Nicht oft erreicht uns eine Eigenproduktion, deren beigelegte Informationsblättchen so ordentlich gestaltet sind und viel Mühe und Herzblut erkennen lassen, wie es bei December Flowers Promo "Moloch" der Fall ist. Die fünfköpfige Truppe aus Niedersachsen ordnet ihr Machwerk selbst dem Melodic Death Metal zu, die der Oldschool- Variante aber keinesfalls den Rücken zukehren soll. Auf ihrer MySpace-Seite kann der neugierige Neuzeitmetaller einige Fotos der Bandmitglieder betrachten, die ebenso überraschend professionell wirken wie das Artwork rund um die CD und die Band selbst. Na dann, rein damit und abgespielt!

Schnell wird klar: December Flower bringen das Parkett zum Beben, wenn sie erst einmal angefangen haben. Was das Ohr erreicht erinnert nach kurzer Zeit ein wenig an späteres von Unleashed oder langsamer gespielte Frühwerke der Grossmeister At The Gates. Etwas gewundert habe ich mich auch, als ich in "Haunted By Horror" Bruchstücke aus einem "I Break"-Riff von Katatonia erkannte. Wohlgemerkt sind es hier stets Ähnlichkeiten und längst kein Abkupfern; musikalische Einflüsse werden einfach sehr deutlich auf "Moloch".
Klartext: Begeisternder Death Metal der rohen Sorte, sehr weit entfernt von modernen Elementen wie beispielsweise Clean-Gesang. Die Stimme von Manuel Siewert stellt im Vergleich zu vielen anderen aktuellen Erscheinungen einen Höhepunkt, was Überzeugungskraft und Können betrifft, dar. Sie steht zumeist im Vordergrund der Lieder und erweckt den Eindruck ein derartig wichtiger Baustein von December Flower zu sein, dass sich die Instrumente nach ihr richten anstatt einen individuellen Weg vorzugeben. Die Instrumente harmonieren überhaupt unglaublich überwältigend miteinander, ohne Ecken und Kanten – durchdachte Songstrukturen und geile Riffs vom Allerfeinsten!
Dass "Moloch" keineswegs grossartig brutal ausfällt, sondern ganz auf Melodik und Tiefgründigkeit aufbaut, spiegelt sich auch im Outro wider. Die Jungs von December Flower greifen hier geschickt ein musikalisches Motiv auf, dass in "Fall Of Man" das erste mal auftaucht und sich auch im Rest des Albums, als Sequenz oder Imitation, bemerkbar macht. Im Outro lässt man das hervorragende Musikwerk traurig und langsam abklingen, indem eine unverzerrte E-Gitarre (ganz im Sinne des alten Death Metal keine Akustikgitarre) besagtes Motiv gemächlich säuselnd in die Ferne trägt, begleitet von einem orchestralen Keyboard.

Den niedersächsischen Todesmetallern sei es also definitiv gegönnt, mit derart ausgereifter Musik Anschluss an die Szene und vor allem ein passendes Label zu finden. December Flower muss man im Auge behalten und auf zukünftige Veröffentlichungen hoffen, bei denen es wünschenswert wäre, wenn der Schwerpunkt etwas mehr in Richtung Eigenständigkeit ginge und die Assoziationen des Hörers mit besagten Grössen des Death Metal gar nicht erst aufkommen. Definitiv aber eine überdurchschnittlich gute Scheibe!

Albuminfo

Punkte

 

4/5

Label

Eigenproduktion

Veröffentlichung

8/2008

Format

CD

Land

Genre

Death Metal