Thy Catafalque - "Meta", siebtes Vollalbum - Avantgarde Metal. Ich spekuliere auf Rütteln an Hörgewohnheiten, auf Herausforderung, Radikalität, auf einen Kosmos, wo sich kühne und witzige Ideen überschlagen und, wenn's besonders hoch her geht, eine heftige Synapsenparty stattfindet, wie sie zum Beispiel die grandiosen Solefald mit "World Metal. Kosmopolis Sud" und "Norrøn Livskunst" geschmissen haben. Also, auf zu "Meta".

"Uránia" eröffnet schwarzmetallisch nach alter Schule, doch sobald der Klargesang von Attila Bakos einsetzt, driftet der Song in die hellere Dark Metal-Ecke, ändert dann aber wieder sein Gesicht und lässt mich ganz knapp an Slagmaur denken. Kurz, ein ansprechendes Düstergemälde, das von "Sirály" mit Mövenschreien und entspannender Gitarrenschmeichelei abgelöst wird. Nach und nach mischen sich bedrohlichere Töne ein, in die Judit Cseres mit ihrem Cello Melancholie streicht. Unter dem glockenhellen Sopran von Ágnes Tóths, der mit ätherischer Leichtigkeit die schweren Gitarrenakkorde verdrängt, blüht der Song zu einem ästhetischen Vergnügen auf. Wie gut, dass es mit "10^(-20) Ångström" einen Stimmungsknick gibt, der den eingeschlagenen Schmusekurs stoppt. Doch anschliessend föhnt Elektronik jede Menge Wärme und spirituellen Duft in "Ősszel otthon", was sanft und lau an mir vorbeizieht. Auch das zwanzigminütige "Malmok járnak" entpuppt sich letztendlich - trotz seines dunkelmetallischen Einstiegs - als leicht verdaulich, weil Tamás Kátai wieder die freundlichen Gaststimmen ins Spiel bringt, harte Kontraste und Kanten vermeidet und mit entrückenden Weisen Karmapunkte sammelt. Wellender Elektronikgroove verleitet zum Tanz, weiblicher Klargesang strebt in poppige Gefilde, während der männliche Gegenpart kurz in die pagane Ecke lockt. Ein Haufen interessanter Versatzstücke bietet anregend zusammengesetztes Ohrenkino, dessen Aufdröseln netten Zeitvertreib verspricht. "Vonatút az éjszakában" gleitet dank düsterpoppiger Gefälligkeit durch den Gehörgang und eignet sich ohne Thrill zum Chillen. "Mezolit" schleppt sich doomig schwer und mit gutturalem Gesang zu elektronischen Klängen und männlichem Klargesang und damit zur Aufhebung der anfänglichen Schwere. Ein "schade" füge ich innerlich dazu. Mit spoken words zu Orgelklängen und Glockenschlägen klingt dann das Album aus.

Fazit: Weder radikal, irre oder gar frech ist "Meta" ein leicht zu fassendes Album und mir für Avantgarde Metal eindeutig zu soft ausgefallen. Tamás Kátai lässt sich nicht auf Ungewöhnliches ein und hält mit viel Elektronik, sowie den Gesangs- und Instrumentaleinlagen seiner Gäste, stets den Airbag bereit, der Härten abfedert und auf harmonische Ohrgängigkeit dämpft. Das ist anregend und bietet auf unaufregende Art viel fürs Ohr, punktet mit Langzeitfaktor, Verspieltheit und Ästhetik.

Albuminfo

Punkte

 

4/5

Label

Season of Mist

Veröffentlichung

9/2016

Format

CD

Land

Genre

Metal