen hat die Truppe bereits auf dem Buckel und sich nun endlich dazu durchgerungen, dem einsamen Demo ein weiteres Stück knackigen Death Thrash Metals folgen zu lassen.
"Der Blutmond" nennt sich das als EP erdachte und in Eigenregie realisierte Debutwerk der Bayern und was soll man sagen - richtig gut geworden, das Teil!

Es ist der Variantenreichtum, der am positivsten auffällt.
Ohne weitere Einflüsse herein zu bitten vermengt man schweren Todesstahl mit wendigem Thrash und erreicht dabei eine Vielschichtigkeit, die eventuelle Vergleiche mit renommierten Vertretern des Genres fast unmöglich macht - und das ist auch gut so.
Gitarrero Oliver legt sich mächtig ins Zeug und rollt den einen oder anderen dichtgewobenen Klangteppich aus, Basser Surtur erhält - anders als bei vielen anderen Veröffentlichungen - die für den Tieftöner notwendige Luft zum Atmen und kann im Sub-Bereich ordentlich Druck machen.
Zwar meine ich, in instrumentaler Hinsicht einige rhythmische Ungereimtheiten ausgemacht zu haben... ich könnte mich aber auch verhört haben...
Nicht verhört habe ich mich in Sachen Chris Caravello, der sowohl Kreisch- als auch Grunzkehle bemüht, um eine möglichst blutmondige Atmosphäre zu kreieren.
Ohne berechenbares Strickmuster kämpft man sich also durch ein halbes Dutzend Singspiele und legt sich zu keinem Zeitpunkt auf Stilrichtung oder Geschwindigkeit fest; das Songwriting gibt sich ebenso wankelmütig wie hochglanzfrei und kreativ.
Als recht solide ist auch die Produktion abzunehmen, die eindeutig zeigt, dass weder Untergrund noch Eigenregie eine schwache Tonqualität zwingend zur Folge haben müssen.

Unterm Pinselstrich wäre also nur noch die Frage zu beantworten, wohin der Weg von Morphosys künftig führen wird.
Ich denke, dass man bereits jetzt alle Voraussetzungen erfüllt, derer es bedarf, sich in die Spitzenregionen der nationalen Katakomben zu arbeiten.
Der Sprung an die Oberfläche wird letztlich aber einmal mehr wohl nur mit Hilfe eines finanzstarken Partners gelingen, der bereit ist, die Band unter seine Fittiche zu nehmen.
Ein Fehlgriff wäre dies sicher nicht, denn es ist keinesfalls alltäglich, solch ein gelungenes Debutwerk zu Ohren zu bekommen.

Albuminfo

Punkte

 

3/5

Label

Eigenproduktion

Veröffentlichung

8/2007

Format

CD

Land

Genre

Death Metal