Ernte haben mit ihrem vierten Album „Der Schwarzen Flamme Vermächtnis“ ein Werk vorgelegt, das weniger Veröffentlichung als Schwur ist. Nach dem Wechsel zu Purity Through Fire wirkt das Projekt wie neu geschmiedet: entschlossener, finsterer und zugleich tiefer im Atmosphärischen verankert. Dieses Album markiert keinen bloßen Karriereschritt, sondern eine Zäsur – eine bewusste Rückbindung an Ursprung, Essenz und das ideologische Fundament des Black Metal.
Musikalisch entfaltet sich „Der Schwarzen Flamme Vermächtnis“ als kriegsgetriebenes Ritual. Die Songs stürmen mit nahezu metronomischer Härte voran, Blastbeats schlagen wie eiserne Hämmer, während scharf geschnittene Riffs eisige Schneisen durch das Klangbild ziehen. Doch unter dieser martialischen Oberfläche glimmt ein vielschichtiges Innenleben. Melodien schimmern wie gefrorene Adern im Stein, atmosphärische Passagen öffnen kalte Weiten, in denen Erhabenheit und Bedrohung miteinander ringen. Der oft bemühte Begriff des „funkelnden Schmutzes“ beschreibt diesen Sound treffend: roh, schneidend, aber voller Tiefe und feiner Nuancen. Die Produktion ist bewusst ungeschliffen, lässt den Dreck sprechen, ohne die Details zu ersticken.
Stilistisch lassen sich Spuren der frostigen Kälte früher Dødheimsgard- und Manes-Phase ebenso erahnen wie der fanatische Furor französischer Grenzgänger à la Bael oder Haemoth. Doch Ernte verlieren sich nie im Zitat. Vielmehr formen sie aus diesen Einflüssen eine eigene, klar erkennbare Handschrift. Das Songwriting wirkt gereift, fokussiert und geschlossen, die Stücke greifen ineinander wie Zahnräder eines archaischen Kriegswerks. Dieses Album will als Ganzes gehört werden, als zusammenhängendes Manifest aus Klang, Geist und Haltung.
Inhaltlich ist „Der Schwarzen Flamme Vermächtnis“ eine kompromisslose Absage an Moderne, Fortschrittsglauben und gesellschaftliche Fäulnis. Ernte beschwören alte Werte, geschmiedet in Feuer und Blut, lange bevor der Verfall der Gegenwart einsetzte. Die Texte stellen den Menschen nicht ins Zentrum, sondern infrage – als Störfaktor in einer Welt, die nach Rückeroberung durch Natur und archaische Kräfte verlangt. Diese Haltung wirkt nicht aufgesetzt, sondern durchzieht das Album wie ein schwarzer Rauchfaden, der Musik, Ästhetik und Aussage untrennbar verbindet.
Unterm Strich ist „Der Schwarzen Flamme Vermächtnis“ ein wuchtiges, finster strahlendes Werk, das Ernte endgültig als feste Größe im Black Metal etabliert. Düsterer, fokussierter und atmosphärischer denn je beschwört die Schweizerin alte Geister und lässt sie mit kalter Entschlossenheit in der Gegenwart wüten. Eine Flamme, die nicht lodert, sondern langsam, unerbittlich frisst – und lange nach dem Verklingen weiterbrennt.
Albuminfo
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Punkte |
3/5 |
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Label |
Purity Through Fire |
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Veröffentlichung |
02/2026 |
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Format |
CD |
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Land |
Schweiz |
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Genre |
Black Metal |
Trackliste
02. The Rise of the Older Ones 5:35
03. To Ashes 5:27
04. Lucifer 3:59
05. Lord of Ascending Flame 5:54
06. Wo sie wandelt 4:59
07. Ritval Pyre 4:22
