Kaum eine Band verkörpert den norwegischen Black Metal so kompromisslos wie Taake. Seit Hoest das Projekt Anfang der Neunzigerjahre ins Leben rief, ist aus einer klassischen One-Man-Band eine Institution geworden, die allen Trends trotzte und sich nie dem Zeitgeist anbiederte. Während zahlreiche Weggefährten ihren Sound modernisierten oder in nostalgischer Selbstkopie erstarrten, blieb Taake stets in Bewegung – allerdings ausschließlich nach den eigenen Regeln. "En Skog av Nidstang" ist dafür ein weiteres eindrucksvolles Beispiel.

Das Album knüpft unmittelbar an den starken Vorgänger "Et Hav av Avstand" an, geht dessen Weg jedoch konsequent weiter. Hoest verzichtet erneut auf Überfrachtung und konzentriert sich auf gerade einmal vier ausufernde Kompositionen, die genügend Raum erhalten, um sich organisch zu entwickeln. Statt permanent neue Wendungen einzubauen, vertraut Taake auf Atmosphäre, Wiederholung und das feine Gespür für Dynamik, das Hoest seit Jahrzehnten auszeichnet.

Dabei wirkt "En Skog av Nidstang" erstaunlich ursprünglich. Die Aufnahmen entstanden südlich von Bergen, in jener moosbewachsenen Landschaft, die bereits den romantischen Maler Lars Hertervig inspirierte. Diese Verwurzelung mit der norwegischen Natur ist weit mehr als bloße Kulisse. Das Album atmet förmlich den Geruch feuchter Wälder und karger Felsen. Die Produktion verzichtet auf übertriebene Perfektion und setzt stattdessen auf einen rauen, lebendigen Klang, der hervorragend zu Taakes ureigenem Ausdruck passt.

Musikalisch bleibt Hoest seinem charakteristischen Stil treu. Rasende Black-Metal-Attacken treffen auf eingängige, beinahe folkige Gitarrenmelodien, immer wieder durchzogen von den unverkennbaren Rock-'n'-Roll-Einflüssen, die Taake seit "Hordalands Doedskvad" von vielen Genrevertretern unterscheiden. Gerade diese Balance zwischen Wildheit und Melodie macht den Reiz der Band aus. Wo andere ausschließlich auf Geschwindigkeit oder Atmosphäre setzen, gelingt Hoest die Verbindung beider Welten nahezu mühelos.

Besonders beeindruckend ist einmal mehr sein Gespür für Spannungsaufbau. Die vier langen Stücke verlieren trotz ihrer Laufzeit nie den roten Faden, sondern entwickeln sich mit einer Selbstverständlichkeit, die nur wenigen Songwritern im Black Metal gelingt. Immer wieder öffnen sich kleine melodische Fenster, bevor das nächste Riff den Hörer zurück in die Dunkelheit zieht. Gerade deshalb entfaltet das Album seine volle Wirkung erst nach mehreren Durchläufen.

Wer allerdings auf stilistische Überraschungen hofft, dürfte kaum fündig werden. Taake definieren ihren Sound nicht neu und wollen das offensichtlich auch gar nicht. "En Skog av Nidstang" lebt von Kontinuität, nicht von Revolution. Manche Passagen wirken sogar bewusst vertraut und erinnern an frühere Großtaten der Band. Das schmälert den Hörgenuss zwar kaum, verhindert aber, dass das Album die ganz großen Klassiker der Diskografie überflügelt.

Nach mehr als drei Jahrzehnten bleibt Taake dennoch eine Ausnahmeerscheinung. Während viele Veteranen nur noch ihren eigenen Mythos verwalten, wirkt Hoest weiterhin hungrig und kreativ. "En Skog av Nidstang" beweist eindrucksvoll, dass authentischer norwegischer Black Metal weder Innovation um ihrer selbst willen noch nostalgische Selbstkopie benötigt. Eine starke Handschrift genügt.

Albuminfo

Punkte

 

3/5

Label

 

Dark Essence

Veröffentlichung

 

07/2026

Format

 

CD

Land

 

Norwegen

Genre

 

Black Metal

 

Tracklist

1. Einstoeingen og Eg
2. Et Dyr tok min Hud
3. Engler
4. Av Guds ville Naade