Sechs Jahre lang war es still um Sojourner. Nach „Premonitions“ schien die Zeit für die internationale Formation beinahe stehen geblieben zu sein – Besetzungswechsel, eine schöpferische Pause und die Rückkehr zu Avantgarde Music prägten die vergangenen Jahre. Doch aus dieser Stille ist kein Stillstand erwachsen, sondern ein Album, das die Seele der Band bewahrt und ihr zugleich neue Flügel verleiht.

Schon nach wenigen Takten wird deutlich, dass Sojourner ihren unverwechselbaren Klang nicht verloren haben. Die weit ausgreifenden Melodien, die folkloristischen Farbtupfer und die majestätischen Klanglandschaften entfalten sich wie Nebelschwaden über uralten Gebirgen. Gleichzeitig besitzt „Gateways“ mehr Dynamik als viele seiner Vorgänger. Rasende Blastbeats, monumentale Riffs und packende Tempowechsel verhindern, dass sich die epische Grundstimmung jemals in bloßer Behäbigkeit verliert.

Ein wesentlicher Gewinn ist die Verpflichtung von Heike Langhans. Die ehemalige Draconian-Sängerin verleiht den ohnehin schwelgerischen Kompositionen eine zusätzliche Dimension. Ihre kristallklaren, melancholischen Gesangslinien schweben wie ein ferner Sternenhimmel über den harschen Vocals und verleihen den Liedern eine ergreifende Tiefe, ohne jemals kitschig zu wirken.

Dabei versteht es die Band meisterhaft, Melancholie und Wucht miteinander zu verweben. Jeder Song öffnet ein neues Tor – passend zum Albumnamen – in eine Welt aus Sehnsucht, Einsamkeit und erhabener Schönheit. Trotz aller atmosphärischen Opulenz verlieren Sojourner nie den Blick für eingängige Melodien und sorgfältig ausgearbeitete Songstrukturen.

Mike Lambs Aussage, „Gateways“ vereine die Essenz der bisherigen Bandgeschichte und öffne zugleich den Weg in neue Horizonte, ist keine leere Floskel. Tatsächlich wirkt das Album wie eine natürliche Weiterentwicklung des bisherigen Schaffens. Es verzichtet auf radikale Experimente, verfeinert jedoch jedes bekannte Element mit bemerkenswerter Konsequenz.

Sojourner gelingt damit ein eindrucksvolles Comeback. „Gateways“ besitzt jene seltene Qualität, gleichzeitig vertraut und frisch zu klingen. Die lange Wartezeit hat sich gelohnt: Aus der kreativen Stille ist ein Werk entstanden, das den Himmel mit nordischer Melancholie verdunkelt und dennoch immer wieder Lichtstrahlen durch die Wolken brechen lässt.

Albuminfo

Punkte

 

4/5

Label

 

Avantgarde

Veröffentlichung

 

07/2026

Format

 

CD

Land

 

Neuseeland/Schweden

Genre

 

Black Metal/Melodic Black Metal

 

Tracklist

1. Dawnrays 07:37
2. And the Paintings Fall 07:28
3. Lunar Tear 05:18
4. Occultation 07:12
5. Epitaphs 06:51
6. Vvardenfell 06:36
7. The Road Ahead 06:10