Lasst mich bei der Besprechung des Albums "To North And Under" der Finnen Cyphosis zunächst etwas ausholen: Meine ersten metallischen Erfahrungen machte ich in den Neunzigern unter anderem mit Bands wie Paradise Lost oder aber auch Sentenced im Speziellen. Letzteren bin ich auch von deren "North From Here" bis schliesslich zu deren Funeral-Gig am 01.10.2005 im Club Teatria im finnischen Oulu eine sehr treue Anhängerin gewesen (schluchz). Spätestens nach diesem unsäglichen Verlust meiner unangefochtenen Lieblingsband im 05’er Herbst und nachdem Paradise Lost im frühen Vorfeld nach deren ’93 Album "Icon" musikalisch gesehen in meinen Augen kein Bein mehr auf die Erde bekamen, tat sich im wahrsten Sinne erstmal eine grosse, düstere Leere auf, worauf quasi eine Phase der musikalischen Neufindung folgte. Nun gut, genug der einleitenden Worte, lassen wir die Musik für sich sprechen.

Aus dem nordostfinnischen Kuusamo stammen die vier Recken von Cyphosis, welche sich mit ihrem Album "To North And Under" im Herbst des letzten Jahres auf der musikalischen Bühne meldeten. Einen gravierenden Kritikpunkt gibt es an dieser Stelle schon gleich vorne weg: Noch nicht mal 35 Minuten für eine Langrille ist eindeutig zu wenig, Leute! Der Hörer möchte, wenn er ein Album erwirbt, auch eine dessen angemessene Spielzeit auf der Scheibe wieder finden. Andere Bands veröffentlichen EP’s mit einer solchen Spielzeit. Gerade dann, wenn auch noch das, was man da um die Lauscher geballert bekommt, einem so gut gefällt, hätte man für sein Geld, das man für die Scheibe investiert, eigentlich gern noch mehr Beschallung.

Die Finnen nennen einen ganz eigenen Mix ihr Eigen: So bestimmt das Genre des Melodic Death Metal das Songmaterial der Jungs, wobei man auch nicht wenige Anleihen aus dem Thrash-Bereich findet. Untergemischt wurden dem Ganzen nicht unerhebliche Mengen alter Sentenced- sowie Paradise Lost- Trademarks. Wow, gerade der Refrain von "To North And Under" erinnert, wenn man mal von diesem old schooligen Thrash-Solo absieht, derbe an Sentenced, sehr gut gemacht. Bei "Forged" hingegen weht ein gänzlich anderer Wind, denn hier gehen die Jungs ihren sehr trashigen, härteren Weg. Steht ihnen auch sicherlich ganz und gar nicht schlecht und macht das Ganze noch mal einen Tacken abwechslungsreicher. Zwischendurch hört man auch Reminiszenzen an die eingangs erwähnten Briten heraus – eine interessante Mischung. Desweiteren können die Jungs weit mehr als nur mit Vollgas drauflos - das von einer Akustikklampfe dominierte, relativ ruhige Stück "Across Black Water" ist ein eindrucksvoller Beweis für die Wandlungsfähigkeit der Band.

Fazit: Obwohl die Spielzeit echt zu wünschen übrig lässt, was sich leider gravierend auf die Punktevergabe auswirkt, so ist das musikalische Ergebnis doch umso befriedigender: Nostalgische Gefühle wecken die Songs, welche viel von den alten Sentenced und einiges von den alten Paradise Lost abbekommen haben. Eine richtig gute Scheibe der Finnen – gerne mehr davon, denn so etwas macht richtig Spass, ohne dabei altbacken zu wirken.

Albuminfo

Punkte

 

3/5

Label

Violent Journey Records

Veröffentlichung

3/2011

Format

CD

Land

Genre

Death Metal