Mit "In Sorrow’s Requiem" kehren Motus Tenebrae nach beinahe einem Jahrzehnt der Stille zurück – und sie tun es mit einer Gravität, die kaum Raum für Licht lässt. Dieses Album ist Doom Metal in Musterformat: episch, hymnisch, durchtränkt von Pathos und einer fast dekadenten Hingabe an den Schmerz. Was hier erklingt, ist kein blosses Weiterführen alter Ideen, sondern deren Veredelung zu einer schwarzen Messe aus Klang.
Schon in den ersten Momenten breitet sich eine Aura aus, die unweigerlich an die erdrückende Eleganz von Paradise Lost, die tragische Wucht von My Dying Bride oder die melancholische Kälte von Sentenced erinnert – doch Motus Tenebrae verharren nicht im Schatten dieser Grössen. Vielmehr formen sie aus diesen Einflüssen ein eigenes, schwer atmendes Monument.
Die Kompositionen wirken wie Kathedralen aus Klang: getragen von schweren Gitarren, die sich in Zeitlupe durch die Stücke schleppen, während Luis McFaddens Stimme wie ein geisterhafter Prediger durch die Hallen hallt. Immer wieder öffnen sich die Songs zu hymnischen Momenten, die fast erhaben wirken – nur um kurz darauf wieder in sich zusammenzufallen, als würde die Hoffnung selbst unter ihrem eigenen Gewicht zerbrechen.
Thematisch ist "In Sorrow’s Requiem" ein Abstieg. Ein langsames, bewusstes Hinabgleiten in die Dämmerung der menschlichen Essenz, in der Verzweiflung und Sehnsucht zu ständigen Begleitern werden. Die zehnjährige Pause hat der Band hörbar gutgetan: Dieses Werk ist reifer, tiefer, nuancierter. Jede Note scheint durchlitten, jede Passage bewusst gesetzt.
Produktionstechnisch bleibt alles in der Hand der Band – aufgenommen, gemischt und gemastert im New Marblechair Room in Pisa – was dem Album eine geschlossene, fast klaustrophobische Intimität verleiht. Nichts wirkt zufällig, nichts überladen. Stattdessen regiert eine dunkle Klarheit, die den Hörer immer tiefer in diesen Strudel aus Melancholie zieht.
"In Sorrow’s Requiem" ist kein Album für flüchtige Momente. Es ist ein Ritual, ein langsames Verlöschen im Kerzenschein einer sterbenden Welt. Motus Tenebrae sind zurück – stärker, düsterer, und mit einem Werk, das nicht nur ihre 25-jährige Geschichte ehrt, sondern sie in bleierner Schönheit krönt.
Albuminfo
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Punkte |
4/5 |
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Label |
My Kingdom |
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Veröffentlichung |
05/2026 |
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Format |
CD |
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Land |
Italien |
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Genre |
Doom Metal |
Trackliste
2. Solitude
3. The Dark Machine
4. Desolate Place
5. Fragments
6. In Sorrow's Requiem
7. Pulvere Sacro
8. Love Damned Of Dead
9. Shelter Me
10. End Begun
