Ruins of Beverast waren nie eine Band für klar umrissene Songs, sondern immer ein Organismus, ein geschlossenes System aus Klang, Atmosphäre und Bedeutung. „Tempelschlaf“ fügt sich genau in diese Tradition ein – nicht als Sammlung einzelner Stücke, sondern als durchgehender Bewusstseinszustand, als ritueller Fluss, der sich der klassischen Dramaturgie bewusst entzieht.

Das Album wirkt wie ein langer Gang durch einen halb verfallenen Tempel: Räume öffnen sich, schließen sich wieder, Motive tauchen auf, verschwinden und kehren verändert zurück. Black Metal, Doom, psychedelische Texturen und gothisch anmutende Elemente sind hier keine Gegensätze, sondern Zustände ein und desselben Traums. Die oft zitierte Stilvielfalt ist weniger ein Bruch als vielmehr Ausdruck dieser schlafwandlerischen Logik – Übergänge müssen nicht elegant sein, weil sie nicht wach sind. „Tempelschlaf“ denkt in Bildern, nicht in Spannungsbögen.

Alexander von Meilenwald lässt das Album bewusst atmen. Schwere, schleppende Passagen liegen wie Sedimente über rasender Raserei, rituelle Gesänge ziehen sich wie Rauch durch das gesamte Werk. Die Produktion ist dicht und erdig, manchmal roh, manchmal entrückt, aber stets organisch. Alles scheint einem inneren Puls zu folgen, der weniger auf Effizienz als auf Wirkung ausgerichtet ist. Hier geht es nicht um Höhepunkte, sondern um Sog.

Im Vergleich zu früheren Werken wirkt „Tempelschlaf“ introspektiver, traumhafter, stellenweise fast psychedelisch. Die gothischen Anklänge und der vermehrte Einsatz von Klargesang verleihen dem Album eine eigentümliche Würde, ohne die schwarze Essenz der Band zu verwässern. Vielmehr entsteht der Eindruck, als würde sich der Sound von Ruins of Beverast weiter nach innen falten – weg von der reinen Aggression, hin zu einer dunklen, kontemplativen Schwere.

Gerade diese Haltung macht „Tempelschlaf“ so stark als Gesamtwerk. Es fordert Geduld, belohnt aber mit Tiefe. Was beim ersten Hören diffus oder überbordend wirken mag, offenbart mit der Zeit Zusammenhalt und innere Logik. Themen, Texturen und Stimmungen greifen ineinander wie Zahnräder eines alten Mechanismus, der nicht für Außenstehende gebaut wurde.

„Tempelschlaf“ ist kein Album, das sich beweisen muss. Es steht da wie ein monolithisches Gebilde: sperrig, geheimnisvoll, bewusst unzugänglich. Ruins of Beverast erweitern ihren ohnehin einzigartigen Kosmos um eine weitere Facette – weniger auf unmittelbare Erschütterung ausgerichtet, dafür umso nachhaltiger in seiner Wirkung. Ein Werk, das nicht erobert, sondern langsam Besitz ergreift.

Albuminfo

Punkte

 

4/5

Label

 

Van

Veröffentlichung

 

01/2026

Format

 

CD

Land

 

Deutschland

Genre

 

Doom Metal

Trackliste

01. Tempelschlaf
02. Day Of The Poacher
03. Cathedral Of Bleeding Statues
04. Alpha Fluids
05. Babel, You Scarlet Queen!
06. Last Theatre Of The Sea
07. The Carrion Cocoon