Hahaha, wie klingt wohl die Musik eines Italo-Quartetts, deren Keyboarder wie ein sizilianischer Strandgigolo aus dem Bilderbuch aussieht und deren Homepage optisch auch die eines mailändischen Freudenhauses sein könnte? Genauso wie ihr euch das nun vorstellt! Ich erkläre Phlegethon Animae hiermit zum Kult!

Vergesst Rhapsody und Konsorten! Die neuen Könige des gut gezuckerten Wattebausch-Metal sind diese Jünglinge aus unserem schönen südlichen Nachbarland! Zwar singt der gute Cesare nicht wie ein Eunuch, aber sein Gekeife ist nicht minder lustig, weil es so gar nicht zum Rest der märchenhaften Lieder passen will. Die "Genrekollegen" Children of Bodom sind vergleichsweise in höchstem Masse bösartig. Ich sehe bald nur noch Pink, wenn ich noch länger den klebrigen Keys lausche, die sich wie klanggewordenes flüssiges Caramel in meine Gehörgänge schmeicheln. Streicher, die an U96 erinnern und Glockenspiel-Sounds, die selbst Dimmu Borgir zum Weinen bringen würden: Der absolute Albtraum eines jeden Verfechters des wahren Metal! Wenn Edoardo den Super Mario bringt, laufen auch die testosterongeladensten Berserker Gefahr sich ein Ballettkleidchen anzuziehen und ihre Pizza mit Marshmallows zu garnieren.

Dass die Gitarren harmlos wie ein ausrastender Goldfisch daherkommen, bewirkt sein Übriges. Würden wir hier von "konformem" Death Metal sprechen, wären die Klampfen viel zu schwachbrüstig und der Tastenmann viel zu penetrant. Wir befinden uns aber im Bubble Land der gepflegten Schmachtsynthies, da darf man den Zuckerguss gleich eimerweise über die Äxte schütten, bis auch die letzten Ansätze von Aggression entweichen.

Man möge mich dafür steinigen wollen, aber ich finde diese Scheibe einfach unterhaltsam und äusserst amüsant. Bei welchem Metalalbum kann man schon Tränen lachen, wenn man es sich anhört! Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass Phlegethon Animae sehr versierte Musiker sind und Cesare – wie es sich für italienische Gitarristen gehört – mit einigen sehr beeindruckenden Soli brilliert. Wem Metal nicht süsslich und poppig genug sein kann, der kaufe dieses Werk. Vor allem in Kombination mit Doppelbass und Gekrächze ist Spass garantiert. Alle anderen: Finger weg! Die Hälfte der von mir vergebenen Punkte sind alleine dafür, dass ich mich dermassen amüsieren durfte!

Albuminfo

Punkte

 

2/5

Label

Eigenproduktion

Veröffentlichung

7/2005

Format

CD

Land

Genre

Metal