Was uns die Franzosen hier vorsetzen, ist dermassen schwer verdauliche und progressive Kost, dass es wohl für jeden Freund der gepflegten Primitivität eine Höllenqual wäre dieses Album ganz durchzuhören. Die mir vorliegende Promo enthält nur die Hälfte der Lieder, die auf dem zweistündigen (!) Doppelalbum vorhanden sind, aber ich brauchte auch bei dieser abgespeckten Version ein paar Durchläufe um das Gebotene zu begreifen. Nach dem ersten Hören hätte ich "On the wings of Phoenix" mit gerade einmal der Hälfte der Punkte abgespeist. Obwohl ich ein bekennender Liebhaber von komplexen und epischen Werken bin, musste ich mir an dieser Scheibe die Zähne ausbeissen. Mittlerweile vermögen mich Symbyosis streckenweise in hohem Masse zu begeistern.

Seien es rhythmisch vertrackte Passagen, bombastische Arrangements oder pfeilschnelle Gitarrenläufe: Das Quintett glänzt handwerklich zu jedem Zeitpunkt. Man stelle sich einen progressiven Bastarden aus Theory in Practice, Strapping Young Lad, Soilwork und Symphony X vor, dann hat man vielleicht eine ungefähre Vorstellung, wie Symbyosis klingen. In Stücken wie "Death apogee" wird der orchestrale Bombast dermassen auf die Spitze getrieben, dass man kaum mehr ruhig auf dem Stuhl sitzen kann. Man sollte schon opulente Keyboards ertragen können, möchte man solche Hymnen geniessen. Elektronische Spielereien und fantastische Frickeleien fehlen selbstverständlich auch nicht.

Die grösste Schwäche solch aufwändiger Tonkunst ist die Unzugänglichkeit. Leider sind viele Hörer nicht bereit, sich eingehend mit Musik zu beschäftigen, die nicht sofort im Gehör kleben bleibt. Meiner Meinung nach hat man es mit der Komplexität etwas übertrieben. Kaum ein Part lässt einem kurz Zeit das Gehörte wirken zu lassen. Dermassen intellektualisierte Kompositionen sind anstrengend zu konsumieren. Hat man den Zugang aber einmal gefunden, offenbaren sich einem unglaublich vielschichtige und dichte Klangwelten, die man in dieser Form noch selten vernommen hat. Man könnte "On the wings of Phoenix" mit einem riesigen bizarren Gemälde vollgestopft mit Details und Raffinessen vergleichen. Für alle Jünger des progressiven Todesstahls gilt: Antesten!

Albuminfo

Punkte

 

4/5

Label

Hidden Association

Veröffentlichung

12/2005

Format

CD

Land

Genre

Death Metal