Das isländische Black-Metal-Schaffen genießt seit Jahren einen exzellenten Ruf. Bands wie Sinmara oder Svartidauði haben einen eigenständigen Sound geprägt, der orthodoxe Dissonanz mit frostiger Atmosphäre verbindet. Vafurlogi bewegen sich genau in diesem Spannungsfeld – und legen mit "Gneisti af eldi Guðs" ein Zweitwerk vor, das gegenüber dem Debüt "Í vökulli áþján" einen deutlichen Entwicklungsschritt markiert.

Schon der Opener "Af heilagri heift" macht klar, wohin die Reise geht. Aus zunächst kontrolliertem Chaos entwickelt sich ein mitreißendes Wechselspiel aus rasenden Blastbeats, melodischen Leadgitarren und atmosphärischen Zwischenspielen. Spoken-Word-Passagen, dezente Synthesizer und ruhige Gitarren dienen dabei nie als bloße Verschnaufpause, sondern fügen sich organisch in den Spannungsaufbau ein.

Überhaupt ist Dynamik eine der größten Stärken des Albums. Vafurlogi pendeln ständig zwischen eruptiver Raserei und epischen, fast hymnischen Momenten. Die Gitarren verweben dissonante Riffs mit überraschend eingängigen Melodien, ohne jemals ins Gefällige abzurutschen. Statt klassischer Songstrukturen entstehen ständig neue Spannungsbögen, die sich aufbauen, zusammenbrechen und unmittelbar wieder neu formieren. Gerade dadurch entwickelt "Gneisti af eldi Guðs" eine enorme Sogwirkung.

Besonders eindrucksvoll gelingt dies im Titelstück "Vafurlogi", dessen dramatische Leadgitarren lange nachhallen, sowie im herausragenden "Vitjun", das mit seiner majestätischen Wucht beinahe an Primordial erinnert, dabei aber deutlich aggressiver und schneller zu Werke geht. Der unumstrittene Höhepunkt ist jedoch "Úr himinsölum". Hier vereint das Duo sämtliche Stärken des Albums: entfesselte Geschwindigkeit, epische Melodien, intensive Atmosphäre und eine emotionale Wucht, die weit über bloße Aggression hinausgeht.

Dabei profitiert das Album enorm von der hervorragenden Produktion Stephen Lockharts. Trotz der rohen, kratzigen Grundausrichtung bleibt jede Gitarrenspur nachvollziehbar, das Schlagzeug besitzt Druck, ohne steril zu wirken, und auch der Bass verleiht den Kompositionen zusätzliches Gewicht. Das Klangbild wirkt gleichermaßen organisch wie kraftvoll und unterstreicht den emotionalen Charakter der Musik.

Nicht jeder Moment erreicht das außergewöhnlich hohe Niveau der besten Stücke. "Þegar rykið sest" bleibt etwas weniger prägnant, und auch das abschließende "Earthly Vestiges" hätte in seiner Länge etwas straffer ausfallen dürfen. Dennoch fallen diese kleineren Schwächen angesichts der insgesamt beeindruckenden Qualität kaum ins Gewicht.

Vor allem wirkt "Gneisti af eldi Guðs" deutlich spontaner und lebendiger als das Debüt. Þórir Garðarsson und Ragnar Sverisson haben ihren eigenen Ausdruck hörbar geschärft und verbinden die charakteristische Düsternis der isländischen Szene mit einem ausgeprägten Gespür für Melodie und Dramaturgie. Das Album zitiert die Tradition des skandinavischen Black Metals, entwickelt daraus aber eine eigenständige, intensive Klangsprache.

Mit "Gneisti af eldi Guðs" gelingt Vafurlogi ein kraftvolles, emotional aufgeladenes Album, das moderne isländische Black-Metal-Ästhetik mit epischem Songwriting verbindet. Wer anspruchsvollen Black Metal mit Tiefgang und Atmosphäre sucht, dürfte an diesem Werk kaum vorbeikommen.

 

Albuminfo

Punkte

 

4/5

Label

 

NoEvDia / Oration

Veröffentlichung

 

06/2026

Format

 

CD

Land

 

Island

Genre

 

Black Metal

 

Tracklist

1. Af heilagri heift
2. Þegar rykið sest
3. Vafurlogi
4. Að handan
5. Vitjun
6. Úr himinsölum
7. Earthly Vestiges