Drei Mal neu und immer noch grandios: Helrunar hat sich seit "Sól" überraschend weit bewegt und ist doch noch unverkennbar geblieben.

Erste Neuerung: Helrunar hat die Langsamkeit entdeckt. Nachdem die Vorgängerscheiben vorwiegend dem Pagan und Black Metal erklommen sind, wagt sich "Niederkunfft" in die Vorhölle des Doom Metal und nimmt sich vermehrt Todesstahlanleihen der Frühzeit heraus. Fertig ist die pure Raserei. Vielmehr spielen unterkühlte Stampftempostücke erste Geige. Der Elchtod hat Teile des Schwarzstahls verdrängt, auch wenn sich Helrunar noch nie eindeutig in diese Ecke drängen liessen.

Zweitens hat sich das germanische Duo textlich revolutioniert. So widmet sich Helrunar diesmal einer späteren zeitlichen Epoche und frönt mittelalterlichen Totentänzen. Darüber hinaus singt Skald Draugir erstmalig teilweise in Britisch. Der Hörer findet sich dank durchdachten Texten in historisch anmutendem Deutsch dennoch in Zeiten "Forstnachts" wieder. Ebenfalls unverändert sind die gesangliche Tiefe und das mannigfaltige Spektrum zwischen Sprechgesang, Fauchen, Grunzen, Schreien und Flüstern. Einzig die mittelalterlich modifizierte Sprache, die lateinischen Einstreuungen und das nicht akzentfreie Englisch wirken zwischendurch befremdlich.

Drittens sind die Kompositionen insgesamt sperriger und lassen den sofortigen Hitcharakter einiger "Forstnacht"- oder "Sól"-Titel vermissen. Melodien kommen selbstredend nicht zu kurz, sind aber wesentlich weniger eingängig, weil sehr unterkühlt und weniger wiederholend. Etwas weniger geworden sind auch die schleifenden Gitarrenorgien und die ganz grossen Emotionalexplosionen.

Insgesamt hat sich Helrunar weiterentwickelt. Die Bewegung ist allerdings gut nachvollziehbar und wirft die alten Werte nicht komplett über Bord: Eine gesunde Veränderung, die leider auf "Niederkunfft" ohne eigentlichen Hit bleibt, aber ausnahmslos grossartige Helrunar-Qualität bietet.

Albuminfo

Punkte

 

4/5

Label

Prophecy

Veröffentlichung

3/2015

Format

CD

Land

Genre

Black Metal