Mit Staghelm und ihrem zweiten Album „Natura Semper Praevalet“ öffnet sich ein Wald, der nicht schreit, sondern flüstert. Kein revolutionärer Umsturz im Black Metal, keine neue Doktrin – vielmehr ein stilles, würdiges Verharren in etwas Zeitlosem. Klassische Schönheit, in Moos und Nebel gehüllt.
Die drei Stücke dieses Albums wirken wie alte Bäume: tief verwurzelt, vom Wind gezeichnet, unbeirrbar stehend. „These Winds Know My Name“ begrüßt den Hörer wie ein kalter Morgen im Unterholz. Gitarrenlinien wehen wie ferne Stürme durch kahle Äste, während orchestrale Schichten Traurigkeit und Erhabenheit ineinander verschränken. Es ist Musik, die nicht drängt, sondern trägt – langsam, melancholisch, unausweichlich.
Mit „Wrath of the Barked Ones“ zeigt sich der Wald von seiner wilden Seite. Hier knackt das Holz, hier bäumt sich die Natur auf. Der Black Metal ist rauer, wütender, doch nie unkontrolliert. Die Wut wirkt alt, archaisch, wie ein Zorn, den die Erde selbst in sich trägt. Trotzdem bleibt auch hier Raum für Schönheit: kurze melodische Lichtungen, in denen die Musik atmen darf, bevor sie erneut im Dickicht verschwindet.
Der Abschluss „Altar of Oblivion“ ist schließlich reine Vergänglichkeit. Ein Trauergesang auf verfallende Pfade, auf Schnee, der alles zudeckt. Die orchestralen Elemente schneiden besonders tief, wirken herzzerreißend und still zugleich. Es ist Musik, die den Tod nicht dramatisiert, sondern als natürlichen Teil des Kreislaufs akzeptiert – ruhig, melancholisch, fast tröstend.
„Natura Semper Praevalet“ ist kein Album für Innovationjäger, sondern für jene, die sich in vertrauter Dunkelheit verlieren wollen. Staghelm verstehen es, Atmosphäre zu weben wie Nebel zwischen Bäumen: unscheinbar, aber allgegenwärtig. Ein Album von klassischer, schmerzhafter Schönheit – traurig, erhaben und zutiefst menschlich.
Albuminfo
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Punkte |
4/5 |
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Label |
Naturmacht |
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Veröffentlichung |
01/2026 |
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Format |
CD |
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Land |
Wales |
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Genre |
Black Metal |
