Eiskalt ist die Nacht. Blitze durchzucken das Dunkel, der Regen bricht sintflutartig aus dem Nichts. Die verlassene Festung liegt umhüllt von schwarzem Nebel auf der Spitze des Berges. Keine Spur von Leben. Düsternis. Plötzlicher Szenenwechsel. Dreckbeschmierte Soldaten klammern sich im Schützengraben verzweifelt an ihre Gewehre. Rotz und Wasser. Panzer rollen quietschend in wie von Geisterhand erschaffene Feuerwände. Schon die Lektüre des Booklets entführt mich an zwei Schauplätze absoluter Hoffnungslosigkeit. Ohne in direktem Zusammenhang zueinander zu stehen, verbildlichen uns diese beiden Szenarien das auf dem Tonträger behandelte Thema einer Welt nach der Auslöschung jedes Lebens.

Der Thematik angemessen legen Eschaton sich mächtig ins Zeug und hauen dem Hörer mit Hilfe des dargebotenen rohen und primitiven Black Metal ein Klangbild der Vernichtung nach dem anderen um und in die Ohren. Die sehr harrsche Herangehensweise an die Vertonung des tiefen inneren Wunsches nach Zerstörung nötigt mir durchaus Respekt ab, da hier nicht versucht wird, durch Überfrachtung des Materials mit Effekten und an den Haaren herbeigezogenen Ideen zu punkten, sondern stattdessen unbeirrt auf die alte Schule teuflischen Geknüppels zurückgegriffen wird. Auch wenn das Arrangement der Platte keine grossartige Finesse aufweist und der Schlagzeuger in der Hitze des Gefechtes schonmal daneben haut steht "Causa Fortior" trotzdem wie ein Turm in der Schlacht, gehalten von einem festen Gerüst, welches sich aus dem anspornenden Spiel der Gitarren und dem abgrundtief hasserfüllten Schreien des Frontmannes Nerteroz erbaut. Alle Tempovarianten sind den drei Griechen geläufig und werden auch abwechselnd verwendet, wobei die technische Versiertheit im Vollgasbereich doch Schwächen zeigt und das Lauschen daher angenehmer ist, sobald ein bis zwei Gänge zurückgeschaltet werden. Mitreissend und stimmungsvoll bleibt man aber unabhängig von der vorgelegten Geschwindigkeit über die gesamte Spielzeit hinweg und lässt keine Längen aufkommen. Spärlich verwendete kreative Spielereien wie das oft gehörte Windheulen oder das als Sprechmonolog vorgetragene Todesurteil Jesus Christus' setzen gelungene Akzente im Gesamtbild der sechs zwischen vier und neun Minuten langen Stücke und bestätigen, dass die Griechen ihre Hausaufgaben gemacht und es verstanden haben, das schwarzmetallische Strickmuster auf ihre Art und Weise in harte und blasphemische Musik zu verwandeln.

Obwohl Eschaton mit "Causa Fortior" von der Klasse ihrer Landsleute der Marke Necromantia und Rotting Christ noch meilenweit entfernt sind, siedelt sich die Platte doch im oberen Mittelfeld der momentan massenweise auf den Markt strömenden Black Metal-Veröffentlichungen an und es würde mich interessieren, inwieweit das nächste Werk der Südeuropäer eine Steigerung zu werden vermag. Kompositorisch gibt man sich keine Blösse, die Produktion ist auch ordentlich ausgefallen und durch konsequentes Aufsuchen des Proberaumes sollten sich die spielerischen Defizite, die an manchen Stellen zwar noch durchscheinen aber nicht störend sind, leicht wettmachen lassen. Gutes Material, wenn auch noch sehr ausbaufähig.

Albuminfo

Punkte

 

3/5

Label

Nykta

Veröffentlichung

9/2006

Format

CD

Land

Genre

Black Metal