Mit "Memento Mori" erhebt sich Conjuring wie ein kalter Windstoss über den kargen Hochebenen der Schweiz – weit, entrückt, von einer Schönheit, die nie tröstet, sondern stets mahnt. Alvar, der einsame Architekt hinter diesem Projekt, legt mit seinem vierten Album ein Werk vor, das deutlich gereifter wirkt als seine Vorgänger, als hätte sich der Nebel gelichtet und den Blick auf tiefere, bewusstere Strukturen freigegeben.
Schon der eröffnende Titeltrack „Memento Mori“ zieht den Hörer in ein Geflecht aus melancholischen Tremolo-Wellen, die sich wie endlose Bergketten am Horizont aufbäumen. „Inferis“ und „Aura“, die zurecht als Highlights hervorgehoben werden, tragen diese Stimmung weiter: ein Wechselspiel aus fragiler Einkehr und eruptiver Kälte. Immer wieder brechen zwischen den Gitarrenfluten zarte Pianoklänge hervor – wie vereinzelte Lichtreflexe auf einem zugefrorenen See, kurz bevor sie wieder im Grau des Himmels verschwinden.
Die Produktion, veredelt in der Klangschmiede Studio E unter der Hand von Markus Stock, verleiht dem Album eine Klarheit, die dennoch nie steril wirkt. Vielmehr bleibt die rohe, emotionale Substanz erhalten – als würde man durch eine scharfe, eisige Luft atmen, die jede Regung spürbar macht.
Und doch: So überzeugend "Memento Mori" auch ist, so sehr haftet ihm noch ein Hauch von Fremdvertrautheit an. Die DNA des atmosphärischen Black Metal ist deutlich spürbar, die Einflüsse nie ganz abgeschüttelt. Es fehlt jenes letzte, ungreifbare Element, das Conjuring endgültig aus dem Schatten vergleichbarer Projekte heraustreten lässt. Die Landschaft, die Alvar zeichnet, ist eindrucksvoll – aber sie erinnert noch zu sehr an bereits durchwanderte Pfade.
Dennoch bleibt "Memento Mori" ein starkes, in sich geschlossenes Werk: sechs Kompositionen, die sich wie Jahreszeiten entfalten, getragen von Themen wie Vergänglichkeit, spirituellem Erwachen und der stillen Ehrfurcht vor dem Kreislauf von Leben und Tod. Ein Album wie ein einsamer Grat in den Alpen – rau, erhaben, und von einer Schönheit, die man sich erarbeiten muss.
Albuminfo
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Punkte |
3/5 |
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Label |
Hypnotic Dirge |
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Veröffentlichung |
05/2026 |
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Format |
CD |
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Land |
Schweiz |
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Genre |
Black Metal |
Trackliste
2. Inferis (9:16)
3. Rituale (6:07)
4. In Nihilum (8:29)
5. Aura (6:45)
6. Anima (8:06)
