Es beginnt nicht mit einem Knall, sondern mit einem Grollen unter der Oberfläche. Wie tektonische Platten, die sich seit Jahrhunderten gegeneinander stemmen, baut sich in "Act II - Of Iron and Blood" ein Druck auf, der unausweichlich in Verwüstung münden muss. Lömsk zeichnen hier kein blosses Szenario – sie errichten ein brennendes Reich, lassen es erblühen im Stolz und stürzen es dann mit kalter Hand in den Abgrund.

Nach dem reinigenden Flächenbrand von "Act I" war klar, dass aus der Asche etwas Neues wachsen würde. Doch statt Hoffnung keimt in diesem zweiten Akt eine finstere Gewissheit: Alles trägt den Keim seines Untergangs in sich. Aus Göteborg senden Lömsk über Vendetta Records eine Botschaft, die sich anfühlt wie ein schwarzes Evangelium für eine Zeit ohne Götter.

Die ersten Minuten des Albums wirken wie der Blick auf eine Stadt im Morgengrauen – noch stehen die Türme, noch hallt das Leben durch die Gassen. Doch unter der Oberfläche fault es. Gitarrenlinien schichten sich wie Mauern aus Stahl, das Schlagzeug marschiert mit stoischer Entschlossenheit. Hier zeigt sich jene eiskalte Disziplin, die man von Mgła kennt: kein unnötiger Zierrat, kein sentimentales Innehalten. Stattdessen ein stetiges Voranschreiten, als würde man wissentlich in den eigenen Untergang marschieren.

Mit zunehmender Dauer reisst der Himmel auf. Die Musik wird weiter, hymnischer, ohne je ihre Strenge zu verlieren. Wo Groza urbane Isolation in kalten Beton giessen, verwandeln Lömsk ihre Vision in brennende Landschaften. Man hört das Bersten von Pfeilern, das Splittern von Idealen. Die Melodien leuchten wie Feuerzungen im Sturm – nicht als Trost, sondern als Fanal.

Und dann ist da diese existenzielle Wucht, die an Gaerea erinnert: ein Aufbäumen gegen das Nichts, ein verzweifeltes, zugleich würdevolles Stemmen gegen die Schwerkraft der Entropie. Doch Lömsk richten den Blick weniger nach innen als nach aussen. Ihr Zorn ist kein persönlicher, sondern ein zivilisatorischer. "Act II - Of Iron and Blood" klingt wie das Tagebuch eines Imperiums, das erkennt, dass es selbst die Fackel an sein Fundament gelegt hat.

Dass sämtliche Musik von Lömsk selbst geschrieben, produziert, aufgenommen und gemischt wurde, verleiht dem Album eine fast hermetische Geschlossenheit. Nichts wirkt zufällig, nichts fremdgesteuert. Das Mastering in den Obsidian Recording Studios sorgt dafür, dass diese Klangarchitektur massiv und doch atmend wirkt – wie eine Kathedrale aus Eisen, in der jeder Schritt widerhallt.

Am Ende bleibt keine Erlösung. Die letzten Klänge ziehen sich zurück wie Rauchfahnen über einem verkohlten Horizont. Was einst aus Hochmut erbaut wurde, liegt nun in Schutt und Asche. Und doch fühlt sich dieser Untergang nicht leer an. Er ist notwendig, beinahe reinigend.

"Act II - Of Iron and Blood" ist mehr als ein weiteres Kapitel. Es ist das Protokoll eines Falls – unerbittlich, majestätisch und von einer düsteren Schönheit, die lange nachglüht. Lömsk haben ein Werk geschaffen, das nicht bloss zerstört, sondern offenlegt. Unter Eisen und Blut schlägt noch ein Herz. Aber es weiss, dass es nicht ewig schlagen wird.

 

Albuminfo

Punkte

 

4/5

Label

 

Vendetta

Veröffentlichung

 

03/2026

Format

 

CD

Land

 

Schweden

Genre

 

Black Metal

Trackliste


01. Fields of Elysium
02. Of Iron and Blood
03. Requiem of Fire
04. Entropia
05. The Gathering Storm
06. Chimaera
07. Stare Into the Void
08. Furia
09. The Silence Thereafter