Wenn der malerische Winter mit Schnee und Eis langsam wieder dem grauen, nebligen, regnerischem Pseudowinter weicht, ist es das richtige Wetter für Depressive Black Metal. Wie eine nasskalte Nebelwand umfängt den Hörer das neue Infaust-Album „Entseelt“. Die erste Nummer „Nachtfluch“ krallt sich unverzüglich in den Gehörgängen fest. Blastbeatgewitter, ein gequält heulender Gesang, abgelöst von kurzen Verschnaufpausen im gemäßigten Tempo geben die Marschrichtung vor.
Eine Neuerfindung des Genres von der Thüringer Truppe mit ihrem vierten Album zu verlangen, wäre unfair. Dafür liefert sie aber ab, was das Subgenre auszeichnet. Die düsteren Texte laden zur Selbstreflektion über die Vergänglichkeit und den Tod ein. Besonders gelungen ist dies beim Stück „Eisige Stille“. Die dezente Melodie im Hintergrund hat dabei Ohrwurmpotential und zum Ende wartet die Nummer noch mit einem Gitarrensolo auf.
Bei einer Gesamtspielzeit von gut 43 Minuten, aufgeteilt auf sieben Titel, ist klar, es erwarten den Hörer lange Kompositionen. So kommt der schleppende Rausschmeißer „Abschied“ auf rund zehn Minuten; und keine davon ist eine zu viel. Wer bereits die älteren Infaust-Alben kennt, weiß, ohnehin, was ihn erwartet; auch wenn dieses Mal auf Saxophonklänge wie in „Tobsucht“ vom Album „Verblichen“ verzichtet wurde.
Mit „Entseelt“ legen Infaust nach längerer Pause eine stimmungsvolle und in sich geschlossene Platte vor, die hier und da immer wieder aufhorchen lässt. Es sind die gezielten Verschnaufpausen wie „Wundenspirale“, die im gelungenen Kontrast zum BM-Inferno stehen. Das Album ist weniger etwas zum Ausrasten und Toben, sondern für das bewusste, ruhige Hörerlebnis; den Blick in eine triste, graue Winterlandschaft gerichtet.
Albuminfo
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Punkte |
3.5/5 |
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Label |
Eisenwald |
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Veröffentlichung |
01/2026 |
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Format |
CD |
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Land |
Deutschland |
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Genre |
Black Metal |
Trackliste
2. Bedrängnis 05:51
3. Wundenspirale 02:35
4. Verderbnis 05:30
5. Zerrüttung 06:15
6. Eisige Stille 07:45
7. Abschied 10:10
